11. April 2019 / 21:26 Uhr

Was Wolfsburgs Steven Raabe mit NHL-Superstar Leon Draisaitl verbindet

Was Wolfsburgs Steven Raabe mit NHL-Superstar Leon Draisaitl verbindet

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
06.04.2019, Kanada, Calgary: Eishockey: NHL, Calgary Flames - Edmonton Oilers, Hauptrunde, Hauptrunde-Partien, 177. Spieltag im Scotiabank Saddledome. Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers feiert sein Tor. Foto: Jeff Mcintosh/The Canadian Press/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ein Wolfsburger Youngster, ein NHL-Superstar und der U18-Nationaltrainer, der beide kennt. © Imago / dpa / City-Press GmbH
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Für einen Youngster der Grizzlys Wolfsburg krönt sich jetzt "ein verrücktes Jahr". Er wird bei der Eishockey-WM der U18 spielen. Dass Steven Raabe eingesetzt wird, davon geht sein Trainer beim Deutschen-Eishockey-Bund aus. Und der coachte schon NHL-Star Leon Draisaitl.

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Frank Fischöder heißt der DEB-U18-Trainer. Eishockey-Insidern sagt der Name etwas, den meisten Fans nicht so viel. Denn als Spieler hatte er keine große Karriere. "Ich habe früh gemerkt, dass ich mit Eishockey nicht das große Geld verdienen werde." Er spielte in der 2. Liga, lange bei Westfalen Dortmund, studierte, wurde erfolgreicher Trainer, bildet seit einem Jahrzehnt Mannheims Nachwuchs aus. Und da hatte er heutige Weltstars unter seinen Fittichen. Dominik Kahun, der bei den Chicago Blackhawks in der NHL ein Eckpfeiler ist. Und Leon Draisaitl, der es mit den Edmonton Oilers zwar nicht in die Play-Offs geschafft hat, der dfür aber viertbester (!) Scorer der NHL war und zweitbester Torschütze - hinter Legende Alexander Ovechkin. Mit 50 Treffern knackte Draisaitl eine magische Marke - als erster Deutscher in Nordamerika. "Bei solchen Spielern hat man gesehen, dass sie besonders sind", erinnert sich Fischöder an seine Schützlinge von damals. "Es ist cool, sie mal trainiert zu haben." Aber, so fügt er hinzu, und das ist auch ein Fingerzeig an die Spieler von heute, an Youngster wie Raabe: "Es ist schön zu sehen, dass solche Spieler ihre sehr gute Arbeitseinstellung bis heute beibehalten haben". Mit Talent allein führt der Weg selten bis nach ganz oben.

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Steven Raabe will seinen Weg in die DEL machen, beim DEB war er vor einem Jahr noch ein No-Name. "Das passiert, dass Spieler durchs Scouting-Raster fallen", sagt Fischöder. Nicht so verwunderlich, denn Raabe spielte ja nur in der DNL III. Nationalspieler kommen in der Regel aus der DNL I, oft von den Mannheimer Jungadlern, die häufig den Meister ihrer Altersklasse stellen. Raabe allerdings bekam unter Hans Kossmann DEL-Einsätze bei den Grizzlys.

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Hatte schon NHL-Stars wie Dominik Kahun und Leon Draisaitl im Nachwuchs unter seinen Fittichen: Frank Fischöder © Imago / Nordphoto
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Fischöder: "Er hatte richtige Spielzeit in der DEL. Und mein DEB-Assistenz-Coach Christian Hommel hat ihn in Iserlohn spielen gesehen, berichtete ,der kann was, ist läuferisch gut', also haben wir gesagt ,gut, wir bauen ihn mal ein'." Hommel war lange Jahre DEL-Profi, ist jetzt sportlicher Leiter der Roosters. Raabe wurde zum Vorbereitungslehrgang für die WM berufen und durfte dabei bleiben, während acht andere weichen mussten. "Er hat uns überzeugt, war aktiv", so der DEB-Coach. Raabe spiele so, wie man es von Verteidigern heutzutage erwartet: "Sie müssen auch etwas mit der Scheibe können." Nur zerstören reiche nicht mehr.

Oilers-Star Leon Draisaitl erzielte gegen die Los Angeles Kings drei Treffer. 
Oilers-Star Leon Draisaitl erzielte gegen die Los Angeles Kings drei Treffer.  © imago/ZUMA Press

Das WM-Ziel heißt Aufstieg

Dass Raabe sich bei den Profis schon Sporen verdient habe, sei derweil nicht unbedingt ein Vorteil, denn, so erklärt der erfahrene Coach: "Bei den Senioren in der DEL haben die Youngster in der Regel nicht die große Verantwortung." Trotzdem habe der Wolfsburger sich gut eingefügt, ist nun einer der sieben Verteidiger im deutschen WM-Kader. Spielen werde er, das kann Fischöder prophezeien, auch, "weil wir nur 20 Feldspieler einsetzen können, aber fünf Spiele in sieben Tagen haben. Da wird jeder gebraucht." Der Aufstieg aus der B-Gruppe in die Eliteklasse ist das Ziel, gegen Kasachstan geht es los, Dänemark und Norwegen, Gastgeber Frankreich und die Ukraine sind die anderen Gegner. Der Coach sagt: Der Aufstieg ist unser Anspruch, wir haben eine gute Truppe, aber wir werden alle fünf Spiele gewinnen müssen, um aufzusteigen. das ist nicht einfach."

Fanfest in schwarz-orange: Die Grizzlys feierten mit ihren Anhängern den Saisonabschluss im Wolfsburger Hallenbad. Zur Galerie
Fanfest in schwarz-orange: Die Grizzlys feierten mit ihren Anhängern den Saisonabschluss im Wolfsburger Hallenbad. ©

Traum geht in Erfüllung

Raabe freut sich auf die WM: "Für mich geht ein Traum in Erfüllung", sagt er. "Ich werde versuchen, es zu genießen, mein Bestes geben, um mich in diesem Kreis weiter zu empfehlen." Am Anfang des Lehrgangs hatte er Nervosität verspürt, mit den Testspielen verflog sie. "Jetzt fühle ich mich als Teil der Mannschaft." Denn die meisten seiner Mitspieler kannte er ja vorher gar nicht. Mit Torwart Tobias Ancicka (Eisbären Berlin) teilt er ein Zimmer. Und mit einem zukünftigen Grizzlys-Kollegen hat er sich längst angefreundet: Mit Stürmer Jan Nijenhuis, der aus Mannheim nach Wolfsburg stößt. Ein langjähriger Fischöder-Schützling. "Ein guter Junge", sagt der Coach über ihn. Gemeinsam wurde sie vor einigen Wochen deutscher Meister.

Der U18-Nationalcoach spielte bei legendärem Spiel im Eispalast

Kurios übrigens: Die Wolfsburger Nachwuchs-Kabinen kennt Fischöder. Er hat nämlich mal in Wolfsburg an einem legendären Spiel teilgenommen: Dem ersten Heimauftritt des damaligen NHL-Stars Petr Klima (Tampa Bay Lightning) für den EC Wolfsburg (mit Cary Cummins, Richard Jelsovsky, Garth Bannatyne, Olaf Kölle und Erwin Forster). "Ich glaube, ich habe ein Tor geschossen" erinnerte sich Fischöder. Ein Blick ins Archiv der Wolfsburger Allgemeinen, die von einem "Klima-Effekt" gegen Spitzenreiter Dortmund schrieb, bestätigt: Stimmt, Fischöder schoss das 1:8. 13:5 gewann Wolfsburg damals. Vor sage und schreibe 2500 Besuchern. Solche Kulissen hat Raabe inzwischen auch schon erlebt, der sich in Grenoble bester Unterstützung aus der Heimat erfreut. DEL- und Grizzlys-Routinier Sebastian Furchner, der sich des Youngsters annimmt, seit der zu den Profis rückte, hält Whatsapp-Kontakt. Raabe: "Dass er sich so für mich reinhängt, das motiviert mich umso mehr."

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