25. Oktober 2021 / 06:54 Uhr

Wechselfehler und Floskeln: Die Chronik des van-Bommel-Scheiterns in Wolfsburg

Wechselfehler und Floskeln: Die Chronik des van-Bommel-Scheiterns in Wolfsburg

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Das Aus: Einen Tag dem 0:2 des VfL (l. die Geschäftsführung mit Dr. Tim Schumacher, Michael Meeske und Jörg Schmadtke) gegen Freiburg folgte die Trennung von Trainer Mark van Bommel.
Das Aus: Einen Tag dem 0:2 des VfL (l. die Geschäftsführung mit Dr. Tim Schumacher, Michael Meeske und Jörg Schmadtke) gegen Freiburg folgte die Trennung von Trainer Mark van Bommel. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Trainer Mark van Bommel ist beim VfL Wolfsburg gescheitert - nach nur neun Bundesliga-Spieltagen. Die Chronologie einer kurzen Amtszeit.

Der Start

Am 2. Juni bestätigt der VfL, was zuvor schon kein Geheimnis mehr gewesen war: Mark van Bommel wird als Nachfolger von Oliver Glasner Trainer der Wolfsburger. „Wir haben uns intensiv mit Mark van Bommel beschäftigt und die persönlichen Gespräche haben unseren Eindruck bestätigt, dass er perfekt zu unserer Philosophie passt", sagt Manager Jörg Schmadtke. Vier Wochen später folgt die offizielle Vorstellung zum Amtsantritt, bei der van Bommel sagt: "Das ist eine Riesenchance."

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Die Testspiele

Ende Juli verliert der VfL seine Liga-Generalprobe gegen Atletico Madrid mit 1:2 - es ist die fünfte Testspiel-Niederlage in Folge. Van Bommel will die Resultate nicht überbewerten und verweist auf die schwierige Saisonvorbereitung, in der Nationalspieler zum Teil spät dazu kamen.

Der Wechselfehler

Im Erstrunden-Spiel des DFB-Pokals bei Preußen Münster fällt am 6. August der erste große Schatten auf van Bommels VfL-Amtszeit: Er wechselt sechs- statt der erlaubten fünfmal aus, Wolfsburgs 3:1-Sieg nach Verlängerung ist nichts mehr wert, denn das DFB-Sportgericht und das DFB-Bundesgericht sorgen fürs Aus am grünen Tisch.

Die ersten Siege

Zum Bundesliga-Start gewinnt der VfL mit 1:0 gegen Aufsteiger Bochum. Obwohl die Gäste einen frühen Platzverweis hinnehmen müssen, trifft Wolfsburg nur einmal, die Leistung insgesamt allerdings war ordentlich. Und so geht es weiter: Eine stabile Grundformation sorgt für drei weitere Liga-Siege und ein Remis gegen Frankfurt, die schlechte Leistung beim 0:0 zum Champions-League-Start in Lille wird als Ausrutscher gesehen. In der Liga ist Wolfsburg nach fünf Spieltagen Zweiter, van Bommel muss Fragen zum vermeintlichen "Bayern-Jäger" beantworten. Allerdings: Der VfL schießt weiter wenig Tore, Taktik-Experte Tobias Escher bezeichnet Wolfsburg auf 11freunde.de als einen "Scheinriesen."

Die Pleiten-Serie

Das 1:3 in Hoffenheim am 6. Spieltag ist van Bommels erste sportliche Pflichtspiel-Niederlage als VfL-Trainer. In der Partie werden Mängel sichtbar, die in den kommenden Wochen (in denen das 1:1 gegen Sevilla ein kleiner Lichtblick war) bleiben sollen: Das VfL-Spiel ist vorn zu unpräzise, hinten schleichen sich fatale Fehler ein. Nach den folgenden Niederlagen gegen Gladbach, bei Union, in Salzburg und zuletzt gegen Freiburg spricht van Bommel floskelhaft immer von "Details" und "Kleinigkeiten", die im Spiel seiner Mannschaft falsch laufen.

Das Aus

Die Freiburg-Partie bringt zwar leichte Besserung, aber wieder keine Punkte. Weil der VfL nicht trifft, und der SC die Wolfsburger Fehler eiskalt ausnutzt. "Wenn du Scheiße am Schuh hast, hast du Scheiße am Schuh", sagt van Bommel nach der vierten Liga-Niederlage in Folge, verweigert aber zum erneuten Mal eine öffentliche Fehleranalyse. Sein Credo wiederholt er auch nach acht Pflichtspielen ohne Sieg in immergleichen Floskeln: Ruhig bleiben, weiterarbeiten. "So wie ich das als Spieler gemacht habe, so muss ich auch jetzt meine Mannschaft führen. Dass man immer härter arbeitet, jeden Tag. Dann kommt man auch da raus - und nicht anders." Wenn es "nicht läuft, wie es laufen muss", da helfe es nie, "komische Sachen zu machen". Einen Tag später verkündet der VfL die Trennung, van Bommel ist jetzt der Trainer mit der kürzesten Amtszeit eines Übungsleiters in der Wolfsburger Bundesliga-Geschichte.