27. Januar 2020 / 14:04 Uhr

Waßmannsdorf-Akteur Steven Schenkel: "Ich hatte zehn Prozent Überlebenschance"

Waßmannsdorf-Akteur Steven Schenkel: "Ich hatte zehn Prozent Überlebenschance"

Kevin Päplow
Märkische Allgemeine Zeitung
Steven Schenkel
Das Steven Schenkel wieder Fußball spielt, gleicht einem Wunder. © Kevin Päplow
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Kreisoberliga Dahme/Fläming: Waßmannsdorfer Fußballer kämpft sich nach einem brutalen Überfall zurück ins Leben. Vier Wochen lag der 29-Jährige im Koma, am Sonntag stand er erstmals bei einem Spiel auf dem Fußballplatz.

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Es war im Oktober 2016 in einer Berliner Diskothek im Stadtteil Rudow. Steven Schenkel war mit seiner damaligen Lebensgefährtin vor Ort. Der schöne Abend sollte für den 29-jährigen Fußballer aber fast tödlich enden. Als er seine Frau im Arm ihres Ex-Freundes sah, stellte Schenkel sie zur Rede. "Es dauerte nicht lang und es standen plötzlich zwölf Leute vor mir. Sie kachelten wie die Wilden auf mich ein", erinnerte sich der Mittelfeldspieler. Nachdem die Täter mit ihrem Opfer fertig waren, fuhr schon der alarmierte Krankenwagen vor.

"Die Ärzte schlossen eine geistige Behinderung nicht aus"

Die Folgen dieses Überfalls waren verheerend. Steven Schenkel erlitt einen dreifachen Schädelbasisbruch, ein Schädelhirntrauma, blutete aus der Nase und wurde ins künstliche Koma versetzt. "Ich hatte zehn Prozent Überlebenschance und kämpfte vier Wochen um mein Leben. Ich habe das Glück gehabt, dass ich meine Augen wieder öffnete", erklärt der Spieler des SVW mit zittriger Stimme. "Die Ärzte schlossen eine geistige Behinderung nicht aus. Ich wollte aber kämpfen. Ich übte jeden Tag laufen, mich zu orientieren und koordinieren. Es dauerte eineinhalb Jahre, bis ich wieder sportlich aktiv werden konnte", schaut Schenkel, der in Berlin wohnt und als Maler arbeitet, zurück.

In Bildern: Der SV Waßmannsdorf unterliegt mit 0:5 in der Hauptstadt.

Der SV Waßmannsdorf (gelbe Trikots) unterliegt mit 0:5 beim Bezirksligisten SV Buchholz. Zur Galerie
Der SV Waßmannsdorf (gelbe Trikots) unterliegt mit 0:5 beim Bezirksligisten SV Buchholz. © Kevin Päplow

Der Fußballplatz in Waßmannsdorf wurde Schenkels neues Zuhause, als er seinen alten Kumpel Christopher Kraatz traf. Dieser überredete ihn, einmal das Training zu besuchen. Seither kickt er für die Schwarz-Gelben. "Ich weiß, dass ich nie dieses Leistungspensum abrufen kann, das ich mir wünschen würde - aber ich lebe und kann Fußball spielen. Ich danke dem Verein, dass man mich so herzlich aufnahm", freute sich der Mann, der vorher im Freizeitfußball aktiv war. Am Sonntag kam dann der große Moment: Beim Testspiel des SV Waßmannsdorf beim SV Buchholz (0:5) lief er erstmals für den SVW auf.

SVW-Trainer Christian Schneemann: "Junge Spieler können sich von Steven eine Scheibe abschneiden"

Auch SVW-Coach Christian Schneemann imponiert die Lebenseinstellung seines Schützlings. "Steven ist fleißig, gibt nie auf und kommt immer mit einem Lächeln zum Training. Das, was er erlebt hat, quasi tot zu sein und wieder aufzustehen, ist eine Leistung, die nicht hoch genug einzuordnen ist. Junge Spieler können sich von Steven eine Scheibe abschneiden. Die geben nämlich auf, wenn es mal nicht nach ihrer Nase läuft. Ein Gespräch mit Steven könnte Wunder wirken", erklärt der Trainer und fügt an, dass man jede Minute sein Leben schätzen und lieben sollte.

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