05. April 2020 / 16:16 Uhr

Wayne Rooney über Gehaltsverzicht: Öffentlicher Druck auf Fußball-Profis "eine Schande"

Wayne Rooney über Gehaltsverzicht: Öffentlicher Druck auf Fußball-Profis "eine Schande"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wayne Rooney hat wegen der Forderungen nach einem generellen Gehaltsverzicht von Fußballprofis Kritik an britischer Regierung und der Gesellschaft geübt.
Wayne Rooney hat wegen der Forderungen nach einem generellen Gehaltsverzicht von Fußballprofis Kritik an britischer Regierung und der Gesellschaft geübt. © Getty
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Der frühere englische Nationalspieler Wayne Rooney hat die britische Regierung und die Gesellschaft insgesamt kritisiert. Dass von Spielern aus Premier League, Championship & Co. ein genereller Gehaltsverzicht gefordert wird, ist für den Stürmer inakzeptabel.

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Der ehemalige englische Nationalspieler Wayne Rooney hat sich in den Streit um einen Gehaltsverzicht von Fußballprofis eingeschaltet, der momentan Großbritannien beschäftigt. Stein des Anstoßes: Gesundheitsminister Matt Hancock hatte öffentlich gefordert, dass die Spieler der Premier League und der nachgeordneten englischen Ligen pauschal auf Geld verzichten. Verhandlungen zwischen den Ligaverbänden und der Spielergewerkschaft PFA endeten jedoch im Eklat. Für Rooney ist das nur folgerichtig, wie er in einer Kolumne der Sunday Times erklärte.

Der 34-Jährige, der seit Jahresbeginn für den Zweitligisten Derby County spielt, bezeichnete die Forderungen von Hancock und den Ligaverbänden der Premier League sowie der EFL wörtlich als "Schande" und erklärte: "Hancock sollte der Nation Neuigkeiten über die größte Krise geben, die wir in unserem Leben überstehen müssen. Warum war das Gehalt von Fußballern überhaupt in seinem Kopf? Hat er so verzweifelt versucht, von dem Krisenmanagement seiner Regierung abzulenken?"

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Rooney erklärte außerdem, warum die Profis in England anders als beispielsweise in Deutschland aktuell nicht zu einem Gehaltsverzicht bereit sind. "Sollte die Regierung an mich herantreten, um Krankenschwestern finanziell zu unterstützen oder Beatmungsgeräte zu kaufen, wäre ich stolz, dies zu tun - solange ich weiß, wo dieses Geld hingeht", schrieb Rooney.

Er sei finanziell "in einer Lage, in der ich etwas aufgeben kann. Nicht jeder Fußballer ist in der gleichen Position. Trotzdem ist plötzlich der komplette Berufsstand unter Zugzwang und soll pauschale Gehaltseinbußen von 30 Prozent akzeptieren." Ein Verweis vor allem auf die Akteure aus der 3. und 4. Liga, die von der Krise teils in einen existenziellen Kampf gestürzt werden. Rooney weiter: "Warum sind Fußballer plötzlich die Sündenböcke?"

Premier-League-Profis diskutieren Corona-Hilfe: Kapitäne telefonieren

Die Profis der Premier League lehnen zwar einen generellen Verzicht auf Gehalt ab, diskutieren jedoch konkrete Hilfsmaßnahmen, um denjenigen zu helfen, die von der Corona-Krise am härtesten getroffen wurden. Am Wochenende gab es zu diesem Zweck etwa ein Telefonat aller 20 Premier-League-Kapitäne, das von Liverpools Spielführer Jordan Henderson geleitet wurde.

Die Spielergewerkschaft PFA begründete ihre ablehnende Haltung damit, dass der englischen Regierung mit einem Gehaltsverzicht von 30 Prozent etwa 227 Millionen Euro über einen Zeitraum von zwölf Monaten an Steuergeldern verloren gingen. "Das würde auf Kosten unseres nationalen Gesundheitsdienstes NHS oder anderen staatlich-unterstützten Diensten gehen", erklärte die PFA.

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Wayne Rooney: Profis "sind einfache Ziele"

Aus Rooneys Sicht befinden sich die Profis der englischen Ligen zurzeit in einer "No-Win-Position". Die Spieler wären "einfache Ziele". Ähnliche Vorwürfe hatte die Spielergewerkschaft erhoben. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die öffentliche Meinung ist, dass Spieler die Gehälter der nicht-spielenden Mitarbeiter übernehmen sollen", teilte die PFA mit. "Allerdings ist unsere Position die, dass alle Vereine, die in der finanziellen Lage sind, ihre Spieler und nicht-spielenden Mitarbeiter bezahlen, dies auch tun sollten."

Die PFA griff auch die Klubs an, die teilweise wegen der Erteilung von Zwangsurlauben auf Kosten des Steuerzahlers ebenfalls in der Kritik stehen: die Spieler sollen auf Gehälter verzichten, während die Anteilseigner der Vereine ohne Verluste durch die Corona-Krise kommen und so die einzigen Profiteure des Verzichts sind. "In den Fällen, in denen die Vereine genügend Mittel haben, ihre Mitarbeiter zu bezahlen, wird die Maßnahme von Spielern, die Gehälter der nicht-spielenden Mitarbeiter zu übernehmen, nur den Shareholdern zu Gute kommen", hieß es.