28. April 2020 / 09:34 Uhr

"Wir sind im Stand-by-Modus": Julian Real und seine Waspo-Kollegen warten auf Klarheit

"Wir sind im Stand-by-Modus": Julian Real und seine Waspo-Kollegen warten auf Klarheit

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ob die Wasserball-Saison fortgesetzt wird, das fragen sich derzeit auch Julian Real (links) und Torwart Moritz Schenkel von Waspo 98 Hannover.
Ob die Wasserball-Saison fortgesetzt wird, das fragen sich derzeit auch Julian Real (links) und Torwart Moritz Schenkel von Waspo 98 Hannover. © Bernd Thissen/dpa
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Für die Wasserballer von Waspo 98 Hannover gibt es derzeit viele offene Fragen. Vor allem ist unklar, ob die Saison fortgesetzt wird. Bis 1. Juli soll eine Entscheidung getroffen. Klubchef Bernd Seidensticker vermisst ein Sicherheitskonzept, die Spieler haben schon lange keinen Ball mehr gesehen.

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Die Wasserballer halten derzeit zumindest die Zehen ins Nasse – übertragen auf ihre sportliche Lage. Die Saison in der Bundesliga ist unterbrochen, bis zum 1. Juli soll über Fortsetzung oder Abbruch entschieden werden. Auch die Champions League pausiert, die Terminierung der Olympiaqualifikation steht aus.

Fortsetzung nur mit Konzept

Für Waspo 98 Hannover ist klar, dass ein Spielbetrieb nur unter „Regelungen aufgenommen wird, die gesetzeskonform sind und die Gesundheit aller Beteiligten nicht gefährden", sagt Klubchef Bernd Seidensticker. „Wir stemmen uns nicht gegen eine Fortsetzung der Saison, wenn der Deutsche Schwimmverband ein Konzept für die Durchführung von Wettkämpfen vorlegt, so wie es bei den Fußballern und im Pferderennsport geschehen ist.“

Man dürfe die Ausgestaltung von Durchführungsbestimmungen nicht auf die einzelnen Klubs abschrieben, ergänzt der Waspo-Klubchef: „Wir sind doch keine Selbsterprobungsgruppen.“

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Solche Regelungen müssten sich an den zehn „Leitplanken des Deutschen Olympischen Sportbundes orientieren, die jüngst auf der Internetseite der Deutschen Wasserballliga veröffentlicht worden sind: Distanzregeln einhalten, Körperkontakte auf das Minimum reduzieren, Freiluftaktivitäten präferieren, Hygieneregeln einhalten, Umkleiden und Duschen zu Hause, Fahrgemeinschaften vorübergehend aussetzen, Veranstaltungen wie Mitgliederversammlungen und Feste unterlassen, Trainingsgruppen verkleinern, Angehörige von Risikogruppen besonders schützen, Risiken in allen Bereichen minimieren.

"Enorm hoher Aufwand, fast unangemessen"

Seidensticker gibt zu bedenken, dass einige dieser Anforderungen kaum zu erfüllen sein werden. „Wasserball ist eine Kontaktsportart“, sagt der 60-Jährige, sodass Distanzregeln im Wettkampfbecken kaum einzuhalten sind.

Auch das Thema Fahrgemeinschaften bereitet den Bundesligisten Probleme: „Wie sollen wir denn zu einem Ligaspiel nach Esslingen kommen, mit Privatfahrzeugen, in denen maximal zwei Leute sitzen“, fragt Seidensticker. „Das wäre ein enorm hoher Aufwand, fast unangemessen.“

Überhaupt nicht geklärt ist, inwieweit Spielerverträge, die auch im Wasserball üblicherweise zum 30. Juni enden, gelten, sollte die Spielzeit 2019/20 über diesen Termin hinausgeführt werden. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Seidensticker.

Das ist das Aufgebot von Waspo 98 Hannover in der Saison 2019/20:

<b>Darko Brguljan</b>: Mann für die ganz wichtigen Tore, Allrounder, montenegrinisch, Wurfarm rechts Zur Galerie
Darko Brguljan: Mann für die ganz wichtigen Tore, Allrounder, montenegrinisch, Wurfarm rechts ©

Zudem brauchen auch die Wasserballer zur Wiederaufnahme ihrer Wettkämpfe eine gewisse Vorbereitungszeit. Zurzeit trainieren die Waspo-Profis, maximal drei zeitgleich, im Fössebad und im Kraftraum des Sportleistungszentrums – jeweils unter Wahrung der Abstandsregeln, also mit mehreren Bahnen Zwischenraum. „Wir schwimmen, machen Athletiktraining und pflegen Grundlagen“, sagt Abwehrchef Julian Real. „Wir sind im Stand-by-Modus, den Ball habe ich seit Mitte März nicht mehr gesehen.“

Familienvater Real forciert in dieser ungewissen Zeit die Weichenstellung für die Zeit nach dem Sport – Karriereabschluss soll im Idealfall Olympia 2021 werden. „Ich bin schon über 30, da muss ich an die Zukunft denken“, sagt er. Daher nutzt er die wettkampffreie Zeit für seine Masterarbeit in Betriebswirtschaftslehre.