18. Juni 2020 / 13:34 Uhr

Warum spielen nicht alle im Amateurpokal? Nachbarverbände gehen völlig unterschiedlich ran

Warum spielen nicht alle im Amateurpokal? Nachbarverbände gehen völlig unterschiedlich ran

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Fußball im Pokal hier, gähnende Leere dort: Mit dem Pokal gehen die Kreisverbände ein Sachsen unterschiedlich um.
Fußball im Pokal hier, gähnende Leere dort: Mit dem Pokal gehen die Kreisverbände ein Sachsen unterschiedlich um. © Robin Seidler / Dirk Knofe
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Während in Leipzig der Ball wettbewerbsübergreifend ruht, gibt es nur wenige Kilometer weiter Pflichtspiele, wird zumindest der Kreispokal fortgeführt. Der SPORTBUZZER hat nachgefragt, wie es zu den unterschiedlichen Regelungen kommt.

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Leipzig/Grimma. Die einen spielen, die anderen spielen nicht. Vor allem manch Leipziger Fußballfan und -spieler fragt sich verwundert, warum auf Stadtebene der wegen Corona im Viertelfinale steckengebliebene Pokalwettbewerb nicht weitergeführt wird. Im Gegensatz zu den meisten Kreisverbänden Sachsens und zum Landesverband selbst entschied der Fußballverband der Stadt Leipzig (FVSL), den Pokal ebenso wie die Meisterschaft abzubrechen.

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Finalrunden als Großveranstaltungen

„Unser Jugendausschuss und auch der Volkssportausschuss haben entsprechende Anträge gestellt – da haben wir als Spielausschuss nicht anders entscheiden wollen“, erklärt dessen Vorsitzender Jörg Loeber. „Wir wollten verhindern, dass die einen spielen dürfen und die anderen nicht.“ Doch dieses Problem besteht jetzt, wenn man über den Tellerrand schaut. Panitzsch/Borsdorf (Stadtverband) spielt nicht, wenige Kilometer weiter haben zum Beispiel Klinga/Ammelshain, Machern und Naunhof ihr Achtelfinale absolviert und waren damit im Verband Muldental/Leipziger Land sogar bundesweit Vorreiter.

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Der SV Ostrau konnte sich im Kreispokal-Achtelfinale gegen den SSV Thallwitz-Nischwitz mit 3:1 durchsetzen. Die Zuschauer sahen, vor allem in der zweiten Halbzeit, eine gute Partie. Zur Galerie
Der SV Ostrau konnte sich im Kreispokal-Achtelfinale gegen den SSV Thallwitz-Nischwitz mit 3:1 durchsetzen. Die Zuschauer sahen, vor allem in der zweiten Halbzeit, eine gute Partie. ©

FVSL-Präsident Dirk Majetschak ergänzt: „Wir wollten nichts übers Knie brechen, weil wir wissen, wie schwer das Hygienekonzept für die Vereine umsetzbar ist. Und die Endspiele, besonders die im Nachwuchs, haben wir immer als Großveranstaltung durchgeführt, mit in der Spitze bis zu 3000 Zuschauern im Rahmen des L-Cups. Das ist ja derzeit gar nicht möglich.“

Vereine im Muldental/Leipziger Land wollten spielen

In Leipzig wurde der SV Panitzsch/Borsdorf für den Sachsenpokal 2020/21 gemeldet. Er ist in der Stadtliga Dritter und stand im (abgesagten) Pokal-Viertelfinale. Liga-Primus und Aufsteiger LSV Südwest ist als frisch gebackener Landesklasse-Vertreter automatisch qualifiziert. Panitzschs Trainer Thomas Wedemann freut sich einerseits, dass sein Team von der Regelung in puncto Pokal profitiert, sieht sie aber dennoch kritisch: „Ich kann jeden verstehen, der sich darüber aufregt. Generell bin ich mit dieser Regelung wie auch im Ligabetrieb nicht glücklich. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Punktspiele im Herbst fortgesetzt worden wären.“


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Im Fußballverband Muldental/Leipziger Land verfuhr man mit dem Pokal anders. „Als die Möglichkeit zu spielen wieder gegeben war, haben wir die betroffenen Vereine gefragt, und sie wollten durchweg alle spielen“, erklärt Verbandspräsident Harald Sather. Da in seinem Verband gar noch das Achtelfinale ausstand, waren das immerhin 16 Vereine. Unterdessen steht das Viertelfinale bevor, nur eine Achtelfinalbegegnung ist noch offen.

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Der SV Naunhof gewinnt hochverdient mit 5:1 gegen den VfB Leisnig und zieht somit ins Viertelfinale des Kreispokals Muldental ein. Zur Galerie
Der SV Naunhof gewinnt hochverdient mit 5:1 gegen den VfB Leisnig und zieht somit ins Viertelfinale des Kreispokals Muldental ein. ©

Auch im Nachwuchsbereich wird dort weiter um den Pokal gekickt. Allerdings ist man schon bis zum Halbfinale vorgedrungen. „Wir spüren in allen Altersklassen, dass alle heiß sind, wieder spielen zu können“, freut sich Sather über den Elan in seinem „Hoheitsgebiet“.