01. Juni 2020 / 10:10 Uhr

Waschen ist bei der BG Göttingen in München Männersache

Waschen ist bei der BG Göttingen in München Männersache

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Domenik Theodorou sorgt dafür, dass die BG-Spieler fit ins Münchener Final-Turnier gehen.
Domenik Theodorou sorgt dafür, dass die BG-Spieler fit ins Münchener Final-Turnier gehen. © Swen Pförtner
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In wenigen Tagen macht sich der Tross der BG Göttingen auf in Richtung München, um die Saison in der Basketball-Bundesliga beim BBL Final-Turnier zu Ende zu spielen. Für alle Beteiligten ist es eine Ausnahmesituation, die aber eine gewisse Spannung mit sich bringt.

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Die Bundesliga-Basketballer der BG Göttingen spielen im Münchener Audi Dome die Saison zu Ende. Das BBL Final-Turnier, an dem zehn Mannschaften teilnehmen werden, beginnt am Sonnabend, 6. Juni. Dann bestreiten die Veilchen im 16.30 Uhr das Eröffnungsspiel gegen die Hakro Merlins Craislheim. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Leine und Isar hinunter. Für die Mitarbeiter der BG Göttingen läuft der Countdown aber schon längst, sie haben alle Hände voll zu tun, um den Aufenthalt vor Ort zu organisieren.

Wäre Domenik Theodorou, Fitnesscoach und Teammanager der BG Göttingen, nicht so ein positiv denkender, immer gut gelaunter Mensch, wäre er angesichts der anstehenden Aufgaben wahrscheinlich schon einige Male der Verzweifelung nahe gewesen. So aber sagt er – nicht unerwartet – fröhlich: „Ich hoffe, dass das ein einmaliges Event sein wird. Es wird sicher spannend, und anschließend gibt es bestimmt jede Menge zu erzählen.“ In Hotels sei er mit dem Team ja öfter, gemeinsam mit neun anderen Mannschaften dagegen aber nicht.

Voll beladener Bus

Wenn sich der BG-Teambus am Donnerstag auf den Weg in die bayerische Landeshauptstadt macht, wird er voll beladen sein. Zum großen Gepäck der Spieler und anderen Delegationsmitglieder kommt weiteres Equipment: Zwei Ergometer, Gewichte, Matten, Gummibänder und andere Kleinteile werden mitgenommen. „Wir bekommen im Hotel, wie jede andere Mannschaft auch, zwei Räume für Behandlungen oder einfach, um sich darin aufzuhalten. Da können wir individuell arbeiten“, sagt Theodorou. Ein Physiotherapeut aus Göttingen sei dabei, Ärzte stelle Liga. „Ich hoffe, dass wir von Verletzungen verschont bleiben“, sagt der Fitnesscoach, der natürlich weiß, dass mit jeder Blessur zusätzliche Arbeit – zum ohnehin schon vollen Terminkalender vor Ort – hinzu kommt.

Vor Ort wird es einen Fahrdienst geben. Der bringt die Mannschaften in die Trainingshalle des FC Bayern München („Dort haben wir dann auch einen Kraftraum zur Verfügung“) und zu den Spielen in den Audi Dome.

Viele Waschtage im Hotel

Für die Trikots und die Handtücher nach den Spielen steht jeder Mannschaft eine Industrie-Waschmaschine und ein entsprechender Trockner zur Verfügung. „Ich bin froh, dass Ben Lemmer mit dabei ist“, erhält Theodorou Unterstützung vom FSJler, der schon seit Saisonbeginn die Veilchen unterstützt. Außerdem sind Betreuer Kai Winkler und Statistik Scout Julian Meier mit dabei, die ebenfalls helfen. „Das ist also fast die Besetzung, die auch zu Auswärtsspielen mitfährt.“ Private Wäsche wird vom Hotelservice erledigt. „Da habe ich Wäschesäcke bestellt. Die sind auch schon geliefert worden“, erzählt der Teammanager, der inzwischen in das „Feintuning“ der Vorbereitung eingestiegen ist.

Ein wichtiger Aspekt sei die Planung der Mahlzeiten. Auch bei „normalen“ Auswärtsfahrten schickt Theodorou immer einen Speiseplan an die Hotels. Dieser enthält Basics, die bei jedem Essen dabei sein müssen. „Ich weiß, was Johan will“, sagt er zu den Vorgaben des BG-Headcoaches in Sachen Ernährung. „Jetzt liegt es aber nicht mehr in unserer Hand, dass auch wirklich alles funktioniert.“ Er habe das Hotel darauf hingewiesen, dass es für die Profispieler ausgewogene Mahlzeiten geben solle. „Und vor allem muss genug da sein. Ein gebratene Hühnerbrust reicht eben nicht pro Spieler.“

In der Not: Lieferservice

Und was passiert, wenn ein Spieler den Vorrat seiner Lieblingsschokolade aufgegessen hat? „Dann gibt es einen Lieferservice. Dort kann bestellt werden. Das wird dann an einem neutralen Punkt am Hotel abgestellt, sodass die Lieferanten nicht mit den Bewohnern im Hotel in Kontakt kommen können“, sagt Theodorou.

Er wird, wie alle im Hotel einquartierten Mitglieder der Klubs, ein Einzelzimmer beziehen. Die Liga wird eine Lounge einrichten, in der beispielsweise Billard gespielt werden könne. „Wir untereinander werden kein Problem haben, uns zu beschäftigen“, vermutet Theodorou. Entscheidend sei, dass es eine stabile Internetverbindung gebe, davon hänge der Zufriedenheitsgrad der Spieler ab. „Das muss funktionieren, sonst wird es schwierig. Wenn alle abends auf ihren Zimmern sind und über Netflix noch einen Film streamen, sollte das schon klappen.“

Obwohl Kai Winkler mehr als ein Jahrzehnt bei der BG Göttingen an der Seitenlinie steht, erwartet ihn in München absolutes Neuland.
Obwohl Kai Winkler mehr als ein Jahrzehnt bei der BG Göttingen an der Seitenlinie steht, erwartet ihn in München absolutes Neuland. ©
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Resturlaub für Turnierteilnahme

Kai Winkler hat schon viele besondere Situationen mit der BG Göttingen erlebt: den ersten Aufstieg nach der Saison 2006/2007, den Eurochallenge-Sieg vor zehn Jahren und den Wiederaufstieg zur Saison 2014/15. Da wollte er sich die nächste Besonderheit, das BBL Final-Turnier in München auch nicht entgehen lassen. „Johan Roijakkers hat mich gefragt, ob ich mitfahre. Er hat eben gern seine Leute um sich. Domenik Theodorou hat mich auch gebeten, wir haben mehr als eine Stunde telefoniert“, erzählt der Teamassistent. „Mit meiner Frau Verena habe ich das dann abgesprochen. Ich fahre gern mit, weil ich denke, dass das etwas Einmaliges sein wird und man davon sicher noch in ein paar Jahren sprechen wird.“ Auch mit seinem Arbeitgeber – Winkler arbeitet als Zahntechniker in einer Praxis in Witzenhausen – ließ sich alles regeln. „Das hat gepasst. Ich hatte noch so viel Resturlaub.“

„Ich kenne Auswärtsfahrten und weiß, wie es ist, wenn man sich vom Hotel aus frei bewegen kann. Da geht man mal um die Ecke und kauft ein Eis oder einen Döner. Oder fährt in den Supermarkt und kauft ein. In München wird alles anders sein“, weiß Winkler und nennt die gesamte Situation „spannend“, hofft aber auch, „dass es so etwas nicht wieder geben wird“. Interessant werde es seiner Meinung nach auch mit der Verpflegung der Spieler. Ob das so gut funktioniere wie bei den selbst organisierten BG-Auswärtsfahrten, bleibe abzuwarten. „Immerhin müssen etwa 250 Leute versorgt werden.“

Für gute Laune sorgen

Seine Aufgaben werden sich nicht von denen an „normalen“ Spieltagen unterscheiden. „Es ist alles wie immer. Ich werde für gute Laune sorgen, habe administrative Aufgaben und werde natürlich auch beim Waschen der Trikots helfen.“ Wenn die Mannschaft in der Trainingshalle ist, wird er mit dabei sein. „Dann setze ich mich im Fitnessstudio mal auf ein Fahrrad und tue etwas für mich.“

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Befürchtungen, dass die lange gemeinsame Zeit in München die Stimmung im Team belasten könnte, hat der 50-Jährige nicht. „Jeder kann die Tür hinter sich zumachen und hat dann auch seine Ruhe. Ohne Einzelzimmer ginge das nicht. Dann kann jeder ungestört telefonieren und skypen.“

Enkel Henri wird fehlen

Gespannt ist er darauf, ob das Hygienekonzept der BBL greift. „Wir sind ja alle schon einige Male getestet worden.“ Während der Arbeit trägt er, bei Kontakt mit Patienten, Mundschutz und Handschuhe und das Privatleben sei ja sowieso sehr eingeschränkt. „Ich war ein paar Mal im Basketballzentrum, sehe meinen kleinen Enkel Henri immer mal. Aber der ist mit seiner Familie ja auch hauptsächlich zu Hause. Er wird mir in den zwei Wochen besonders fehlen. Er ist jetzt eineinhalb Jahre alt und brabbelt immer Opa.“

Von Kathrin Lienig