18. November 2020 / 16:36 Uhr

Corona-Fälle bei Spandau: Waspo 98 bleibt nur noch die Champions League

Corona-Fälle bei Spandau: Waspo 98 bleibt nur noch die Champions League

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der geht nicht rein: In diesem internen Duell kommt Julian Real (Nr. 7) vor Fynn Schütze (Nr. 4) an den Ball, scheitert aber an der Querlatte.
Der geht nicht rein: In diesem internen Duell kommt Julian Real (Nr. 7) vor Fynn Schütze (Nr. 4) an den Ball, scheitert aber an der Querlatte. © Florian Petrow
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Die Testspiele gegen die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft sind abgesagt, zwei Auswahlspieler von Spandau 04 haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Was für Waspo 98 bedeutet: Sie können weiter nur trainieren.

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Die Angriffszeit läuft ab, da haut Waspos Pe­ter Muslim noch einen Spezialwurf raus. An den Pfosten klatscht seine Rückhand aus knapp acht Metern. Klar, den hätte der Wasserball-Olympiasieger von 2012 in einem Punktspiel so wohl nicht probiert. Aber ein paar Tricks dürfen schon sein in dieser Trainingseinheit des deutschen Meisters im Olympiastützpunkt.

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Spaß haben ist erlaubt und gewünscht, man ist schließlich unter sich – und das wird vorerst auch so bleiben. Weil Pokalsieger Spandau 04 zwei Corona-Fälle im Team hat, fallen die für das Wochenende geplanten Testspiele der Nationalmannschaft gegen Waspo ins Wasser. „Das ist ganz bitter, ein Tapetenwechsel hätte uns richtig gutgetan“, sagt Torwart Kevin Götz, „nun trainieren wir eben ganz normal weiter für die Champions League.“ Waspos Profis können zurzeit nicht raus aus ihrer Blase.

Bilder vom Training von Waspo 98 (18. November)

Bilder vom Training von Waspo 98 (18. November) Zur Galerie
Bilder vom Training von Waspo 98 (18. November) © Florian Petrow

Am Dienstagabend meldete sich Bundestrainer Hagen Stamm aus Berlin per SMS. Zwei Auswahlspieler von Spandau hat es erwischt, das Team ist in Quarantäne. „Die Einschläge kommen sozusagen näher“, stellt Verteidiger Julian Real mit finsterer Miene fest. Er ist der Kapitän der deutschen Auswahl. Seit rund neun Wochen übt Waspo nun im Olympiastützpunkt unter sich.

Das Team gilt als Kohorte, es übt abgeschirmt und wird in kurzen Abständen ge­tes­tet. Sogar Testspiele sind möglich – aber eben nur in­ter­ne. Wann es wieder ernst wird, ist unsicher. „Die Bedingungen sind hier schon optimal, ich fühle mich auch persönlich sicher. Aber wir vermissen die Wettkämpfe, die Gegner, das Reisen“, so Real.

"Wäre wichtige Abwechslung gewesen"

Eigentlich hätten die Na­tio­nal­spi­e­ler am Mittwoch zum DSV-Lehrgang nach Warendorf reisen sollen. Mindestens drei Testspiele waren von Freitag bis Sonntag geplant. „Für die Motivation ist das natürlich nicht gut. Das wäre eine wichtige Abwechslung gewesen“, so Keeper Moritz Schenkel. Er hätte als Nummer eins vermutlich im Nationalteam gespielt, Götz für Waspo.

Im Februar steht eigentlich das Olympiaqualifikationsturnier in Rotterdam an, Deutschland kämpft um eins der drei verbliebenen Tickets für Tokio. Unter normalen Umständen ist das gar nicht mehr so lange hin. Aber in Corona-Zeiten? „Für mich ist das noch weit weg. Schwer zu sagen, ob es stattfinden kann“, sagt Auswahlspieler Tobias Preuß. Den 31-jährigen Allrounder plagen nach wie vor Schul­ter­be­schwer­den. „Das kommt in Wellen“, sagt Preuß, „mal sind die Schmerzen stärker, dann spüre ich kaum etwas.“ Olympia ist und bleibt sein großes Ziel.

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Der Bundesliga-Start ist wegen der Pandemie längst ins nächste Jahr verschoben worden. Vor März dürfte es nicht losgehen. Daher ruhen die Hoffnungen auf der Champions League. „Wir trainieren wie die Bekloppten. Wofür wäre das denn sonst gewesen?“, so Real.

Waspo hat es in Gruppe B ab dem 15. Dezember im ersten Ab­schnitt mit CN Barceloneta, Herceg Novi aus Montenegro sowie Titelverteidiger Fe­renc­vá­ros Budapest zu tun. Drei Partien stehen in Budapest bis zum 17. Dezember für die Hannoveraner an, ab­ge­schirmt auch in Ungarn in einer Blase.

"Wir haben bloß keine Spiele"

Die Qualifikationsturniere für die Champions League sind in Budapest und Syrakus ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen, für Waspo kommt in Pool B AN Bre­scia dazu. Es sieht also danach aus, als könnte die Königsklasse spielen – wenngleich in abgespeckter Form, ohne Rückrunde. Für Schlussmann Schenkel ist es wichtig, eine Perspektive zu haben: „Die Ungewissheit macht einen verrückt.“

Unterdessen schlendert Co-Trainer Predreg Jokic lässig aus der Halle, er ist der designierte Nachfolger von Chefcoach Karsten Seehafer. Der Montenegriner lächelt, alles wirkt wie gewohnt. In der Blase der Wasserballer scheint Corona außen vor zu sein. „Es ist fast wie immer“, sagt Real und zuckt mit den Schultern, „wir haben bloß keine Spiele.“