22. Januar 2020 / 10:00 Uhr

Was tun, wenn’s vorn nicht läuft? Vier Torjäger-Tipps für den VfL Wolfsburg

Was tun, wenn’s vorn nicht läuft? Vier Torjäger-Tipps für den VfL Wolfsburg

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
21.12.2019, Bayern, München: Fußball: Bundesliga, Bayern München - VfL Wolfsburg, 17. Spieltag in der Allianz Arena. Wolfsburgs Spieler stehen entäuscht am Platz. Foto: Angelika Warmuth/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++
Das Ding will nicht rein: VfLer Wout Weghorst (M.) und Co tun sich beim Toreschießen schwer. © DPA
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Nur 19 Tore nach 18 Spieltagen in der Fußball-Bundesliga – der VfL Wolfsburg ist vor dem gegnerischen Tor einfach nicht kaltschnäuzig genug.

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Die Wolfsburger haben die schlechteste Chancenverwertung der Liga, nur 21,1 Prozent der Möglichkeiten werden genutzt. Gleich zu Beginn beim 1:3 in Köln ließ der VfL drei Chancen liegen, einmal köpfte Wout Weghorst drüber, dann vergab Josip Brekalo, bevor Weghorst allein vor Köln-Keeper Timo Horn auftauchte und an ihm scheiterte. In der zweien Halbzeit wusste dann VfL-Torschütze Renato Steffen noch eine weitere aussichtsreiche Möglichkeit nicht zu nutzen.

Die Spieler des VfL Wolfsburg nach dem Auftaktspiel gegen den 1. FC Köln in der Einzelkritik

Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, bei den Gegentoren chancenlos. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, bei den Gegentoren chancenlos. Note: 4 ©

Was tun, wenn es vorn nicht läuft? Die AZ/WAZ hat bei Nicolas Müller (Torjäger des Kreisklassen-Klubs FSV Vorhop/Schönewörde), Martina Müller (Ex-VfL-Stürmerin und jetzt bei STV Holzland aktiv), Toto Rech (Grizzlys-Torjäger) und Siggi Reich nachgefragt. Der ehemalige VfL-Torjäger (93 Tore in 168 Spielen für die Wolfsburger) hat solche Phase, wie sie Wout Weghorst und Co. gerade erleben, in seiner langen Karriere auch durchgemacht. Wie kommt man da wieder raus? „Als Stürmer musst du dich dann von deinen Mitspielern noch mehr mit Flanken füttern lassen. So holst du dir die Sicherheit vor der Kiste zurück. Und Sicherheit ist für einen Stürmer das A und O.“

Fußball-Landesliga, Frauen, 1. FC Wolfsburg - STV Holzland
Martina Müller © Roland Hermstein

Martina Müller war langjährige VfL-Angreiferin und Nationalspielerin, in der vergangenen Saison erzielte sie für STV Holzland in der Landesliga 36 Tore:

"Ich denke, in solchen Phasen wird von außen mehr da rein interpretiert als wirklich ist. Die Jungs müssen weiterarbeiten und dürfen sich nicht verrückt machen, müssen aber gleichwohl aufpassen, dass sie nicht durchgereicht werden." Und wie geht sie persönlich mit solchen Phasen um: "Wenn es in meiner Profi-Zeit mal nicht so lief, hat es das eine oder andere Gespräch mit dem Trainer gegeben. Klar ist, als Stürmer wirst du an Toren gemessen. Ich denke, die Jungs arbeiten täglich daran, dass es wieder besser wird." Und: "Manchmal fehlt einfach die letzte Konsequenz oder das Quäntchen Glück. Aber jede Serie reißt irgendwann."

Foto: Lea Rebuschat, Fußball, 1.KK1,  SV Tappenbeck-FSV Vorhop-Schönewörde
Nicolas Müller (in Rot) © Lea Rebuschat

Nicolas Müller ist mit 23 Saisontreffern für den FSV Vorhop/Schönewörde der erfolgreichste Torschütze in den Kreisen Gifhorn und Wolfsburg:

"Ich bin generell jemand, der einfachen Fußball spielt und aus jeder Situation - sei sie auch noch so aussichtlos - versucht, zum Torabschluss zu kommen. Dabei ist der Kopf aus, das macht alles der Instinkt." Und was macht er, wenn es mal nicht so gut läuft? "Dann versuche ich, den Fokus von den Toren wegzulenken und beispielsweise einfach mehr für die Mannschaft zu arbeiten. Dann kommt der Erfolg von ganz allein zurück." Einen unkoventionellen Tipp hat er auch noch parat: "Vor dem Spiel gegen Eischott habe ich ein Bier getrunken und dann fünf, sechsmal getroffen. Das gibt die nötige Lockerheit" Und er fügt ernsthaft hinzu: "Sie dürfen nicht verkrampfen. Es hilft am meisten, wenn man die Anzahl der Tore außen vor lässt."

20.12.2019 --- Eishockey --- DEL --- Thomas Sabo Ice Tigers - Grizzlys Wolfsburg --- Foto: Thomas Hahn

Torjubel Anthony Rech (18, Grizzlys Wolfsburg )
Toto Rech © Thomas Hahn

Das Ding will einfach nicht rein - auch Toto Rech kennt solche Phasen. Er ist der beste Torjäger der Grizzlys Wolfsburg, liegt mit 16 Treffern im Eishockey-Oberhaus in den Top Ten, erinnert sich:

 "Zwischen meinem sechsten und siebten Saisontor hatte ich eine Durststrecke". Er weiß: "Wenn es für das Team nicht läuft, tut es besonders weh, wenn die Chancen nicht reingehen. Aber letztlich ist es für uns Stürmer natürlich so, dass wir uns immer ärgern, wenn wir die Chance nicht nutzen." Wie kämpft er gegen Torkrisen an? "Vor allem mit dem Kopf. Ich sage mir dann: ,Ich weiß, ich kann es, ich werde wieder treffen'." Es ist vor allem eine mentale Sache, man muss aber auch sich selbst überprüfen, ob man hart genug für das Tor arbeitet."  Und: "Nach jedem Training übe ich Schüsse aus jeder Situation, immer wieder, um mich sicher zu fühlen. "

Bildnummer: 06548448  Datum: 19.05.1995  Copyright: imago/Rust
VfL Wolfsburg - SG Wattenscheid 09 3-1 am 19. 05. 1995. Siegfried Reich (Wolfsburg, Mitte) gegen Karel Kula (li.) und Ivica Jozic (2.v.re., beide Wattenscheid); Herren Fussball GER Aktion vdia xmk quer o0 Saison 1994/1995, 2 BL, Siggi

Image number 06548448 date 19 05 1995 Copyright imago Rust VfL Wolfsburg SG Wattenscheid 09 3 1 at 19 05 1995 Siegfried Reich Wolfsburg centre against Karel Kula left and Ivica Jozic 2 v right both Wattenscheid men Football ger Action shot Vdia xmk horizontal o0 Season 1994 1995 2 BL Siggi
Siggi Reich (M.) © imago sportfotodienst
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Siggi Reich - er ist eine Wolfsburger Fußball-Legende, seine Tore verhalfen dem VfL zum dauerhaften Aufstieg in den Profi-Fußball, er schoss Wolfsburg ins Pokalfinale 1995:

Was ist jetzt gefragt? "Üben, üben, üben..."; so Reich schmunzelnd. Der ehemalige Torjäger weiter: "Ich finde, man hat zu wenig torgefährliche Spieler im Kader. Dazu kommt der Kopf, man grübelt, wie jetzt Wout Weghorst. Daniel Ginczek wiederum war zu lange verletzt, er muss erst wieder reinfinden." Das habe man beim 1:3 in Köln gesehen. Reich weiter: "Arnold etwa hat einen super Schuss, zeigt den aber immer noch viel zu wenig. Brekalo hat super Ansätze, ist schnell und dribbelstark, aber er kommt zu selten in den Strafraum. Und einem Mehmedi fehlt nach der Verletzung noch die Leichtigkeit." Die Tor-Krise sei ein Problem im Kampf um Europa - Reich: "19 Tore nach 18 Spielen ist ein bisschen dünn."