08. August 2021 / 22:42 Uhr

Wechselfehler: Darum bremste Schiri Dingert die Wolfsburger nicht

Wechselfehler: Darum bremste Schiri Dingert die Wolfsburger nicht

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wolfsburgs Schiedsrichter-Chef Claudio Menna (Mitte) erklärt, warum Referee Christian Dingert (links) beim Wechselfehler von Wolfsburg-Coach Mark van Bommel nicht eingriff.
Wolfsburgs Schiedsrichter-Chef Claudio Menna (Mitte) erklärt, warum Referee Christian Dingert (links) beim Wechselfehler von Wolfsburg-Coach Mark van Bommel nicht eingriff. © IMAGO/Jan Huebner/dpa/Gero Gerewitz/Montage
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3:1 gewonnen, dennoch droht dem VfL Wolfsburg nach einem Wechselfehler nachträglich das Aus im DFB-Pokal. Wieso Schiedsrichter Christian Dingert den Fehltritt nicht verhinderte, ist leicht zu erklären.

Dem VfL Wolfsburg droht aufgrund eines Wechselfehlers nachträglich das Pokal-Aus, dabei hatte sich der Fußball-Bundesligist am Sonntag eigentlich mit 3:1 bei Regionalligist Preußen Münster durchgesetzt. Doch weil VfL-Trainer Mark van Bommel sechs statt der erlaubten fünf Auswechslungen vornahm, könnte der Champions-League-Teilnehmer am grünen Tisch vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Aber warum hinderte Schiedsrichter Christian Dingert die Wolfsburger nicht am Vergehen? Die Erklärung ist simpel.

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In den Durchführungsbestimmungen des DFB heißt es in Paragraph 31 eindeutig, dass lediglich fünf Wechsel erlaubt sind und eine zusätzliche Auswechslung bei Spielen mit Verlängerung nicht zulässig ist. Heißt: Admir Mehmedi hätte für Maximilian Philipp nicht mehr in die Partie kommen dürfen. Somit liegt ein Regelverstoß vor, Preußen Münster wird nach SPORTBUZZER-Infos Protest einlegen. Aber hätte der Unparteiische den Fehltritt nicht verhindern müssen? Die Antwort lautet: Nein! "Regeltechnisch ist der Schiedsrichter dafür nicht zuständig. Der VfL Wolfsburg muss als Verein die Bestimmungen kennen und die Verantwortung für sein Handeln selbst tragen", erklärt Claudio Menna, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im NFV-Kreis Wolfsburg, auf SPORTBUZZER-Nachfrage.

Der VfL Wolfsburg bei Preußen Münster - Die Bilder

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Trikottest: Jan Dahlke gegen Maxence Lacroix . ©

Wenn eine Mannschaft wechseln will, kann sie das also grundsätzlich so oft tun, wie sie es möchte. Bremsen muss da niemand. "Der Schiedsrichter hat auch nicht die Macht, das zu verhindern", betont Menna. Wenn der Unparteiische die betroffene Mannschaft dennoch darauf hinweist, weil ihm das Vergehen rechtzeitig auffällt, macht er das aus Kulanz und nicht, weil er dazu verpflichtet ist. Im Fall der Wolfsburger ist ebenjenes nicht geschehen, Dingert vermerkte den Wechselfehler anschließend allerdings im Spielbericht. Der VfL wollte sich zu dem Vorfall am Sonntagabend nicht äußern.

Besonders bitter: Angeblich habe sich die Wolfsburger Bank mehrmals beim vierten Offiziellen erkundigt, ob die geplanten Wechsel erlaubt seien - und offenbar das "Go!" bekommen. Fälschlicherweise. "Wenn das wirklich so gewesen ist, ist das äußerst ärgerlich", findet Menna, der selbst mit dem VfL mitgefiebert hatte. Allerdings könnte das Vergehen unterschiedliche Auswirkungen haben, je nachdem, ob das Sportgericht dem VfL oder dem Schiri-Gespann die Schuld zugespricht - so spekuliert der Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" bei Twitter. Sollte Letzteres der Fall sein, wäre sogar auch eine Wiederholung der Pokal-Partie möglich. Sind die Wolfsburger schuldig, wird die Partie sehr wahrscheinlich für Münster gewertet.

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Unabhängig davon hätten die Wolfsburger die für den DFB-Pokal geltenden Regularien kennen müssen. Menna kreidet Wolfsburgs Chefcoach van Bommel den Fehler aber nicht unbedingt an. Der Niederländer habe "bei dem engen Spielverlauf bestimmt andere Gedanken im Kopf" gehabt, Dennoch hätte jemand aus dem großen Trainer- oder Betreuerstab den ärgerlichen Fauxpas verhindern müssen. Menna: "Man kann die Verantwortung nicht jemand anderem zuschieben."

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