24. März 2021 / 09:09 Uhr

"Entscheidung des Kopfes": Waspo 98 gibt Finalturnier der Champions League ab

"Entscheidung des Kopfes": Waspo 98 gibt Finalturnier der Champions League ab

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Keine schöne Entscheidung: Karsten Seehafer und Waspo 98 verzichten auf die Ausrichtung des Final 8 der Champions League.
Keine schöne Entscheidung: Karsten Seehafer und Waspo 98 verzichten auf die Ausrichtung des Final 8 der Champions League. © Florian Petrow
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Wegen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen verzichtet Waspo 98 auf die Ausrichtung des Final 8 der Champions League. "Das ist keine Entscheidung des Herzens, sondern des Kopfes", betont Trainer und Mäzen Karsten Seehafer. Mit Belgrad hat der Verband LEN nun offenbar Ersatz gefunden.

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„Wir haben eigentlich schon im Dezember gegenüber dem europäischen Verband die weiße Fahne gehisst.“ Der Trainer Karsten Seehafer hat früh erkannt und längst gemutmaßt, dass es wegen der Pandemie sehr schwierig wird, das Final-8-Turnier der Champions League in Hannover auszutragen. So, wie es geplant war. Seehafer ist schließlich nicht nur Coach, sondern auch Mäzen und Waspo-Vizepräsident. Nun hat sich offenbar ein neuer Ausrichter gefunden. Das wichtigste Turnier könnte in Belgrad ausgetragen werden. „Man hat Verständnis für die Probleme hier, niemand ist uns böse“, betont Seehafer.

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In einem Brief an die LEN (Ligue Européenne de Natation) hat Waspo erneut auf die Situation aufmerksam gemacht. „Mehr noch, die Lage hat sich durch die steigenden Infektionszahlen in Deutschland ja verkompliziert“, so Seehafer, „und diese Botschaft ist angekommen.“ Für vier Jahre hatte die LEN das Final-8 vergeben, Waspo und der italienische Spitzenclub Pro Recco sollten sich abwechseln. 2020 fiel das Turnier in Italien wegen Corona aus, nun wäre zum Abschluss wieder Hannover an der Reihe gewesen.

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Eine vertragliche Verpflichtung jedoch war Waspo nicht eingegangen. „Einen höheren sechsstelligen Betrag hätte das gekostet“, so Seehafer. Dazu kommen die aktuellen Kosten: Der deutsche Meister wäre zwar für das Final 8 gesetzt gewesen, nimmt aber an der Hauptrunde mit zwölf Teams teil.

Zuletzt rückte Waspo in Pool B auf Tabellenplatz vier vor, das würde gerade so für das Endturnier reichen. „Wir haben die Tür weit aufgestoßen, für uns ist alles drin“, sagt Seehafer. Verteidigt Waspo Rang vier beim letzten Abschnitt der Gruppenphase (in der Blase von Budapest, 18. bis 23. April), wäre es perfekt gelaufen.

Final 8 womöglich drei Jahre in Belgrad

Dass plötzlich Belgrad heißer Kandidat für das Final 8 ist, erklärt Seehafer so: „Der Staat hilft beim Wiederaufbau. Belgrad hat eine gute Bäderlandschaft und Traditionsvereine wie Partizan und Roter Stern. Aber sie ist finanziell ausgeblutet.“ Offenbar soll ein neuer, starker Verein entstehen mit Novi Beograd (wie der Stadtteil), also Neu Belgrad. Der soll Stars anlocken und zum Sammelbecken werden, wie Seehafer es formuliert. Über 2021 hinaus könnte die LEN das Final 8 zwei weitere Jahre nach Serbien vergeben. „Damit könnten wir sehr gut leben, es wäre eine enorme Erleichterung“, sagt der Waspo-Vize.

Jüngst hatte sich Präsident Bernd Seidensticker mit der britischen Mutante des Coronavirus infiziert, er ist inzwischen genesen. Auch Co-Trainer Predrag Jokic erwischte es, er ist noch in Quarantäne. „Wir bleiben vorsichtig, damit ist echt nicht zu spaßen“, sagt Seidensticker. „Dass wir das Final 8 lieber nicht ausrichten wollen, ist keine Entscheidung des Herzens, sondern des Kopfes.“