03. Mai 2021 / 22:38 Uhr

Weghorsts Weg an die ewige VfL-Spitze: Im Endspurt kommt's immer auch auf die Torjäger an

Weghorsts Weg an die ewige VfL-Spitze: Im Endspurt kommt's immer auch auf die Torjäger an

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wichtige Tore: Andrzej Juskowiak, Edin Dzeko, Grafite und Bast Dost schossen Wolfsburg schon nach Europa - jetzt kann Wout Weghorst den VfL in die Champions League schießen.
Wichtige Tore: Andrzej Juskowiak, Edin Dzeko, Grafite und Bast Dost schossen Wolfsburg schon nach Europa - jetzt kann Wout Weghorst den VfL in die Champions League schießen. © WAZ
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Der VfL Wolfsburg ist auf dem Weg in die Champions League. An den letzten drei Spieltagen kommt es dabei auch auf den Torjäger an. Und Wout Weghorst ist drauf und dran, dem besten Stürmer der Wolfsburger Bundesliga-Geschichte immer näher zu kommen.

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53 und 20: Das sind Wout Weghorsts Zahlen. 53 Bundesliga-Tore hat der Niederländer bisher für den VfL Wolfsburg erzielt, 20 davon in dieser Saison. Jetzt wird eine weitere Zahl wichtig: die 3. Denn drei Saisonspiele trennen den Tabellendritten noch von der dritten Champions-League-Teilnahme. Drei Spiele, in denen es auch auf Weghorst ankommen wird.

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Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Wenn es für den VfL um das Erreichen großer Ziele ging, waren immer auch die Top-Torjäger wichtig. Etwa 1999, als Andrzej Juskowiak mit dem Siegtreffer am vorletzten Spieltag gegen Leverkusen für den Einzug in den UEFA-Cup sorgte. Oder Grafites Treffer im Endspurt der Spielzeiten 2007/08 und 2008/09 - erst hatte er mit zwei Toren in den letzten drei Spielen seinen Anteil am erneuten Erreichen des UEFA-Cups, dann traf er ein Jahr später in der Meistersaison an den Spieltagen 32, 33 und 34 gleich fünf Mal. Fünf Jahre später war Ivica Olic Wolfsburgs treffsicherster Spieler - und erzielte am vorletzten Spieltag beim 2:1-Sieg in Stuttgart in der Nachspielzeit den Siegtreffer, der den VfL in die Europa League brachte. Eine Saison später wurde der VfL souverän Vizemeister, verlor von den letzten zehn Saisonspielen nur eines - und es war wohl kein Zufall, dass es das einzige Spiel war, in dem Top-Torjäger Bas Dost fehlte.

Die Top-Torjäger der Bundesliga-Geschichte des VfL Wolfsburg:

Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. Zur Galerie
Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

Beim 8:1 gegen Augsburg schließlich, das den VfL 2019 in die Europa League brachte, war Weghorst mit drei Treffern Spieler des Tages - drei Spieltage zuvor war sein Doppelpack beim 4:1 in Hoffenheim schon ein Wolfsburger Meilenstein im Saisonendspurt. Auf 17 Saisontore kam der Angreifer damals in seiner ersten VfL-Saison, 16 waren es in der zweiten, 20 sind es schon jetzt in seiner dritten. Immer mehr Tore - und immer wichtiger für die Mannschaft: So hatte sich das der VfL vorgestellt, als er 2018 Weghorst für rund 10,5 Millionen Euro Ablöse aus Alkmaar holte. "Er war damals einer der besten Torjäger in Holland", erinnert sich VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer. "Aber man hat gemerkt, dass er mehr will und sich immer weiterentwickeln will. Dass er noch längst nicht am Ende angelangt ist. Deswegen hat er in unser Profil gepasst, hungrige Spieler zu holen, die hier den nächsten Schritt machen wollen. Bei Wout kommt noch hinzu, dass er auch in Sachen Einstellung und Mentalität einen großen Mehrwert für die Mannschaft hat."

13 Tore fehlen noch, um Edin Dzeko einzuholen, der mit 66 Treffer die ewige Wolfsburger Bundesliga-Torjägerliste anführt. "Er ist ein unfassbar wichtiger Spieler", lobt Schäfer, "und er ist auf dem besten Weg, der beste Bundesliga-Torjäger der Vereinshistorie zu werden." Allerdings: „Ihn aber fußballerisch mit anderen VfL-Torjägern zu vergleichen, wäre nicht fair."

Es war nicht immer nur die Zahl der Tore, die Wolfsburgs Top-Torjäger ausgemacht haben. Bei Grafite und Dzeko etwa war's auch die Unberechenbarkeit ihres Zusammenspiels, bei Diego Klimowicz die fünf Jahre lange Vereinstreue, bei Dost die Qualität, mit einem Ballkontakt aus guten Ideen von Kevin De Bruyne gefährliche Momente zu machen. Bei Weghorst ist es die Arbeit gegen den Ball, das unermüdliche Anlaufen des Gegners, um ihn zu frühen Ballverlusten zu zwingen. "Wir verteidigen mit einer extrem hohen Intensität", sagt Schäfer. "So, wie die Mannschaft spielt, passt Wout perfekt rein. Und so wie Wout spielt, passt er in diese Mannschaft. Das ist eine Win-Win-Situation."

Auf Dauer? Mindestens eine Saison wird Weghorst wohl noch in Wolfsburg verbringen müssen, um Dzeko vom ewigen VfL-Torjäger-Thron zu stoßen. Bisher gibt es nur Gerüchte um einen Abschied Richtung England, beim VfL hat sich noch kein interessierter Verein gemeldet.

Und wenn der VfL die Champions League erreicht, wird er es auch wegen der Weghorst-Tore geschafft haben - ein Erfolg, an den nach den beiden Relegationsjahren 2016 und 2017 kaum zu denken war. Schäfer: "Wouts Tore und seine Entwicklung haben dazu beigetragen, dass wir uns jetzt schon die dritte Saison hintereinander im oberen Tabellendrittel bewegen. Daran hat er großen Anteil."