22. Oktober 2020 / 18:38 Uhr

Warum der SC Freiburg das große Vorbild von Union Berlin ist

Warum der SC Freiburg das große Vorbild von Union Berlin ist

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Einmal Freiburg - Berlin und zurück: In der vergangenen Saison spielte Keven Schlotterbeck (l.) für Union, in dieser Bruder Nico.
Einmal Freiburg - Berlin und zurück: In der vergangenen Saison spielte Keven Schlotterbeck (l.) für Union, in dieser Bruder Nico. © Patrick Seeger/dpa
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Die Badener haben sich in der Fußball-Bundesliga prächtig entwickelt – der 1. FC Union will einen ähnlichen Weg gehen, hat aber noch viel zu tun.

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Zwei Wochen ist es erst her, als Oliver Ruhnert einen kleinen physikalischen Exkurs gab. Von Lichtjahren sprach der Manager des Fußball-Bundesligisten Union Berlin – und meinte damit die Entfernung, die zwischen Union und dem englischen Meister FC Liverpool liege. Ruhnert wollte mit seinem Ausflug ins Galaktische verdeutlichen, warum eine feste Verpflichtung von Loris Karius für Union nicht darstellbar gewesen wäre und der Torhüter daher nur auf Leihbasis nach Köpenick kommen konnte.

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Über den SC Freiburg, der am Samstag (15.30 Uhr) in Köpenick gastiert, sprechen die Berliner in ähnlichen Tönen. Keine Lichtjahre, aber doch „Jahre“ würden Union auf den Sportclub fehlen, sagte Urs Fischer. Freiburg sei ein gutes Vorbild, „aber da gibt es noch andere wie Mainz oder Augsburg, da haben wir schon noch ein bisschen etwas aufzuholen“, ergänzte er.

Der Kader des 1. FC Union Berlin in der Saison 2020/21

<b>Torwart:</b> Andreas Luthe (1) Zur Galerie
Torwart: Andreas Luthe (1) ©

Die Tabellensituation meint Unions Trainer damit nicht, schließlich liegt seine Elf zwei Plätze vor den punktgleichen Freiburgern. Aber genauso wenig wie Union derzeit Spieler des FC Liverpool fest verpflichten kann, kommt der Club an begehrte Festangestellte des Sportclubs heran.

Der aktuell noch angeschlagene Nico Schlotterbeck (20), der laut Fischer „auf einem guten Weg“ sei, ist aus Freiburg nur geliehen. Und Bruder Keven Schlotterbeck (23), den die Berliner in der vergangenen Saison geborgt hatten, musste man wieder zu seinem Heimatverein ziehen lassen – wo er aktuell nur zweite Wahl ist.

Was Freiburg lange schon vormacht, geht Union noch ab: junge Spieler zu Erstliga-Profis entwickeln. In Freiburg hat das Methode und lohnt sich. Vor dieser Saison verkaufte der SC Luca Waldschmidt (15 Millionen Euro/Benfica Lissabon), Robin Koch (13 Millionen/Leeds United) und Torwart Alexander Schwolow (7 Millionen/Hertha BSC).

Und das Reservoir ist groß. Im Profi-Kader stehen acht Spieler aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum, darunter etablierte Kräfte wie Kapitän Christian Günter, Nicolas Höfler oder Jonathan Schmid. Union dagegen habe „noch nicht den Nachwuchs, der uns wie beim SC Freiburg jedes Jahr zwei oder drei Spieler liefert, die wir direkt reinwerfen können“, sagt Ruhnert.

Im Berliner Kader stehen in dieser Saison mit Torwart Lennart Moser (20) und Rechtsaußen Tim Maciejewski (19) lediglich zwei Spieler aus dem eigenen Hause. Moser steht klar im Schatten von Andreas Luthe und Karius, über Maciejewski sagt Trainer Urs Fischer: „Er benötigt noch Eingewöhnungszeit.“

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Gespielt hat Maciejewski zuletzt im Test gegen Hannover, im Kader stand er lediglich beim Pokalauftritt in Karlsruhe. Weiteren Talenten wie Mitteldfeldspieler Fabio Schneider (18) oder Innenverteidiger Mathis Bruns (16) gewährt Fischer Trainingseinheiten. „Wenn wir das Gefühl haben, dass sie so weit sind, werden sie ihre Möglichkeiten bekommen“, verspricht der Trainer.

Das klang beim letzten vielversprechenden Talent Unions ähnlich – inzwischen läuft Berkan Taz allerdings in Liga drei für den SC Verl auf. Gefühlt ist er damit nun Lichtjahre von der Bundesliga entfernt.