09. Juni 2020 / 10:00 Uhr

Waspos toller Hecht Nagaev hat in Linden ein besseres Gefühl als in Moskau

Waspos toller Hecht Nagaev hat in Linden ein besseres Gefühl als in Moskau

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dicker Fisch: Ivan
 Nagaev hat sich einen Hecht geangelt. Der Russe geht gerne zu den Ricklinger Teichen. 
Dicker Fisch: Ivan Nagaev hat sich einen Hecht geangelt. Der Russe geht gerne zu den Ricklinger Teichen. 
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Die Corona-Pandemie hat die Sportwelt ausgebremst. Viele internationale Athleten aus Hannover sorgen sich um die Situation in ihren Heimatländern. Der SPORTBUZZER beleuchtet in einer Serie, wie das Virus den Sport dort verändert hat. Heute: Waspo-Wasserballstar Ivan Nagaev aus Russland.

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Große Sorgen braucht sich Ivan Nagaev in diesen Corona-Zeiten eigentlich nicht zu machen, eher im Gegenteil. Der russische Wasserballer von Waspo 98 fühlt sich in Linden sicher und wohl mit seiner Familie. Und seine Eltern leben in Odessa in der Ukraine.

„Das ist schon seltsam mit Corona"

„Dort hat man schnell reagiert auf das Virus“, sagt der 26-Jährige. Dennoch hat er viel Kontakt zu Freunden und ehemaligen Teamkollegen in Moskau, wo er zuletzt für Dynamo spielte. „Zum Glück wird es auch in Moskau langsam besser, es hat sich stabilisiert“, so Nagaev.

Der Linkshänder reiste von einem Lehrgang aus Russland zurück, kurz bevor die Grenzen geschlossen wurden. „Das ist schon seltsam mit Corona. Wenn du in Moskau auf die Straße gehen willst, musst du vorher online viel erledigen. Sonst droht dir eine Strafe“, sagt Nagaev.

In Deutschland hat er ein gutes Gefühl

Bekannte haben ihm das berichtet, noch sind die Vorgaben in der Hauptstadt strikt. Das Land steuert bei den Infizierten auf die halbe Million zu (467 073; Quelle: Johns-Hopkins-Universität), weltweit ist es damit am drittstärksten betroffen. „Das hat Deutschland besser gemacht. Es ist ein gutes Gefühl“, betont Nagaev.

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Training ist in Moskau nicht möglich, die Schwimmbäder sind geschlossen. Dennoch will der russische Nationalcoach am 1. Juli mit dem Team wieder ins Training einsteigen. „Aber das ist alles noch unklar“, sagt Nagaev, der mit Waspo immerhin wieder im Fössebad schwimmen kann. „Mit maximal vier Mann im Becken, aber das ist besser als gar nichts“, sagt der Gute-Laune-Bär.

„Bleibt ein Geheimnis“

Er hat meist ein Lächeln im Gesicht. „Warum auch nicht, das ist doch normal“, sagt er. Ende Juli wird er zum dritten Mal Vater, Gattin Anna erwartet nach Marija (wird im Sommer eingeschult) und Margerita erneut eine Tochter. Hängt es damit zusammen, dass er die Haare nun lang und einen Schnurrbart trägt? „Bleibt ein Geheimnis“, sagt Nagaev, der schon beachtlich gut Deutsch spricht.

 Der
 russische Wasserballer Ivan Nagaev kam im Sommer 2019
 nach Hannover. 
 Der russische Wasserballer Ivan Nagaev kam im Sommer 2019 nach Hannover.  © imago images/Insidefoto
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Ob und wann er wieder nach Moskau darf, um mit dem Nationalteam zu trainieren? „Schwer zu sagen, momentan kann ich mich hier ja viel besser vorbereiten“, so Nagaev.

Er will mit Russland ebenso wie die deutsche Auswahl im nächsten Jahr noch das Olym­pia­ticket lösen (Qualifikationsturnier um die drei letzten Startplätze vom 14. bis zum 21. Februar in Rotterdam). Die Russen haben sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen. „Allzu viel kommt da momentan aber nicht, wir müssen eben Geduld haben“, betont Nagaev – und davon hat er reichlich.

"Meine Familie und ich fühlen uns hier sicher und wohl"

Er angelt leidenschaftlich, hat eine Lizenz erworben und setzt sich mit Nachbar Vuk Vuksanovic an die Teiche. Wasserball-Landestrainer Vuksanovic ist Serbe und wird im Herbst ebenfalls Vater. „Da gibt es viel zu besprechen“, sagt Nagaev lachend.

Mit Waspo hat er indes noch nicht gesprochen, sein Vertrag läuft noch bis 2021. Dass er zurück in die Heimat geht, ist unwahrscheinlich. Durch die Corona-Pandemie haben die namhaften Vereine im Osten Europas finanziell noch größere Probleme als ohnehin. „Da ist sehr viel in Bewegung geraten. Aber meine Familie und ich fühlen uns hier sicher und wohl. Das ist entscheidend“, sagt Ivan Nagaev.