07. März 2020 / 11:53 Uhr

Warum wird Dietmar Hopp gehasst? Schmäh-Gesänge, Hass-Plakate – deshalb gibt es den Konflikt

Warum wird Dietmar Hopp gehasst? Schmäh-Gesänge, Hass-Plakate – deshalb gibt es den Konflikt

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Warum wird Dietmar Hopp gehasst? Der 79-Jährige fördert seit Jahren die TSG Hoffenheim, zog wegen seiner Tätigkeit als Mäzen der Kraichgauer aber auch massive Kritik auf sich.
Warum wird Dietmar Hopp gehasst? Der 79-Jährige fördert seit Jahren die TSG Hoffenheim, zog wegen seiner Tätigkeit als Mäzen der Kraichgauer aber auch massive Kritik auf sich. © Getty/imago images
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Dietmar Hopp spaltet die Bundesliga wie wohl keine zweite Person: Der Mäzen der TSG Hoffenheim ist als vermeintliche "Verkörperung des modernen Fußballs" zur Hassfigur vieler Fans geworden. Die Chronologie eines langen Konfliktes.

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Hass-Plakate und Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp: Die Bundesliga hat ihren nächsten großen Skandal - und der Mäzen der TSG Hoffenheim ist mittendrin. Nicht zum ersten Mal wurde der 79-jährige Förderer der Kraichgauer beim Spiel gegen den FC Bayern München heftig aus der Fankurve angefeindet. Anders als bei früheren Konflikten, etwa mit den Fans des BVB, haben die Bilder aus Sinsheim und die Schmähungen von Dietmar Hopp nach dem denkwürdigen Beinahe-Spielabbruch gegen den Rekordmeister diesmal aber auch Menschen erreicht, die sonst nur wenige Berührungspunkte mit dem Sport haben. Doch wo liegen die Ursachen des Konfliktes? Warum wird Dietmar Hopp gehasst?

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Der Milliardär und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp hat die Bundesliga nachhaltig verändert und ist in den fast 13 Jahren der Bundesliga-Zugehörigkeit der TSG Hoffenheim in den Augen vieler Fanszenen als "Verkörperung des modernen Fußballs" zur größten Hassfigur im deutschen Fußball aufgestiegen. Immer wieder feinden sie ihn an oder beleidigen ihn sogar. Besonders den BVB-Fans fühlt der 79-Jährige, der als Mitbegründer des Weltkonzerns SAP zu Reichtum fand, sich seit Jahren in inniger Feindschaft verbunden. Die Hintergründe der stetigen Eskalation zwischen Dietmar Hopp und der Anhängerschaft von "Traditionsvereinen" wie dem BVB, FC Bayern oder Borussia Mönchengladbach sind vielschichtig und mit Worten nur schwer zu verdeutlichen.

Hass gegen Dietmar Hopp: Das sind die Gründe für die Kritik

Der Hass gegen Dietmar Hopp beschäftigt die Bundesliga nicht erst seit Samstag, sondern bereits, seit die TSG Hoffenheim 2007 zum ersten Mal in der Bundesliga auftauchte. Hopp hatte als Geldgeber maßgeblich dazu beigetragen, dass die TSG, für die er als Jugendlicher selbst spielte, den Sprung von der Kreisliga in die Bundesliga schaffte.

Ihm wurde dabei vorgeworfen, die in der Bundesliga bestehende 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren und anderen Geldgebern genau regelt, zu untergraben und mit der TSG Hoffenheim einen "Retortenklub" zu erschaffen, der mit einem eigenen Stadion gut über die Runden kommt. Deshalb wurde Dietmar Hopp früh angefeindet, auch von Konkurrenten. Der damalige Mainz-Manager Christian Heidel merkte in der ersten Bundesliga-Saison der Hoffenheimer an, es sei schade, dass "so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profifußball wegnehme".

Die Chronologie im Fall Hopp: So eskalierte der Hass gegen den Hoffenheim-Mäzen

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! Zur Galerie
Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! ©

Schon in der ersten Bundesliga-Saison der TSG Hoffenheim 2007/08 sah sich Dietmar Hopp deshalb heftigen Angriffen ausgesetzt, unter anderem durch beleidigende Fangesänge und Plakate. Berühmt wurde ein Banner, das ein Konterfei von Dietmar Hopp in einem Fadenkreuz zeigte. Dazu stand die Unterschrift 'Hasta la vista, Hopp' (deutsch: "Auf Wiedersehen, Hopp"). Der TSG-Finanzier stellte wegen des Plakates eines BVB-Fans Strafanzeige, nahm diese aber zurück, nachdem der Mann sich bei ihm entschuldigte.

Dietmar Hopp gegen Fans von BVB, FC Bayern und Gladbach: Deshalb eskalierte der Konflikt

Derartige Vorfälle waren auch in den folgenden Jahren immer wieder zu beobachten. Insbesondere mit den Fans von Borussia Dortmund fühlte Dietmar Hopp sich in herzlicher Abneigung verbunden. Die gegenseitige Verachtung schlug immer wieder in Hass um, wenn es zu Duellen zwischen dem BVB und der TSG Hoffenheim kam. Bei fast jedem Wiedersehen waren in den Fankurven beleidigende Banner gegen Dietmar Hopp zu sehen.

Hopp antwortete meistens mit Anzeigen, was den Konflikt wiederum befeuerte und Anfang 2020 letztlich in einem zweijährigen Stadionverbot für BVB-Fans in Hoffenheim gipfelte. Die Anhänger der Borussia waren aufgrund von früheren Vorfällen bereits auf Bewährung unterwegs. Nachdem es Ende 2019 erneut zu Schmähungen von Dietmar Hopp gekommen war, griff der DFB hart durch und sprach eine Kollektivstrafe gegen die gesamte Anhängerschaft der Borussia aus - eine Form der Bestrafung, die man eigentlich ausgesetzt hatte.

Proteste gegen Kollektivstrafe für BVB-Fans - und Dietmar Hopp

Diese Kollektivstrafe gegen die Fans des BVB zog nun erneut Reaktionen nach sich - zunächst von den Fans von Borussia Mönchengladbach, einem anderen großen Traditionsverein der Bundesliga. Beim Spiel von Gladbach gegen die TSG Hoffenheim provozierten die Borussen-Fans mit Bannern gegen die Kollektivstrafe und Dietmar Hopp, der wieder im Fadenkreuz gezeigt wurde. Dies stellte einen neuerlichen Eklat dar, der auch Gladbach-Sportdirektor Max Eberl auf die Palme brachte. "Wir haben vor dem Spiel ein klares Statement gesetzt mit der Schweigeminute für ein dramatisches Ereignis, was diese Woche passiert ist (der rassistisch motivierte Anschlag von Hanau, d. Red.). Wir sind gegen Rassismus und Ausgrenzung und dann müssen 50 Hornochsen so ein Plakat hochhalten. Dafür schäme ich mich."

Eine Woche später der große Knall, der die Bundesliga nachhaltig beschäftigen wird: Beim Spiel zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern (0:6) zeigen die Fans ein beleidigendes Plakat gegen Dietmar Hopp, der Augenblicke zuvor auch beim BVB-Spiel gegen Freiburg erneut Thema war. Die Dortmund-Fans schrieben: "Wer die Toten von Hanau missbraucht, um die Fankurven mundtot zu machen, der beweist mehr Anstandslosigkeit als jedes Fadenkreuz." Dem DFB wurde wegen der Aussetzung der Kollektivstrafen im Fall Hopp außerdem Wortbruch vorgeworfen.

Internationale Pressestimmen zum Hopp-Eklat: "Spielabbruch wäre richtig gewesen"

Der Eklat um die erneuten Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp hat den deutschen Fußball erschüttert. Auch die internationale Presse reagiert auf die Vorfälle beim TSG-Spiel gegen den FC Bayern - der <b>SPORT</b>BUZZER gibt einen Überblick! Zur Galerie
Der Eklat um die erneuten Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp hat den deutschen Fußball erschüttert. Auch die internationale Presse reagiert auf die Vorfälle beim TSG-Spiel gegen den FC Bayern - der SPORTBUZZER gibt einen Überblick! ©

Beide Spiele wurden teils mehrfach wegen der Hopp-Schmähungen unterbrochen. Die Bayern-Spieler um Manuel Neuer und David Alaba, Trainer Hansi Flick, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und die Vorstände Oliver Kahn und Karl-Heinz Rummenigge setzten ein Zeichen, stellten in den letzten 13 Minuten nach einer zweiten Spielunterbrechung das Fußballspielen ein. Dietmar Hopp verfolgte das Spiel sichtlich bewegt von den neuerlichen Hass-Botschaften an der Seite von Rummenigge am Spielfeldrand.

Der Hass auf Hopp begründet sich auch in der mangelnden Gesprächsbereitschaft des 79-Jährigen, der offenbar nicht verstehen will, warum er so polarisiert. "Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen das zu verstehen", sagte Hopp nach den Vorfällen beim Bayern-Spiel. Auf Gespräche mit der Gegenseite wolle er sich deshalb gar nicht erst einlassen. "Das ist sinnlos, die leben in einer anderen Welt", wurde der Mäzen von Sport1 zitiert. "Mit denen will und kann ich gar nicht reden, ich wüsste gar nicht, was ich denen sagen soll."

Dietmar Hopp: Reizfigur im Fußball, Wohltäter in der Region Rhein-Neckar

Anders als in der Fußballwelt ist Hopp in seiner Heimatregion in höchstem Maße beliebt. Denn Dietmar Hopp engagiert sich nicht nur bei der TSG Hoffenheim, sondern auch in anderen Bereichen. Der Mitbegründer von SAP gründete eine nach ihm benannte Stiftung im Jahr 1995 und setzte sich zum Ziel, mit der gemeinnützigen GmbH Projekte verschiedener Bereiche (unter anderem Jugendsport, Krebsforschung, Bildung und Soziales) zu fördern.

Nach Angaben der Stiftung, die vor allem im Bereich der Metropolregion Rhein-Neckar aktiv ist, wurden bisher etwa 800 Millionen Euro ausgeschüttet (Stand: Dezember 2019). Hopp investierte Medienberichten zufolge zwei Drittel seines Vermögens in die Stiftung.