07. Oktober 2020 / 21:55 Uhr

Warum Ralf Minges Beliebtheit nach seinem Abschied von Dynamo Dresden ungebrochen ist

Warum Ralf Minges Beliebtheit nach seinem Abschied von Dynamo Dresden ungebrochen ist

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Ralf Minge im Tom Pauls Theater Pirna zum „ Sachse des Jahres “ gekürt: Schauspieler Tom Pauls, Kabarettist Gunter Böhnke und Autor Peter Ufer sowie MDR-Moderator Andreas Berger haben am Tag der deutschen Einheit die Sächsische Wörter des Jahres und den „ Sachsen des Jahres “ gekürt; Während einer Vorstellung im Tom Pauls Theater Pirna machte die Jury der Ilse Bähnert Stiftung Ralf Minge, den früheren Sportdirektor von Dynamo Dresden (2014 - 2020) zum „ Sachsen des Jahres “. Ralf Minge (* 8. Oktober 1960 in Elsterwerda) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger -trainer sowie -funktionär. Er spielte für Dynamo Dresden in der DDR-Oberliga und bestritt 36 A-Länderspiele für die DDR-Nationalmannschaft.



Das sächsische Wort des Jahres wird seit 2008 also nunmehr zum 13. Mal gekürt. Ziel ist es, aussterbende sächsische Wörter zu retten und die Sprache der Sachsen zu pflegen.
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Ralf Minge bekam am vergangenen Sonnabend in Pirna bereits ein erstes Präsent. Im Tom-Pauls-Theater kürte ihn eine Jury zum “Sachsen des Jahres”. © Daniel Förster
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Kaum einer hat höhere Verdienste für die SG Dynamo Dresden vorzuweisen als Ralf Minge. Der ehemalige Torjäger und Geschäftsführer des sächsischen Traditionsclubs feiert nun seinen 60. Geburtstag. Langjährige Wegbegleiter wünschen dem Dresdner Fußballidol nur das Beste.

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Dresden. Als er am 22. Juni beim 2:2 gegen den VfL Osnabrück im und vor dem Harbig-Stadion von den Dynamo-Profis und zahlreichen Fans hochemotional als Sport-Geschäftsführer verabschiedet wurde, sah Ralf Minge gar nicht gut aus. „Das war sicherlich sehr hart für ihn, der Abstieg hat ihn selbst am meisten geschmerzt“, erinnert sich Dynamo-Präsident Holger Scholze. Der 49-Jährige war deswegen umso mehr erleichtert, als er jetzt die Bilder von Minges erstem öffentlichen Auftritt am vergangenen Sonnabend in Pirna sah. Dort war Minge im Tom-Pauls-Theater nach seiner Rückkehr von einer vierwöchigen Tour auf dem Jakobsweg als „Sachse des Jahres“ ausgezeichnet worden. „Er sah gut erholt aus, konnte wieder lächeln. Das hat mich sehr gefreut“, so Scholze.

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Bilder wie diese gäben ihm die Hoffnung, dass Minge seinen 60. Geburtstag an diesem Donnerstag genießen kann. Zum Jubiläum wünscht der SGD-Präsident dem gebürtigen Elsterwerdaer, den er als Kind Anfang der achtziger Jahre das erste Mal vom K-Block aus auf dem Rasen im alten Dynamo-Stadion stürmen sah, dass er „vor allem gesund bleibt, Glück und Zufriedenheit findet, sich seine Wünsche erfüllen“.

Ralf Minge wird 60

Dynamo habe ihm eine Menge zu verdanken, für den Verein habe sich der 1980 aus Gröditz nach Dresden gewechselte Angreifer über Jahrzehnte aufgeopfert, „alles reingeworfen, ohne seinen Körper zu schonen – das hat ihn als Spieler ausgezeichnet und dann später auch in den vielen anderen Funktionen als Co-Trainer, Trainer, Sportdirektor, Geschäftsführer“.

Reiner Calmund voll des Lobes

Reiner Calmund, der legendäre Ex-Manager von Bayer Leverkusen, wünscht seinem langjährigen Wegbegleiter lediglich Gesundheit, „denn die ist das Wichtigste“. Der Rheinländer, der Minge in den Neunzigern über die von ihm verpflichteten Stars Ulf Kirsten und Heiko Scholz kennenlernte und im Jahr 2000 in den Trainerstab von Bayer 04 holte, ist voll des Lobes über das Dynamo-Idol, das viele Jahre in verschiedensten Positionen bei der Werkself und auch als DFB-Nachwuchscoach sowie für den georgischen Verband arbeitete. Überall habe sich Minge mit Charakterstärke und Fachkompetenz Anerkennung erworben: „Sie können fragen, wen sie wollen – ob Peter Hermann, Toni Schumacher oder Klaus Toppmöller – jeder hat gern mit ihm gearbeitet, wird ihn über den grünen Klee loben!“

Ralf Minge
Am 30. Juni 2020 endete Ralf Minges Ära abrupt. © dpa

Für Calmund zählt Minge zweifellos zu den ganz Großen, die Dynamo hervorgebracht hat: „Wenn man das ins Skatspiel übertragen würde, dann wären meine vier Dresdner Buben ,Dixie' Dörner, Ulf Kirsten, Matthias Sammer und eben Ralf Minge.“ Besonders gern erinnert sich Calmund nicht nur an gemeinsame Erfolge mit Bayer 04, sondern auch an gemeinsame Großprojekte wie das Benefizspiel für die Fluthelfer 2002 oder das Abschiedsspiel für Kirsten 2003. „Die hätte es ohne Ralf nicht gegeben“, ist der im Fernsehen gefragte Fußball- und Kochexperte überzeugt.

Nur ein einziges Mal habe er mit Minge einen kleinen Disput gehabt, als der 2015 auf Druck des neuen Trainers Uwe Neuhaus den Vertrag von Ulfs Sohn Benjamin nicht verlängerte, obwohl der noch 2013 notenbester Zweitliga-Spieler im „kicker“ gewesen war. „Als Benny aber in einem Zeitungsinterview Verständnis für Ralfs Entscheidung zeigte und über Ralf als väterlichen Freund sprach, war auch das für mich erledigt“, so der 71-Jährige, der am kommenden Wochenende wieder im Sport1-Doppelpass mitdiskutiert.

Tom Starke hält bis heute Kontakt zu Minge

Eine Art väterlicher Freund ist Minge bis heute auch für Spieler wie Tom Starke geblieben. Der ehemalige Bundesliga-Profi und heutige Torwarttrainer beim deutschen Rekordmeister und Triplesieger FC Bayern München erklärt: „Wir kennen uns schon ewig, sein Sohn und mein Bruder haben schon in der Jugend zusammengespielt. In der A-Jugend war er dann mein Trainer. Was mir immer angenehm auffiel: Er hat auch als Trainer weiter wie ein Fußballer gedacht, mit den Jungs auch so gesprochen. Du konntest mit ihm auf Augenhöhe reden, er stand nicht über den Dingen. Du wusstest und weißt immer, woran du bist. Er ist sauehrlich und ein herzensguter Mensch.“ Bis heute stehe man in Kontakt, tausche sich aus. „Ich hoffe, dass er jetzt die Zeit mit der Familie genießen, vielleicht etwas vom Fußball abschalten kann“, so der 39-Jährige.

Ralf Hauptmann schätzt Minges direkte, ehrliche und realistische Natur nicht minder. Der ehemalige Dynamo-Mittelfeldspieler, der einst mit Minge zwei Meistertitel holte, etliche Oberliga-Schlachten schlug oder im Uefa-Pokal auch mal Topteams wie den AS Rom, rechnet dem ehemaligen Mittelstürmer bis heute hoch an, „dass er – als ich 1987 in die Mannschaft kam – einer von denen war, die uns jungen Spielern das einfach gemacht haben. Er war offen, hat uns an die Hand genommen, erklärt, was zu tun und was zu lassen ist“. Das Verhältnis der jungen Dachse zu Minge sei so gut gewesen, „dass wir ihm im Gegenzug bei einem Umzug unterstützt haben“. Er habe den Jungen geholfen, dass der „Respekt vor den anderen großen Namen nicht zu groß war“.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Ralf Minge

08. Juni 1985: Dynamo Dresden gewinnt den FDGB-Pokal gegen den BFC Dynamo.Es jubeln: Hans-Uwe Pilz, Hans Jürgen Dörner, Ralf Minge, Matthias Döschner und Reinhard Häfner (v.r.n.l.). Zur Galerie
08. Juni 1985: Dynamo Dresden gewinnt den FDGB-Pokal gegen den BFC Dynamo.Es jubeln: Hans-Uwe Pilz, Hans Jürgen Dörner, Ralf Minge, Matthias Döschner und Reinhard Häfner (v.r.n.l.). ©

Bis heute schätze man sich, könne man sich aufeinander verlassen, kenne die Stärken und Schwächen des anderen genau. Minge habe die vielen wegweisenden Entscheidungen für Dynamo „mit Fachkompetenz, Intelligenz und viel Herzblut“ gefällt. Hauptmann, der die vereinseigene Fußballschule leitet, wünscht seinem Weggefährten, „dass er Zufriedenheit mit der Zeit findet, die er jetzt hat. Dass er sie nutzen kann, wie er sich das vorstellt. Ob das die Familie ist oder im Sport doch noch nicht Schluss ist, muss er entscheiden. Ich wünsche ihm die richtige Entscheidung.“ Einen Ruhestand auf Dauer mag sich Hauptmann bei Minge nicht recht vorstellen: „Ich glaube, dass er noch Energie und Ideen hat.“