11. Januar 2021 / 10:04 Uhr

Wegen Wildschwein-Problem: Bei der SG Striesen fliegen jetzt Kugeln statt Bälle

Wegen Wildschwein-Problem: Bei der SG Striesen fliegen jetzt Kugeln statt Bälle

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Die Rasenplätze an der Salzburger Straße sind von Wildschweinen total umgepflügt worden. Deswegen müssen sich die kecken Tiere jetzt vor dem Jäger in Acht nehmen.
Die Rasenplätze an der Salzburger Straße sind von Wildschweinen total umgepflügt worden. Deswegen müssen sich die kecken Tiere jetzt vor dem Jäger in Acht nehmen. © Jochen Leimert
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Die Untere Jagdbehörde hat dem Revierjäger die Genehmigung erteilt, das Wildschwein-Problem bei der SG Striesen zu bekämpfen. Die Tiere haben schon wieder neue Schäden angerichtet.

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Dresden. Wie die immensen Schäden an den Rasenflächen im Nachwuchszentrum der SG Striesen am schnellsten und günstigsten behoben werden können, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass es jetzt den Verursachern an den Kragen geht: Der für den „Jagdbogen 4a“ zuständige Revierjäger hat von der Unteren Jagdbehörde der Stadt Grünes Licht erhalten, die an der Salzburger Straße aufgetauchten Wildschweine aufs Korn zu nehmen. Bereits in der Nacht zum Montag legte sich der Stadtjäger zum ersten Mal auf dem Sportgelände auf die Lauer. Anwohner wurden zuvor von der Polizei informiert, dass es in der Nacht auf dem Sportareal schräg gegenüber vom Netto-Markt mal knallen kann.

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Der erfahrene Jäger zeigte sich von den in den letzten Tagen entstandenen Schäden bei der SG Striesen nicht groß überrascht: „Ich kenne das Problem in der Gegend. Es ist ein massives Problem, das hatte ich auch schon auf der Knappestraße, die unweit des Sportplatzes liegt. Dort war ich schon erfolgreich und hoffe, dass es auch diesmal klappt, Abhilfe zu schaffen.“ Der Weidmann, der seinen Namen wegen möglicher Anfeindungen von fanatischen Tierschützern lieber nicht im Beitrag lesen will, schätzt die im Umkreis des Niedersedlitzer Flutgrabens herumstreunende Wildschwein-Rotte auf 20 bis 30 Tiere.

DURCHKLICKEN: So sieht es bei der SG Striesen auf

An der Salzburger Straße wird der Trainingsbetrieb nach Ende der Corona-Pandemie wohl noch eine Weile nur stark eingeschränkt möglich sein. Zur Galerie
An der Salzburger Straße wird der Trainingsbetrieb nach Ende der Corona-Pandemie wohl noch eine Weile nur stark eingeschränkt möglich sein. ©

Die große Zahl schließt er aus den Schäden auf der Sportanlage sowie den Wühlnarben auf der anderen Seite der Salzburger Straße. Außerdem kann man auf dem Sportgelände neben all den Löchern viele Trittsiegel erkennen, an vielen Stellen liegt auch Wildschwein-Losung herum. Der Experte erklärt auch: „So einen großen Schaden in der Stadt habe ich noch nie gesehen.“

Wildschwein-Schäden bei der SG Dresden-Striesen

Das Problem mit den Wildschweinschäden gebe es vermehrt in Dresden. In Pillnitz, am Flughafen oder an der Stuttgarter Straße habe man damit zu kämpfen. „An der Elbe queren die Tiere aus der Heide kommend den Fluss beim Fährgarten Johannstadt, weil in der Stadt relativ wenig Jagddruck besteht. Sie verdrücken sich vor den Wölfen in der Heide, die nicht hinterherkommen. Die Schweine sind schlau“, ist der Revierjäger überzeugt.

Schießen nur bei hoher Trefferwahrscheinlichkeit

Warum die Schwarzkittel ausgerechnet das Nachwuchszentrum an der Salzburger Straße zu ihrem nächtlichen Tummelplatz erkoren haben, ist für ihn klar: „Die Tiere finden auf dem Naturrasen Würmer und Engerlinge, sie brauchen im Winter auch animalische Kost. Eiweiß ist sehr wichtig für sie. Das finden sie dort.“ Wo sie sich verstecken, das hat er schnell herausgefunden, als er mit der Striesener Geschäftsstellen-Leiterin Petra Müller eine Begehung machte.

In diesem verwilderten Gelände hinter dem Vereinsheim werden die Schwarzkittel in größerer Zahl vermutet.
In diesem verwilderten Gelände hinter dem Vereinsheim werden die Schwarzkittel in größerer Zahl vermutet. © Jochen Leimert

Die Grunznasen haben sich in dem verwilderten Nachbargrundstück direkt hinter dem Vereinshaus eingenistet. Dort wächst dichtes Brombeer-Gestrüpp, das den Schweinen Deckung bietet. „Ich habe sie am Freitag gehört“, so der Jäger, der auch eine Wärmebild-Kamera zur Ortung der ungebetenen Gäste einsetzen und nur schießen will, wenn keine Gefahr für Anwohner und eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit besteht. Es müsse auf jeden Fall gehandelt werden. „Die müssen dort nicht nur wegen der Plätze vertrieben werden. Die Eltern der im Verein trainierenden Kinder fragen sich sicher auch: Was ist, wenn mal ein Ball über den Zaun fällt und ein Kind drüberklettert, um ihn zu holen?“

Wie die Borstentiere auf die Plätze gelangen, ist auch geklärt. „Sie buddeln sich unter dem Zaun am Hartplatz durch, denn sie schlafen hinter dem grünen Metallhäuschen an der Raucherecke“, erklärt Petra Müller, die in den letzten Tagen wieder neue Schäden registriert hat.