27. September 2020 / 19:09 Uhr

Erst Meisterschaft, jetzt Pokal: Potsdam Orcas schaffen Bronze-Double

Erst Meisterschaft, jetzt Pokal: Potsdam Orcas schaffen Bronze-Double

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Matteo Dufour (l.) und Thilo Popp spielten vorerst das letzte Mal als Orcas - mit Erfolg in Bronzeglanz.
Matteo Dufour (l.) und Thilo Popp spielten vorerst das letzte Mal als Orcas - mit Erfolg in Bronzeglanz. © Sandra Seifert/Verein
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Zum ersten Mal gelingt den OSC-Wasserballern ein Sieg im Final-Four-Turnier des nationalen Cup-Wettbewerbs. Es ist ein Stück Vereinsgeschichte - und für Matteo Dufour und Thilo Popp auch persönliche Erfüllung zum Abschluss. 

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Mit verfrühtem Jubel ist das immer so eine Sache. Im Gefühl des sicheren Sieges hat so manch eine Mannschaft schon eine bittere Ernüchterung erlebt und doch noch den Erfolg aus den Händen gegeben. Wasserball-Bundesligist OSC Potsdam teilte am Sonntag während der laufenden Partie ein Jubelbild auf seiner Facebook-Seite und versah dieses beim Stand von 15:10 und sechs Minuten Restspielzeit mit dem Vermerk: „Das lassen wir uns nicht mehr nehmen“. Doch im Duell um Bronze des Deutschen Pokals gegen den ASC Duisburg wurde es noch einmal eng. Letztlich setzten sich die Potsdamer in der Schwimmhalle Berlin-Schöneberg allerdings 15:13 (6:5, 3:1, 4:4, 2:3) durch.

Dufour und Popp fokussieren sich auf berufliche Zukunft

Zum ersten Mal holten sie damit einen Sieg bei der nationalen Cup-Endrunde – es war ihre immerhin sechste Teilnahme. „Endlich. Wir dachten schon, wir seien verflucht“, sagte der sportliche Leiter André Laube erleichtert. „Jetzt ist die Saison 2019/20 mit der Erfüllung aller Ziele perfekt ausgegangen.“ Denn es gelang, das erste Bronze-Double der Vereinsgeschichte. Anfang September hatte der OSC schon zum dritten Mal in Serie Platz drei der Deutschen Meisterschaft erkämpft. Nun also die Premiere im Pokal.

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Vor allem für Matteo Dufour und Thilo Popp war es ein besonders schöner Abschluss. Die beiden langjährigen und verlässlichen Spieler bestritten ihr vorerst letztes Match als Orcas. Sie wollen sich fortan auf die berufliche Zukunft fokussieren. „Vielleicht steige ich irgendwann wieder ein“, sagte Popp. Er ist ein Vereinseigengewächs, kam 2009 als Schwimmer zu den OSC-Wasserballern, weil das reine Kachelnzählen „viel zu langweilig geworden war“. Der 22-Jährige wurde dann zweimal deutscher Jugendmeister, schaffte es in der Nachwuchs-Nationalmannschaft und etablierte sich in der Männer-Bundesliga. Mit Vollbart und schulterlangen Haaren, die unter der Kappe herausragten, war er im aufgewühlten Wasser immer gut zu erkennen. Vor allem kämpferisch wusste Popp zu überzeugen. Seine Ausbildung zum Physiotherapeuten möchte er jetzt zu Ende bringen und anschließend möglichst in der medizinischen Richtung studieren.

Starke Leistung bei Halbfinalniederlage gegen Hannover

Dufour studiert bereits Medizin. Und zwar seit 2017 in Wien. Dennoch pendelte der Italiener immer zu den Spielen des OSC. „Aus Liebe zum Sport, zum Verein. Das ist einfach Leidenschaft“, sagte der frühere Mannschaftskapitän, der zehn Jahre lang für Potsdam gespielt hat. „Ich hatte das Gefühl, dass ich dem Team noch etwas geben kann. Daher habe ich trotz der Distanz weitergemacht.“ Doch inzwischen könne er sich nicht mehr wie gewünscht einbringen, zu sehr nehme ihn das Studium in Anspruch. „Mit zwei Medaillen aufzuhören“, betonte der 29-jährige Dufour, „ist ein absoluter Traum.“

Beim Final-Four-Turnier am Wochenende steuerte er in beiden Partien jeweils zwei Tore bei. Am Samstag überzeugte der OSC im Halbfinale mit starker Abwehrarbeit gegen den frisch gebackenen Meister Waspo Hannover. Lediglich 7:11 (2:3, 1:4, 1:2, 3:2) verlor das Brandenburger Team von Trainer Alexander Tchigir.

"Aufs und Abs" sowie Glücksgefühle gegen Duisburg

Tags darauf – Hannover verlor das Finale gegen die Wasserfreunde Spandau 8:12 – waren die Orcas im Duell mit Duisburg zunächst defensiv nicht gut aufgelegt. Weil das aber auch für den Kontrahenten galt, entwickelte sich ein wildes erstes Viertel mit elf Toren. Der OSC, in dessen Tor Florian Thom aufmerksam agierte, fing sich anschließend und war im Angriff bemerkenswert variabel. Die ersten sieben Treffer im Spiel erzielten sieben verschiedene Torschützen.

Beim Stand von 13:7 schienen die Potsdamer bereits die bronzene Plakette um den Hals baumeln zu spüren. Sie wurden nachlässig, erlaubten dem ASC drei Tore in Folge, um dann zu Beginn des Schlussabschnitts wieder auf fünf Treffer davon zu ziehen. „Es ging hoch und runter“, sagte Popp. Die „Aufs und Abs“ seien aufreibend gewesen, meinte Dufour:„Am Ende mussten wir unnötigerweise sogar noch einmal zittern. Aber als es durch war, waren wir einfach glücklich.“ Diejenigen, die sechs Minuten vor Ende schon zuerst gelacht hatten, lachten auch zuletzt.