01. August 2020 / 18:12 Uhr

Waspo gibt Wasserball-Superstar Filipovic einen Korb - und hält Allrounder Petar Muslim

Waspo gibt Wasserball-Superstar Filipovic einen Korb - und hält Allrounder Petar Muslim

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Petar Muslim bleibt Waspo Hannover treu. Dafür lehnte der Wasserball-Bundesligist sogar Weltstar Filip Filipovic (oben rechts) ab.
Petar Muslim bleibt Waspo Hannover treu. Dafür lehnte der Wasserball-Bundesligist sogar Weltstar Filip Filipovic (oben rechts) ab. © imago/Insidefoto
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Der Wasserball-Weltklub Pro Recco baggerte an Waspo-Allrounder Petar Muslim - und bot sogar im Tausch den 33-jährigen Star Filip Filipovic an. Doch die Hannoveraner lehnten ab, Muslim fühlt sich wohl und will bleiben.

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Karsten Seehafer hat ganz genau hinschauen müssen auf sein Smartphone. So richtig konnte der Trainer und Mäzen von Waspo 98 es nicht glauben. Eine Whatsapp-Nachricht aus Italien, geschickt vom Spitzenklub Pro Recco. „Sie wollten unseren Petar Muslim verpflichten, das war zunächst nur eine Anfrage“, sagt Seehafer, der die Offerte prompt zurückwies.

„Als nächstes schlug Pro Recco einen Tausch vor, hat uns unter anderem Filip Filipovic für Petar angeboten“, so Seehafer. Linkshänder Filipovic gilt mit seinen 33 Jahren noch immer als bester Wasserballer der Welt. „Aber das kam nicht in Frage, Petar passt bei uns einfach perfekt rein“, betont Seehafer, „mit Filipovic hätten wir unser ganzes System umstellen müssen.“

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Pro Recco in finanzieller Schieflage

Pro Recco ist sozusagen das Real Madrid des Wasserballs, gewann 8-mal die Champions League – hat aber inzwischen offenbar finanzielle Probleme. „Man hat uns zudem Niksa Dobud angeboten, das ist der beste Center Kroatiens, auch ein Weltstar“, sagt Seehafer. Inzwischen haben etliche Leistungsträger den Verein bei Genua verlassen, Filipovic hat in Ungarn beim Szolnoki Vizilabda SC unterschrieben. Nicht zuletzt durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ist mächtig Bewegung in den europäischen Wasserball gekommen. Pro Recco ist nicht der einzige Verein, der finanziell Schlagseite bekam.

Das sei schon ein besonderes Gefühl gewesen, einen Superstar wie Filipovic abzulehnen, so Seehafer. Immerhin ist der Serbe Olympiasieger, zweifacher Welt- und sechsfacher Europameister. „Das ehrt uns ja. Und Filipovic muss ja wohl auch einverstanden gewesen sein, zu uns zu kommen“, sagt der Waspo-Coach.

Bilder vom ersten Training des Jahres von Waspo 98 Hannover im Volksbad Limmer

Karsten Seehafer (links) und Bernd Seidensticker verfolgen die Einheit aufmerksam und entspannt. Zur Galerie
Karsten Seehafer (links) und Bernd Seidensticker verfolgen die Einheit aufmerksam und entspannt. ©

Muslim fühlt sich wohl in Hannover

Im nächsten Moment habe ihn jedoch ein ganz anderes Gefühl beschlichen: dass Muslim, dessen Vertrag bis 2022 läuft, womöglich wechseln wolle. Also rief Seehafer schnell bei seinem kroatischen Allrounder an, dann war er beruhigt. Muslim bleibt, er fühlt sich wohl bei Waspo und in der Nordstadt.

Dort lebt er mit Frau Mira und Tochter Petra (7 Jahre). „Es ist schön in Hannover, Petra spricht sehr gut Deutsch und geht zur Schule, die drei Minuten zu Fuß entfernt ist“, sagt der 32-jährige Olympiasieger von 2012. Er ist mit seiner kleinen Familie oft in den Herrenhäuser Gärten unterwegs, spricht inzwischen ebenfalls gut Deutsch. „Daher habe ich Nein gesagt“, so Muslim. Und was Filipovic angeht: „Wir haben schon drei sehr gute Linkshänder, unsere rechte Seite ist stark.“

"Alles, was diese Mannschaft braucht, ist Zeit"

Normalerweise macht Muslim im August Urlaub in seiner Heimatstadt Split, zurzeit sind nur Frau und Tochter dort. „Es ist die schönste Stadt der Welt mit ganz vielen kleinen Inseln davor“, schwärmt der Zwei-Meter-Mann. Aktuell bereitet er sich aber mit Waspo auf die Bundesliga vor, die ab Ende August fortgesetzt werden dürfte. Ungewohnt sei das, wegen der Coronapandemie aber nicht zu ändern. Waspo, sagt Muslim, werde im nächsten Jahr noch deutlich stärker sein: „Alles, was diese Mannschaft braucht, ist Zeit. Die Spieler sind stark genug.“