13. Februar 2021 / 11:25 Uhr

Warum der Wechsel zu Dynamo Dresden für Jonathan Meier schon ein Erfolg ist

Warum der Wechsel zu Dynamo Dresden für Jonathan Meier schon ein Erfolg ist

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Jonathan Meier im Trikot der SG Dynamo Dresden
Jonathan Meier im Trikot der SG Dynamo Dresden
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Die „Leihgabe“ vom FSV Mainz 05 hat sich bei den Sachsen schnell etabliert. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

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Dresden. Die Saison ist noch lange nicht zu Ende, doch für Jonathan Meier ist schon jetzt klar: Der Wechsel nach Dresden hat sich für ihn gelohnt. Der 21 Jahre alte Linksbeiner, den die Sportgemeinschaft bis zum Sommer vom Bundesligisten FSV Mainz 05 ausgeliehen hat, ist bei den Schwarz-Gelben Stammspieler geworden. Schon jetzt hat der gebürtige Münchner 17 Punktspiele in seiner Einsatzstatistik stehen, 16 davon bestritt der talentierte Oberbayer sogar von Beginn an. Damit hat Meier, den sie bei Dynamo alle nur “Joni” nennen, schon sechs Spiele mehr absolviert als im Vorjahr bei der Mainzer Reserve in der Regionalliga Südwest. Mit vier Torvorlagen hat er aktuell schon doppelt so viele Assists verzeichnet wie in der Saison 2019/20, seinem ersten Jahr bei den Mainzern.

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Meier nutzte Chance

Dass er bei den Dresdnern auf Anhieb so einschlagen würde, das war nicht abzusehen, denn eigentlich war Meier auf der linken Abwehrseite nur als Backup für den routinierten Chris Löwe eingeplant. Als Löwe – schon Doublesieger mit Borussia Dortmund und Aufsteiger in die Premier League mit Huddersfield Town – zum Saisonstart bei seinem Ex-Club 1. FC Kaiserslautern gesperrt war, durfte Meier gleich 90 Minuten beim 1:0-Auswärtssieg ran, dann kam er am 6. Spielzug als Einwechsler in die Mannschaft, als sich Löwe nach einer knappen Viertelstunde beim 1:2 gegen den FSV Zwickau am Knie verletzte. Seither spielt Meier und Löwe eben nicht. So sehr ihm Löwes Missgeschick Leid tut, so sehr profitiert Meier davon: „Das war für Chris leider Pech, für mich Glück. So ist es manchmal im Fußball. Ich bin froh, dass ich zeigen konnte, dass ich auch spielerisch gut bin und mithalten kann.“

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Die SG Dynamo Dresden hat den Ost-Klassiker beim 1. FC Magdeburg mit 1:0 gewonnen. Torschütze des Goldenen Tores war Neuzugang Heinz Mörschel. Zur Galerie
Die SG Dynamo Dresden hat den "Ost-Klassiker" beim 1. FC Magdeburg mit 1:0 gewonnen. Torschütze des Goldenen Tores war Neuzugang Heinz Mörschel. ©

Dass er seine Chance gleich nutzen und sich festspielen konnte, das führt Meier auch auf die Mannschaftsstruktur zurück. Es sei vielleicht leichter gewesen, in einer frisch zusammengestellten Truppe Fuß zu fassen, hier Kontakte zu knüpfen und sich zu entfalten als in einer eingespielten, erfahrenen Mannschaft, glaubt er. „Es hat mir gut getan, dass es eine relativ neue Mannschaft war – mit vielen Neuzugängen“, sagt er. „Wenn man nur zu zweit oder zu dritt woanders hinkommt, dann sei es schwerer, Anschluss und Respekt zu finden.“

Meier will „oben“ stehen

Markus Kauczinski, sein Trainer, widerspricht da nicht. Aber der 50-Jährige gibt auch zu bedenken, dass Meiers Qualitäten vieles erklären. Der Coach glaubt, dass der technisch begabte und schnelle Meier Löwe ernsthaft Konkurrenz gemacht hätte, wenn der nicht früh ausgefallen wäre: „Es ist ja nicht bewiesen, dass ,Joni’ sich nicht auch an Chris vorbeigesetzt hätte oder beide auf dem Platz gestanden hätten, weil beide sehr gute Fußballer sind. Ich hätte auch für beide Platz finden können, was sich jetzt nicht ergeben hat. ,Jonis’ Entwicklung darauf zu schieben, dass Chris verletzt ist, das ist – so glaube ich – falsch.“ Das hört Meier gern und fügt zu Recht an: „Glück muss man sich auch erarbeiten.“


Wie es im Sommer weitergeht, das ist noch unklar. Zwischen Mainz 05 und Dynamo ist die Personalie Meier kein Dauerthema. Er ist eben nur ausgeliehen, eine Kaufoption bekam die SGD nicht, denn Mainz zahlte 2019 angeblich 1,2 Millionen Euro Ablöse für das Talent an Bayern München, wo Meier in der „Zweiten“ ausgebildet wurde, nachdem er von den „Sechzigern“ zu den Roten gewechselt war. Wie die Mainzer mit Meier planen oder auch nicht, kann der nur mutmaßen. „Da gab es jetzt noch nicht so viel Kontakt“, erklärt er. Er wisse aber, dass Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, sich die Dinge rasch ändern können, wolle sich daher jetzt keinen Kopf über die Sommer-Wechselperiode machen, so Meier.

Für ihn zähle es jetzt, dass Dynamo seine Ziele erreicht. Steigt die Mannschaft in die 2. Bundesliga auf, könnte ein Verbleib in Dresden eher in Betracht kommen, weil die Liga für Meier interessanter ist und Dynamo eher eine Ablöse aufbringen könnte, die die Mainzer zufriedenstellt. Aber wer weiß schon, was passiert, sollten die Nullfünfer absteigen und sich neu aufstellen müssen. Steuert Dynamo weiter auf das Bundesliga-Unterhaus zu, dann werden sich die Optionen für Meier aber sicher nicht verschlechtern. Sein Interesse daran, dass sein aktueller Verein am Sonntag (14 Uhr) gegen den Tabellenletzten VfB Lübeck gewinnt und die Spitzenposition verteidigt, ist daher groß. „Letztlich ist entscheidend, wer am Ende oben steht, aber über das Saisonende hinaus ist es natürlich immer gut, wenn man oben steht.“

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Als Tabellenführer aufzulaufen, macht auf jeden Fall mehr Spaß, als seinen eigenen Ansprüchen hinterherzuhinken. Vielleicht lassen sich bei Erfolg und guter Stimmung auch die eisigen Temperaturen derzeit leichter ertragen. Selbst Meier, als Oberbayer natürlich passionierter Skifahrer und Schnee gewohnt, gibt schon zu, dass es im Moment nicht immer ganz angenehm ist, bei Minusgraden in den dünnen Fußballschuhen zu kicken: „Die Zehen werden direkt kalt, sind schon ein bisschen blau.“ Wenn man dann trotz Eisfüßen gewinnt, wird einem wenigstens schnell warm ums Herz.