17. November 2020 / 13:04 Uhr

Warten auf den Re-Start: Spieler des Bornaer SV haben spezielle Hausaufgaben

Warten auf den Re-Start: Spieler des Bornaer SV haben spezielle Hausaufgaben

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Fußball-Landesklasse: FSV Krostitz – Bornaer SV
Für Bornas Coach Marco Gruhne verbreiten die Politiker zu wenig Optimismus. © Alexander Prautzsch
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Die Landesklasse Nord ruht und niemand weiß, wann auf den Amateur-Plätzen endlich wieder gekickt werden darf. Die Mannschaft des Bornaer SV hat von Trainer Marco Gruhne diverse Aufgaben für die spielfreie Zeit bekommen, um sich fit zu halten.

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Borna. Die Leipziger Festspiele wurden ersatzlos gestrichen und auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben. Viermal hätte Fußball-Landesklasse-Aufsteiger Bornaer SV im Monat November mit Mannschaften aus der Messestadt die Klingen gekreuzt, doch die erneute Corona-Zwangspause durchkreuzte den Terminkalender in seiner ganzen Breite und Länge. Ob einen Tag vor Nikolaus bei LVB die Nummer 5 über die Bühne gehen kann, ist ungewisser denn je.

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Rote Laterne in der Fairness-Tabelle

Immerhin konnte sich der Neuling Ende Oktober mit dem erhofften guten Gefühl - sprich einem eher noch zu niedrig ausgefallenen 5:0-Sieg gegen Sermuth - in die Auszeit verabschieden. Die Zwischenbilanz nach rund einem Viertel der Saison ist durchaus ansehnlich. 8. Platz, zehn Punkte in sieben Partien, ein Torverhältnis von 13:6 – da gibt es momentan kaum etwas zu beanstanden. Zumal die Wyhrastädter das aktuelle Führungsquartett bereits weg haben und aufgrund von Platzverweisen vier Begegnungen nicht vollzählig beendeten.

DURCHKLICKEN: Bornaer SV gegen Sermuth im Rudolf-Harbig-Stadion

Mit 5:0 gewinnt der Bornaer SV gegen Eintracht Sermuth. Die Partie gestaltet sich vor allem in der Schlussphase turbulent. Zur Galerie
Mit 5:0 gewinnt der Bornaer SV gegen Eintracht Sermuth. Die Partie gestaltet sich vor allem in der Schlussphase turbulent. © hanni

Zweifellos ein Wermutstropfen im Freudenbecher, denn die rote Laterne in der Fairness-Tabelle ist in der Tat kein Ruhmesblatt für die Schwarz-Gelben. Zwar haben nur zwei Staffel-Kontrahenten noch seltener den gelbe Karton erhalten als die Bornaer, aber zwei gelb-rote und drei rote Karten (ob berechtigt oder nicht steht auf einem anderen Blatt) sind des Schlechten eindeutig zu viel. Zuletzt erwischte es den erfahrenen Michael Rudolph, welcher in der Vergangenheit nicht unbedingt durch mangelhafte Disziplin aufgefallen ist.

Hoffnung auf Re-Start im Dezember

BSV-Trainer Marco Gruhne versucht, die zur Herunter-Stellung führende Szene sachlich einzuordnen: „Er bekommt für einen leichten Schubser Rot und ist deshalb nun drei Begegnungen gesperrt. Das vorherige Foul des Sermuthers grenzte an Körperverletzung und war dem Schiedsrichter lediglich eine Verwarnung wert. Hier stimmen die Relationen nicht.“ Der Ausfall des vor dem Spieljahr vom Regionalligisten ZFC Meuselwitz gekommenen Leistungsträgers - welcher zusammen mit Tom Haase bislang bester Torschütze ist (3) - schmerzt auf jeden Fall.

Wann der Routinier seine Strafe absitzen muss, steht freilich noch nicht fest. Für Gruhne könnte es gar nicht früh genug wieder los gehen: „Ich hoffe bei aller Skepsis immer noch auf einen Re-Start im Dezember. Natürlich dürfen wir die Virus-Geschichte nicht auf die leichte Schulter nehmen, über die gravierenden Einschränkungen zu reden muss allerdings erlaubt sein. Die vom Verband sowie den Vereinen erarbeiteten Hygienekonzepte wurden penibel umgesetzt und haben gegriffen. Bis zum Lockdown ist in unserer Liga wegen Corona ein einziges Spiel ausgefallen und das folgende Testergebnis war meines Wissens auch noch negativ. Das beweist doch, dass der Sport kein Infektionstreiber ist. Uns werden von den Politikern täglich Zahlen um die Ohren geschleudert, anstatt etwas Optimismus zu verbreiten. Als in anderen Jahren die Grippe grassierte, ging der Alltag im Grunde genommen normal weiter. Dass bei Krankheitserscheinungen der Ursache auf den Grund gegangen werden muss, ist absolut unbestritten. Doch derzeit wird selbst ohne Symptome getestet, was das Zeug hält. Kein Wunder, dass die Menschen verunsichert sind.“

Gruhne hat kein Verständnis für Länderspiele

Wobei Bornas Coach bei seinen Aussagen durchblicken lässt, unter Umständen auch mit einer längeren Spielpause zu rechnen: „Bisher ist nicht viel passiert. Und falls es wirklich erst im Januar weiter gehen kann, sollte das auch kein Problem sein. Ich denke, die Saison kann selbst dann noch ziemlich locker über die Runden gebracht werden. Eine Diskussion um eine Verkürzung eventuell verbunden mit Play-offs halte ich aktuell für völlig verfrüht.“

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Seinen Schützlingen individuelle Trainingspläne zu übergeben, hat Gruhne allerdings nicht auf die lange Bank geschoben: „Die Mannschaft hat spezielle Hausaufgaben erhalten, schließlich betreiben wir leistungsorientierten Breitensport. Längere Läufe, kurze Sprints, Kraftübungen – da ist allerhand dabei. Joggen zu zweit ist ebenso erlaubt, mit reichlich Abstand selbst in der Gruppe möglich. Da ist es nicht so einsam. Und wenn neue Ideen benötigt werden, können mich unsere Spieler Tag und Nacht anrufen. Hauptsache die Jungs bewahren sich ihren zuvor erarbeiteten Fitnesszustand und ich bin beim Wiedersehen nicht erschrocken, weil zu viele Schokoriegel oder ähnliches im Spiel waren. Technisch-taktische Dinge können wir dann erledigen, so bald Team-Training möglich ist. Ansonsten sind einige vielleicht gar nicht böse darüber, dass sie mich mal vier Wochen nicht zu Gesicht bekommen. Gerade in der jetzigen Situation ist man ohnehin eher als Coach statt als Trainer gefordert.“

In einer Zeit, in welcher auch Gruhnes Gedanken zwischen Gegenwart und Zukunft kreisen: „Es bleibt abzuwarten, wie es nach Corona mit dem Fußball weiter geht, insbesondere im Amateur- und Jugendbereich. Halten alle zur Stange? Hier geht es keineswegs in erster Linie darum, dass 22 Leute dem Leder hinterher rennen. Sondern um Zusammenhalt und Abwechslung. Bei den Profis ist es anders, da ist es deren Beruf, die müssen damit Geld verdienen. Und daher ist es in Ordnung, dass sie weiter spielen. Für die zahlreichen Länderspiele habe ich allerdings kein Verständnis, die stellen ein unnötige Risiko dar.“ Marco Gruhne hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg und drückt ganz fest die Daumen, dass in Sport und Gesellschaft bald wieder angenehmere Themen auf der Tagesordnung stehen.