09. April 2020 / 20:35 Uhr

Was macht eigentlich Olaf Jensen? Mister TSV sucht die Varroa-Milbe

Was macht eigentlich Olaf Jensen? Mister TSV sucht die Varroa-Milbe

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Olaf Jensen im Jahr 1987 im Trikot des TSV Havelse.
Olaf Jensen im Jahr 1987 im Trikot des TSV Havelse. © Privat
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Früher füllten sie mit ihren Toren, Triumphen und Medaillen regelmäßig die Zeilen im Sportteil der Zeitung. Doch irgendwann ist jede aktive Karriere einmal vorbei – und nicht jeder bleibt seinem Sport als Funktionär oder Trainer erhalten. In unserer neuen Serie „Was macht eigentlich ...?“ rücken wir ehemalige Lokalsportgrößen der Region wieder in den Fokus, lassen sie von früher erzählen und geben auch den Dingen Raum, mit denen sie heute ihre Zeit verbringen. Den Auftakt macht der Fußballer Olaf Jensen.

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Es mag ein Zufall sein, doch auffällig ist es schon, dass Olaf Jensen als seine wichtigsten Stationen allesamt Vereine nennt, die die Bezeichnung TSV im Namen tragen. Egal ob Stelingen, Havelse, Mühlenfeld oder Kirchdorf – bei der Kurzform seiner meisten Klubs musste sich der heimatverbundene Mann aus Basse nicht umgewöhnen. Und auch seine neueste Liebe ist ein TSV – doch dazu später mehr.

„Die Klamotten lagen immer fertig da, das war schon eine tolle Sache.“

Als der TSV Havelse bundesweit Bekanntheit erlangte, war Jensen gerade einmal zwei Jahre weg. Im Jahr 1990 stieg der Garbsener Vorortverein sensationell in die 2. Fußball-Bundesliga auf. Der TSV hatte sich in der Aufstiegsrunde unter anderem gegen Arminia Bielefeld und den Wuppertaler SV durchgesetzt. Als Trainer stand Volker Finke an der Seitenlinie, der Jensen ein großes Stück seiner aktiven Karriere begleitet hatte.

Zwischen 1986 und 1988 kickte der heute 60-jährige Jensen unter dem späteren Bundesliga-Trainer des SC Freiburg in Havelse, zuvor (1980 bis 1986) verbrachten die beiden beim TSV Stelingen eine gemeinsame erfolgreiche Zeit. Rein von der Spielklasse her waren die beiden Havelser Saisons in der Oberliga Nord, der damals dritthöchsten Spielklasse Deutschlands, Jensens erfolgreichste Station. „Und in Havelse ging es natürlich schon professioneller zu als bei meinen anderen Vereinen“, sagt er. „Die Klamotten lagen immer fertig da, das war schon eine tolle Sache.“

Tabellenführer mit Havelse

Besonders an eine Partie denkt er gern zurück: „Freitagabend gegen den VfL Wolfsburg: Wir haben bei voller Bude durch Tore vom überragenden Jürgen Siegel und Uwe Puppel mit 2:1 gewonnen und waren danach Tabellenführer. Völlig egal, dass wir eine Woche später beim SV Meppen 1:4 verloren haben.“ Im zweiten Jahr führte der Linksfuß den TSV sogar auf den Rasen. Nach einer Verletzung des etatmäßigen Mannschaftsführers Karl Eggestein rückte Jensen, der auch bei seinen anderen Stationen die Binde am Arm trug, als Vizekapitän auf.

Die Meistermannschaft 1984 des TSV Stelingen mit Spieler Olaf Jensen (obere Reihe, 3.v.l.) und Trainer Volker Finke (obere Reihe, rechts).
Die Meistermannschaft 1984 des TSV Stelingen mit Spieler Olaf Jensen (obere Reihe, 3.v.l.) und Trainer Volker Finke (obere Reihe, rechts). © Privat
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„Wir haben viel gefeiert – und fast immer gewonnen.“

Und doch sind die Jahre am Stelinger Wald für den seit 1994 in Basse lebenden Jensen die prägenderen gewesen. „Das war schon eine richtig klasse Geschichte“, sagt er. „Wir haben viel gefeiert – und fast immer gewonnen.“ Man beachte die Reihenfolge. Ob der Erfolg sich trotz der abendlichen Geselligkeit oder gerade deswegen einstellte, verschweigt er. Nur so viel: „Volker musste uns immer bremsen.“

Von der Bezirksliga ging es am Stelinger Wald über die Bezirksoberliga bis in die Landesliga. „Die Spieler kamen allesamt aus den umliegenden Dörfern“, schwärmt Jensen, der selbst lange in Horst wohnte, ehe es ihn nach Neustadt verschlug. „Die Einheit hat uns stark gemacht.“

Nach zwei Jahren in Havelse wechselte der Mittelfeldmann zu Sparta Langenhagen, ehe es nach Stationen beim TuS Gümmer und abermals in Stelingen im Jahr 1995 zum TSV Mühlenfeld ging, wo er zum Abschluss seiner Karriere noch einmal zehn – ebenfalls erfolgreiche – Jahre verbrachte, ehe Jensen als 45-Jähriger mit dem Fußball Schluss machte.

Heimat und gemeinsames Miteinander

Neben einigen Aufstiegen mit den Mühlenfeldern erwähnt er die Teilnahmen an den Neustädter Stadtmeisterschaften als Höhepunkte dieser letzten Fußballetappe. „Der dörfliche Charakter und trotzdem Sport auf hohem Niveau – das fand ich immer gut“, sagt er. Das Landleben liebte er immer schon, engagiert sich mittlerweile in Bürgerinitiativen und dem Dorfkomitee Basse. Heimat und das gemeinsame Miteinander sind stets wichtige Pfeiler für Jensen gewesen.

Nach dem Fußball kam das Laufen

Doch irgendwann war es gut mit dem Fußball. „Ich hatte genug von dem Termindruck“, erklärt er, warum für ihn auch keine weiterführende Aufgabe infrage kam. „Das hatte ich lange genug gemacht, nun wollte ich auch im Sport meine eigenen Entscheidungen treffen können.“ Da schien das Laufen ideal. Schon während seiner Fußballerzeit hatte er damit begonnen, doch nun legte Jensen richtig los, lief privat durch die Basser Gemarkung, schloss sich der „HAZ“-Laufgruppe an und folgte dem Ruf von Trainer Markus Pingpank nach Barsinghausen. Erst zu dessen Lauftreff Pingpank Running, später zum TSV Kirchdorf.

Treffen mit Kumpels auf Mallorca

Schnell wurde das Rennen zur neuen großen Leidenschaft. Mindestens ein Halbmarathon sollte es schon werden, 2008 lief er in Berlin seine Bestzeit in 1:26:41 Stunden, seinen schnellsten Marathon (3:23:58) hatte Jensen bereits zwei Jahre zuvor in München absolviert. 2010 war er Mitglied der Kirchdorfer M50-Mannschaft, die in Cluvenhagen norddeutscher Crossmeister wurde. Zwischendurch streute er auch ein paar Gehversuche im Walking ein.

Und damit es nicht langweilig wird, dreht der Vater einer erwachsenen Tochter gern auch auf dem Fahrrad seine Runden durch die nähere Umgebung. Oder über die Insel Mallorca, seinem liebsten Reiseziel, das er mit früheren Weggefährten wie Hartmut Schippan, Manfred ­Petrausch, Jürgen Layritz und Karsten Schelm aus Stelinger Tagen sowie Siegel häufig ansteuert. Doch auch das Laufen hat er nicht ad acta gelegt – betreibt es allerdings nicht mehr wettbewerbsmäßig. „Nur noch gemütliches Joggen – im 5:30er-Schnitt – für die Seele“, sagt er lachend.

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Jensen entdeckt die Imkerei für sich - und den Basketball

Neuerdings hat Jensen, der als kaufmännischer Angestellter im Bereich Dokumentation bei einem großen Unternehmen für Bürotechnik und IT-Systeme arbeitet, die Imkerei für sich entdeckt. Gemeinsam mit dem Mühlenfelder Fußballer Andreas Wetscheck besitzt er vier Bienenvölker in Dudensen, stellt Raps- und Sommerblütenhonig her – und hat stets ein waches Auge auf die Varroa-Milbe, wie er schmunzelnd berichtet.

So ganz ohne Wettbewerb ist es dann aber doch langweilig. Der Fußball steht nicht mehr so im Fokus, mittlerweile geht er lieber zum Basketball. „Ich bin fast bei jedem Heimspiel der Neustadt temps Shooters“, sagt Jensen. „Das Publikum dort ist sehr lokal, und es ist immer ordentlich was los.“

Der Stammverein der Mannschaft ist der TSV Neustadt. Also noch ein TSV – alles andere wäre auch sehr überraschend gewesen.