12. April 2019 / 21:08 Uhr

Wegen Pyroeinsatz: Sportgericht verurteilt VfB Lübeck zu einem Geisterspiel

Wegen Pyroeinsatz: Sportgericht verurteilt VfB Lübeck zu einem Geisterspiel

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Die VfB Lübeck-Fans zünden vor dem Spiel gegen Holstein Kiel Pyrotechnik.
Die VfB Lübeck-Fans zünden vor dem Spiel gegen Holstein Kiel Pyrotechnik. © Agentur 54°
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Eine Partie auf der Lohmühle ohne Zuschauer? Dagegen zieht Grün-Weiß heute vor Gericht

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Bevor der VfB Lübeck an diesem Samstag um Punkte auf dem grünen Rasen in Rehden spielt, hat er einen weiteren – möglicherweise richtungsweisenden – Termin am Grünen Tisch in Hamburg wahrzunehmen. Um 10.30 Uhr tagt in Jenfeld das Verbandsgericht des Norddeutschen Fußballverbandes (NFV). Verhandelt wird die Berufung des VfB gegen ein Hammerurteil: Das NFV-Sportgericht hat den Grün-Weißen wegen pyrotechnischer Verfehlungen seiner Fans im Spiel in Jeddeloh nämlich nicht nur eine 2000-Euro-Geldstrafe aufgebrummt, sondern ordnete auch die „Austragung eines Geisterspiels“ an – ein Spiel auf der Lohmühle muss ohne Zuschauer stattfinden.

Schikorra am Samstag beim Verbandsgericht

„Als wir das Urteil zugestellt bekamen, konnten wir gar nicht recht glauben, was wir da lasen“, sagt Vorstandssprecher Thomas Schikorra, im Hauptberuf Rechtsanwalt, der den VfB an diesem Samstag vor dem Verbandsgericht vertreten wird. „Das Urteil ist absolut überzogen, völlig unverhältnismäßig. Es kann uns sportlich, ganz sicher aber wirtschaftlich benachteiligen. Nicht mal in der Bundesliga hat es bisher ein Geisterspiel gegeben, trotz allem, was dort teilweise auf den Tribünen veranstaltet wird.“ Schikorra, der das Zündeln der eigenen Fans wiederholt missbilligt hat, will auch nicht akzeptieren, dass laut Urteil „die Maßnahme“ bis zum 31. 12. 2019 zur Bewährung ausgesetzt worden ist. Und auch die Geldbuße will er reduziert haben.

VfB Lübeck als Wiederholungstäter?

Warum schwingt der Verband die Keule mit dieser Wucht gegen den VfB? In der Urteilsbegründung heißt es: „Zu Lasten des Vereins musste gewertet werden, das dieser im Jahre 2018 bereits nunmehr vier mal wegen gleich gelagerter Vergehen in Strafe genommen werden musste. Durch das Sportgericht ... wurde der Verein mehrfach darauf hingewiesen, dass bei erneuten Ausschreitungen durch die Fans mit Pyrotechnik mit anderweitigen Sanktionen zu rechnen ist. Das Gericht hat daher die Austragung eines „Geisterspieles“ ohne Zuschauer angeordnet.“

Vorwurf: VfB-Spieler befürworten Pyro-Einsatz

Den jetzt sanktionierten Aktionen in Jeddeloh (24.11., zünden mehrerer „Nebeltöpfe“), waren Verfehlungen von VfB-Fans (jeweils „Abbrennen von Pyrotechnik“) in Kiel (17.11.), Havelse (16.9.) und Lüneburg (Vorsaison, 13.5.) vorausgegangen. Bei dem turbulenten Derby bei Holstein II, bei dem vor allem die Hausherren negativ aufgefallen waren (Kieler Faustschläge gegen VfB-Spieler Franziskus und VfB-Co-Trainer Franta) unterstellte das Gericht zunächst sogar, die VfB-Spieler hätten sich bei den Fans für den Pyroeinsatz bedankt (im offiziellen NFV-Urteil wie folgt schriftlich sehr schräg beschrieben: „...war zu erkennen, dass die Mannschaft des VfB Lübeck fast geschlossen vor die Tribüne der Fans lief und diesen mit Applaus für dieses Handeln bedankte.“). Diese abenteuerliche Unterstellung wurde nach VfB-Intervention zurückgenommen, die 3500-Euro-Strafe auf 1750 Euro halbiert.

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Verwunderung über gerichtliches Vorgehen

„Grundsätzlich ist erstmal zu sagen, dass wir Pyrovergehen unserer Fans natürlich selbst verurteilen, wir sind da mit unserer Fanszene auch immer wieder im Gespräch“, sagt Schikorra. „Abgesehen von für Juristen teilweise irritierender Vorgehensweise des Sportgerichts, was ich hier nicht näher vertiefen will, ist doch festzuhalten, dass alle Vorfälle auswärts passiert sind. Auf der Lohmühle hat es seit Jahren keine Strafen mehr gegen uns gegeben.“

Überforderte Security und keine Videoüberwachung bei Auswärtsspielen

Auswärts aber seien die Umstände anders, erklärt er. Oft sei der Ordnungsdienst dort überfordert, unzureichend geschult und unterbesetzt, zudem fehle es meist an Videoüberwachung, durch die auffällige Fans identifiziert werden könnten. Am Samstag wird Schikorra sich in Hamburg zunächst ganz konkret um den Fall „seines VfB“ kümmern. Grundsätzlich aber wünscht er sich eine neue, unvoreingenommene Debatte mit allen Beteiligten zum Thema Pyrotechnik – und zum Thema Sanktionen.

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