23. März 2020 / 13:21 Uhr

"Was macht eigentlich?" Thomas Leek über Trainerrente, Landespokalsieg und Eduard Geyer

"Was macht eigentlich?" Thomas Leek über Trainerrente, Landespokalsieg und Eduard Geyer

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Siegerfoto mit dem SV Babelsberg 03 II.
2010 gewann Thomas Leek (Nummer 33) mit der zweiten Mannschaft des SV Babelsberg 03 den Fußball-Landespokal. © Jan Kuppert
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Anpfiff zur neuen Serie "Was macht eigentlich?": Thomas Leek beendete im Sommer 2015 seine Trainerlaufbahn, nachdem sein Leben zuvor 40 Jahre maßgeblich vom Fußball geprägt war.

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Thomas Leek ist mit sich absolut im Reinen. Im Sommer 2015 war er als Trainer von der Brandenburger Fußball-Landkarte verschwunden, als sein zweijähriges Engagement beim Brandenburgligisten Werderaner FC endete. „Wahnsinn, wie die Zeit rennt“, sagt der heute 49-Jährige. Vier Jahrzehnte war sein Leben zuvor maßgeblich von der schönsten Nebensache der Welt geprägt. Mit sechs Jahren hatte er bei der damaligen BSG Motor Babelsberg als Steppke mit dem Kicken begonnen und war mit 18 Jahren als A-Jugendlicher im Training der DDR-Liga-Mannschaft. „Nach der Wende war ich zwei Jahre beim FV Wannsee. In der ersten Saison sind wir in die damalige 3. Liga aufgestiegen – es war eine spannende Zeit“, erinnert sich der ehemalige Angreifer, der damals unter anderem mit Michél Dinzey, Andreas Hinze und Michael Bengs in einem Team spielte.

Schnell zog es ihn aber wieder an den Babelsberger Park zurück, wo er sich neben seiner Tätigkeit als Spieler bald als Nachwuchstrainer engagierte. „Das hat mich einfach interessiert und von Anfang an Spaß gemacht. Das war ein tolle und recht erfolgreiche Zeit.“ Landesmeistertitel mit der A- und E-Jugend und der Landespokalerfolg mit den B-Junioren sowie deren Aufstieg in die Regionalliga rundeten seine Nachwuchstätigkeit ab.

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Im Sommer 2001 stieg er als Co-Trainer von Uwe Schulz bei der zweiten Männermannschaft des Kiezvereins in den Männerbereich ein und übernahm dort zur Rückrunde der Saison 2003/04 den Chefposten. Es folgten viele Jahre in Brandenburgs höchster Spielklasse – mit zum Teil prominenten Co-Trainern wie Marcell Fensch, Sven Moritz, Enrico Röver oder Ivan Assenov. Das Highlight in dieser Zeit war dabei sicherlich der Landespokal-Erfolg am 2. Juni 2010. „Das war natürlich eine geile Sache“, erinnert sich Leek an das Spiel seines Teams gegen den Brandenburger SC Süd 05, bei dem neben seinem guten Freund Mario Block als Trainer auch zahlreiche ehemalige Kicker aus dem Babelsberger Nachwuchs aktiv waren.

In Bildern: Der SV Babelsberg 03 II gewinnt den AOK-Landespokal 2010 gegen den BSC Süd.

Maik Neumann vom BSC Süd (l.) spielt den Ball vor Falko König. Zur Galerie
Maik Neumann vom BSC Süd (l.) spielt den Ball vor Falko König. © Jan Kuppert

Vor 1816 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion rettete der erst zur Halbzeit eingewechselte Alexander Ost (Leek: „Er erzählt heute noch, wie sauer er war, dass er nicht von Anfang an gespielt hat.“) die Nulldrei-Reserve mit seinem Ausgleich in der 89. Minute in die Verlängerung. Später entschieden die Gastgeber das Endspiel vom Elfmeterpunkt für sich.

„Diesen Titel kann uns keiner nehmen“, sagt Leek, der für zwei Partien sogar mal Interimstrainer der ersten Mannschaft des Verein war. Nach der Entlassung von Rastislav Hodul im Oktober 2007 betreute er das Team zunächst bei einem Landespokalspiel in Eisenhüttenstadt und danach bei der knappen 2:3-Niederlage in der damalig drittklassigen Regionalliga Nord bei Dynamo Dresden – mit Trainer Eduard Geyer an der Seitenlinie. „Das war das letzte Spiel im alt-ehrwürdigen Rudolf-Harbig-Stadion. Danach mit Ede Geyer auf der Pressekonferenz zu sein, war natürlich schon etwas Besonderes.“

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Predrag Uzelac: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

2013 trennten sich die Wege von Thomas Leek und dem SV Babelsberg 03 und der Bilanzbuchhalter suchte beim Brandenburgligisten Werderaner FC eine neue Herausforderung. Nach zwei Spielzeiten bei den Blütenstädtern endete diese Zusammenarbeit. „Bei mir hatten sich berufliche Veränderungen ergeben und der Verein strebte eine sportliche Neuausrichtung an“, erläutert Leek, der seitdem in Trainerrente ist und im Werderaner Ortsteil Bliesendorf lebt. So habe es in der Vergangenheit zwar Anfragen interessierter Clubs gegeben. „Aber da habe ich gleich einen Riegel vorgeschoben. Ich genieße die zusätzliche Zeit mit der Familie und gehe ab und an mal zu Spielen zuschauen, wenn es bei mir passt.“

Eine Rückkehr auf die Trainerbank schließt er aktuell aus. „Höchstens, wenn ich irgendwann mal ein Enkelkind habe, sich das für Fußball interessiert und dort ein Trainer oder Betreuer gebraucht wird“, berichtet der Ex-Coach mit einem Schmunzeln. Dass er aktuell kein gesteigertes Interesse daran hat, wieder eine Mannschaft zu übernehmen, hat sicher auch mit der aktuellen Spielergeneration zu tun, die sich in Leeks Augen in den vergangenen Jahren schon stark verändert habe. „Wir haben früher Fußball auch mit Schule, Studium oder Job unter einen Hut bekommen. In den Urlaub ging es nur, wenn keine Spiele waren. Das ist heute bei weitem nicht mehr so.“ Darüber will sich der Familienvater aber gar nicht ärgern, sondern denkt gerne an ehemalige Schützlinge zurück, zu denen er noch immer Kontakt hat. „Wir haben zum Beispiel eine Weihnachtsmarktrunde mit ehemaligen Kickern von Nulldrei, da kommen immer wieder Geschichten auf den Tisch, die uns schmunzeln lassen.“

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Wer ihn in all den Jahren unter seinen Fittichen besonders beeindruckt habe, sei schwer herauszustellen. Florian Grossert etwa schaffte den Sprung in den Profibereich, in dem er unter anderem für Hansa Rostock und Dynamo Dresden auflief. Ivo Vukadin ging ebenfalls den Weg in den Regionalliga-Kader. Nach und nach fallen Leek immer mehr prägende Kicker ein: „Andy Zielke zum Beispiel, der jetzt im Marketing bei Union Berlin tätig ist. Oder die Brüder Matthias und Thomas Lettow. Thomas ist Schauspieler und ich habe ihn mal in München besucht und im Theater spielen sehen.“

Edeltechniker Maximilian Schmidt, der aktuell das Trikot des Landesliga-Nord-Vertreters Fortuna Babelsberg trägt, habe es im Nachwuchs aufgrund seiner Körpergröße immer schwer gehabt, sich später in Luckenwalde aber einen Stammplatz in der Oberliga erkämpft. „Diese Entwicklung war schon erstaunlich. Ich hatte es mit vielen guten Jungs und tollen Betreuern wie Andreas Kosian und Detlef ,Arminia’ Bielefeld zu tun – und mit Herrn Jakobczyk von Havelbus hatten wir den besten Busfahrer. Ich will die gesammelten Erfahrungen auf keinen Fall missen. Aber alles hat seine Zeit. Der Fußball hat mir sehr viel gegeben, aber so wie es jetzt ist, ist alles gut. Es fehlt mir nichts.“

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