28. Mai 2020 / 09:09 Uhr

"Ist ganz heimelig hier": Waspo 98 nimmt Trainings-Schichtbetrieb im Fössebad auf

"Ist ganz heimelig hier": Waspo 98 nimmt Trainings-Schichtbetrieb im Fössebad auf

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wir passen auf, Sicherheit geht vor, sagt Karsten Seehafer (rechts) mit der Waspo-Maske.
"Wir passen auf, Sicherheit geht vor", sagt Karsten Seehafer (rechts) mit der Waspo-Maske. © Florian Petrow
Anzeige

Unter strengen Auflagen und im Schichtbetrieb trainieren die Wasserballer von Waspo 98 Hannover im Fössebad - die Bundesliga ist lediglich unter-, nicht abgebrochen. Hier haben die Spieler mehr Platz als im SLZ, können sieben Einheiten pro Woche absolvieren, um für die Fortsetzung der Saison gerüstet zu sein.

Anzeige
Anzeige

Jedes Prusten ist zu hören im Fössebad. Jedes Eintauchen der Hände beim Kraulen. Das ist auch kein Wunder, denn mehr als vier Wasserballer dürfen nicht gleichzeitig ins Becken. Die Bundesliga-Spieler von Waspo 98 trainieren unter strengen Corona-Auflagen im Hallenbad. Und zwar im Schichtbetrieb, ein Training zieht sich dann über vier Stunden. „Wir sind gut in Bewegung, das ist schon okay so. Wir passen auf, Sicherheit geht vor“, sagt Trainer Karsten Seehafer.

Klare Entscheidung pro Fössebad

Während sich Kapitän Aleksandar Radovic wieder anzieht und Fynn Schütze sowie Torwart Felix Behnke schon die Halle verlassen, schwimmen sich die Nationalspieler Julian Real und Tobias Preuß sowie der russische Neuzugang Ivan Nagaev gerade ein. An jeder Bahn pappt der Plan in Klarsichtfolie, das ist so vorgeschrieben. Platz ist mehr als genug an der Fösse, die Spieler haben sich klar gegen das Wassertraining im Sportleistungszentrum entschieden.

„Es ist ganz heimelig hier und mal etwas anderes. Die Wassertemperatur ist minimal höher, deshalb fühlt es sich eher wie Stadionbad an“, sagt Seehafer, der mit eigens angefertigter Waspo-Atemschutzmaske am Beckenrand steht. Sieben Einheiten kann Waspo in der Woche absolvieren, viermal im Wasser, dreimal Kraft. Dazu übt jeder noch individuell.

Mehr Berichte aus der Region

Aber wofür, bleibt unklar. Erst am 1. Juli soll entschieden werden, ob die Bundesliga im August und September in Freibädern zu Ende gespielt wird. „Ich bin etwas skeptisch“, sagt Seehafer „aber wir werden bereit sein, falls es so kommt.“

Unterdessen haben die drei Mann im Becken Tempo aufgenommen. Zehnmal 100 Meter sind aufgerufen, jeweils unter 1:10 Minuten, etwa zweieinhalb Kilometer sind es pro Einheit. Das schwimmt das Trio ganz locker weg. Besonders froh darüber ist Preuß. „Die Schulter ist super, ich hab keine Probleme mehr“, sagt der 30-Jährige. Wegen einer Verletzung hatte er für den DSV zuletzt pausieren müssen, kann aber auf die Olympia-Teilnahme 2021 hoffen.

"Platz ist ja genug"

Bevor das Trio zu den Bällen greift und ein wenig fängt – der Abstand beträgt etwa vier bis sechs Meter –, schnappen Seehafer und Betreuer Michael Skibba ein wenig frische Luft. Die Tür zum riesigen Außenbereich steht weit offen, es ist angenehm draußen wie drinnen. „Hier machen die Jungs oft Gymnastik und wärmen sich auf, Platz ist ja genug“, so Skibba. Das wäre im Sportleistungszentrum nicht möglich gewesen, dort steht nur Kraft auf dem Programm.

Passtraining bei Waspo 98

Drinnen haben die Spieler zum Ende der Einheit ein Problem. Es ist kein Keeper da. „Wir wechseln die Schichten ja schon so, dass jeder mit Schießen drankommt, aber es lässt sich nicht ändern“, sagt Seehafer. Immerhin: Linkshänder Nagaev ist auch ein passabler Schlussmann, so leicht ist er nicht zu überwinden.

Überhaupt hat der russische Auswahlspieler Oberwasser. Er trägt die Haare deutlich länger, hat sich einen Schnurrbart wachsen lassen und strahlt die meiste Zeit. Ein Gute-Laune-Bär. „Er macht ein Geheimnis daraus, was es mit dem Bart auf sich hat“, lacht Skibba. Damit, dass der inzwischen gut Deutsch sprechende Nagaev Ende Juli zum dritten Mal Vater wird, hat es jedenfalls nichts zu tun. „Ist ja auch egal. Hauptsache, Ivan fühlt sich daheim hier. Und das tut er“, betont Seehafer.

Ivan Nagaev fällt auf - mit seinem Schnurrbart und als passabler Torhüter.
Ivan Nagaev fällt auf - mit seinem Schnurrbart und als passabler Torhüter. © Florian Petrow
Anzeige

Am Ende heben die Spieler das Alu-Tor wieder aus dem Becken, Skibba desinfiziert derweil vorschriftsgemäß die Bälle – wenngleich die ja direkt aus dem gechlorten Wasser kommen. Für diesen Tag war es die letzte Schicht, auch die Trainer wechseln sich ab beim Pokalsieger.

Ab Mitte Juni könnte im Volksbad Limmer trainiert werden – oder in jedem anderen Freibad, wie Seehafer betont. Um gut vorbereitet zu sein, sollte die Bundesliga weitergehen bis in den Spätsommer. Da kann es dann abends aber schon empfindlich kühl sein. Da winkt Seehafer und lächelt offenbar hinter der Maske: „Dann ziehen wir uns eben warm an, wenn wir auf der Limmerstraße die Meisterschaft feiern.“