26. Januar 2021 / 07:18 Uhr

Weggeschmissen wird nix: RB Leipzigs alte Stadionsitze machen Vereine der Region glücklich

Weggeschmissen wird nix: RB Leipzigs alte Stadionsitze machen Vereine der Region glücklich

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frohburgs Präsident André Spranger (l.) und Platzwart Sven Kunze zeigen, wo die Sitze aus der Red-Bull-Arena künftig montiert werden sollen.
Frohburgs Präsident André Spranger (l.) und Platzwart Sven Kunze zeigen, wo die Sitze aus der Red-Bull-Arena künftig montiert werden sollen. © Jens Paul Taubert
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Altes muss ja nicht immer gleich weggeschmissen werden. Das sagen sich auch die Verantwortlichen von RB Leipzig. Die in der Red-Bull-Arena ausgebauten blau-türkisen Sitze kommen nicht auf den Müll, sondern können von interessierten Vereinen übernommen werden. Zwei Clubs, die sich gemeldet haben, sind der SV Tapfer und der BSV Einheit Frohburg.

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Leipzig. Sitzplätze im Fußball? Die sind zwar irgendwie ganz bequem, aber nicht überall beliebt, mancherorts sogar verpönt. Verbreitete Meinung: Der echte Fan steht. Dennoch: Auf Leipzigs Fußballplätzen sind Sitzgelegenheiten keine Seltenheit. Mangels Überdachung steht es bei deren Beschaffenheit allerdings nicht überall zum besten. Doch Hilfe naht. Da RB Leipzig die heutige Red-Bull-Arena derzeit teilweise umbaut und vor allem neu bestuhlt, müssen rund 40.000 Sitze in den Farben blau bis türkis raus. Der Bundesligist will die Schalen nach Möglichkeit nicht entsorgen, sondern bietet sie Vereinen an. Dabei lautet das Motto: Wer zuerst kommt, malt zuerst.

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Zustand noch ganz passabel

Beim SV Tapfer, zum Beispiel, hat der Bundesligist sogar den Transport übernommen. „Wir haben 650 Sitze bekommen, RB hat sie in drei LKW-Ladungen anliefern lassen“, freut sich Steffen Hartmann, der gemeinsam mit Marcus Wittmann das Landesklasse-Team an der Torgauer Straße trainiert. „Wir wollen die Sitze an unserem Platz 1 aufbauen und gegen die alten Sitze, die schon aus der Zentralstadion-Schüssel stammten, austauschen. Außerdem planen wir auf Feld 2 einen Kunstrasenplatz, und wenn wir das Projekt realisieren können, kommen auch dorthin neue Sitze.“

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Die Zuschauer beim SV Tapfer (im Hintergrund) müssen künftig nicht mehr auf der Wiese Platz nehmen. © Sylvio Hoffmann

Genau genommen sind sie ja nicht neu, aber auf Grund der Überdachung in der RB-Arena noch in passablem Zustand. Den Kontakt zu RB stellte übrigens ein Spieler aus Tapfers zweiter Mannschaft her. Chris Jeschke ist beim Bundesligisten angestellt, wusste mithin früh von den Plänen der Bullen und hob für seinen Verein quasi den Finger. Bei Tapfer freut man sich, wie unproblematisch alles ablief. Zudem habe man von RB sogar noch eine Weihnachtsspende erhalten. „Wer ebenfalls Sitze haben will, sollte sich bei RB melden und kann dann alles absprechen“, rät Hartmann anderen Vereinen.

Auch Fans könnten künftig Sitze bekommen

Das hat auch der BSV Einheit Frohburg getan. Bürgermeister Wolfgang Hiensch (einst selbst Spieler und Präsident bei der Einheit) hatte während einer Stadionführung im Januar vergangenen Jahres vom Ausbau der Sitzgelegenheiten Wind bekommen und sich daraufhin an diverse Fan-Beauftragte sowie den Leiter Bauprojekte bei RB gewandt. Dieser hatte anschließend die Selbstabholung der sich verpackt auf Paletten befindlichen Sitze problemlos in die Wege geleitet. Seit Mitte Oktober sind 100 der türkisfarbenen Sitze wetterfest vor Ort eingelagert. Sie sollen im Frühjahr nach und nach installiert werden. Jetzt ist nur noch Geduld gefragt, bis im Amateurbereich das runde Leder wieder rollen kann und obendrein Besucher zugelassen sind.

Der BSV Einheit Frohburg nutzt den Lockdown zur Umgestaltung des Areals. Hier schneidet Platzwart Sven Kunze den Wacholder, der zum Stadionbau gepflanzt und unansehlich wurde, weg. Hier sollen ein neuer Zaun und Fahrradstellplätze entstehen.
Der BSV Einheit Frohburg nutzt den Lockdown zur Umgestaltung des Areals. Hier schneidet Platzwart Sven Kunze den Wacholder, der zum Stadionbau gepflanzt und unansehlich wurde, weg. Hier sollen ein neuer Zaun und Fahrradstellplätze entstehen. © Jens Paul Taubert

Nach SPORTBUZZER-Informationen erhielten bis dato auch die SG Lausen, der SV Wulfen und Eintracht Peißen Sitze. Wer bis dato keine ergattern konnte, muss nicht verzagen. Unter dem Kurvendach des Fan-Blocks beginnt in der Sommerpause 2021 bzw. teilweise auch schon vorher der endgültige Tausch der Bestuhlung. Knapp 6.000 Sitze weichen dann dem Sektor B und werden gegen neue Systemstühle und Rollstuhlpodeste getauscht. Der Block ist dadurch auf ca. 10.500 Plätze erweiterbar.

Und die Fans können endlich echtes Stehplatz-Feeling in der Beletage erleben. Im Anschluss werden übrigens bei allen weiteren etwas mehr als 30.000 Sitzplätzen im Stadion die Kunststoffelemente (Rückenlehne, Sitzfläche) von Blau/Türkis auf Rot getauscht. Damit auch die Fans nicht leer ausgehen, wird nach SPORTBUZZER-Informationen die Fanbetreuung mit den Anhängern in Kommunikation treten, um zu erörtern, ob auch diese Stühle erwerben wollen.

Von Frank Müller, Stephanie Riedel und Heiko Henschel