24. Juli 2021 / 09:25 Uhr

Weghorst will mit Wolfsburg Meister werden: "Das meine ich ernst"

Weghorst will mit Wolfsburg Meister werden: "Das meine ich ernst"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Im SPORTBUZZER-Interview: Wout Weghorst, Torjäger des VfL Wolfsburg
Im SPORTBUZZER-Interview: Wout Weghorst, Torjäger des VfL Wolfsburg © Roland Hermstein
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Wer wird Meister? "Wolfsburg" - Wout Weghorst, Stürmerstar des VfL, erklärt im großen SPORTBUZZER-Interview, warum er das so sieht - und er spricht über Ziele und eine Begnung mit Louis van Gaal.

Seit der vergangenen Saison ist er endgültig ein Bundesliga-Star – und ein beliebtes Objekt für Transfergerüchte. Im Trainingslager des VfL Wolfsburg in Österreich spricht Torjäger Wout Weghorst (28) im großen SPORTBUZZER-Interview über seine Ziele, seinen Landsmann Mark van Bommel – und natürlich seine Zukunft.

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Wer wird deutscher Meister in der neuen Saison?

Wolfsburg! (grinst) Jetzt wird überall stehen: ‚Weghorst sagt, Wolfsburg wird deutscher Meister.‘ Aber ich meine das ernst. Du musst immer nach dem Höchsten streben. Wenn du nicht daran glaubst, so etwas schaffen zu können, wirst du das auch nie schaffen. Aber klar ist auch, dass es Teams gibt, die bessere Mannschaften haben als wir.

Sie denken an die Bayern…

...unter anderem. Bayern ist wie immer der große Favorit. Aber wenn sie mich als Spieler des VfL fragen, der im letzten Jahr Vierter geworden ist: Wer wird Meister, dann sage ich Ihnen: Wir werden es! Ich glaube daran. Wenn wir alle das glauben, dann können wir Wahnsinns-Leistungen abrufen. Wenn immer alle von vornherein sagen, die Bayern werden es, dann wird es ganz sicher kein anderer Verein.

Es wartet eine Saison mit Pokal, Liga und Champions League – ist der Kader gut genug für drei Wettbewerbe?


Unser Kader ist gut, das haben wir im letzten Jahr bewiesen. Im Pokal waren wir lange dabei, in der Liga war es überragend. Und jetzt haben wir uns verstärkt, gleichzeitig hat uns kein Stammspieler verlassen. Aber klar, Champions League ist ein anderes Level, wir haben nicht so viele Spieler im Kader, die da schon gespielt haben. Aber ich bin Spieler und glaube, dass unser Management und unser Trainer genau wissen, was es braucht, um bei diesen drei Wettbewerben gut mit dabei sein zu können.

Gegen wen würden Sie gern in der Champions League spielen?

Wenn wir einen ganz Großen kriegen, dann wünsche ich mir den FC Barcelona.

Warum gerade Barca?

Ich war noch nie im Camp Nou. Und ich möchte da nur hin, wenn ich darin auch spielen darf. Das habe ich zu Freunden von mir immer gesagt.

Immer wenn der VfL Champions League gespielt hat, ist er danach in der Liga Achter geworden – wären Sie mit solch einer Platzierung in der neuen Runde zufrieden?

Nein, natürlich nicht. Wir wollen uns als Mannschaft verbessern, das wird nach der letzten Saison nicht einfach. Aber wir sind ambitioniert und wollen das auch zeigen.

AS Rom, West Ham, Tottenham – Ihr Name wird auch in diesem Transferfenster mit einigen Klubs in Verbindung gebracht. Müssen sich die VfL-Fans Sorgen machen, dass Sie in der neuen Saison nicht mehr beim VfL spielen?

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Nein, es muss sich keiner Sorgen machen. Im Fußball geht es immer weiter. Wenn jemand geht, kommt ein Neuer. Aber ich kann mich nur wiederholen: Ich fühle mich hier sehr wohl und werde sehr geschätzt. Mit der Champions League haben wir eine neue Herausforderung. Für mich wird es das erste Mal sein, darauf freue ich mich. Ich bin jemand, der immer neue Herausforderungen braucht, der immer aus seiner Komfortzone raus muss. Und jetzt haben wir mit der Champions League etwas Neues vor der Brust. Ich habe immer gesagt: Für den Klub und auch für mich persönlich ist es wichtig, dass wir die Champions League erreichen.

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Sie bleiben also ganz sicher in Wolfsburg?

Im Fußball kannst du nie sagen, was passiert. Klar gibt es Interesse von anderen Klubs, aber das ist nach drei solch erfolgreichen Jahren auch normal, denke ich.

Ist das Interesse so ernsthaft, dass Sie sich damit intensiv beschäftigen?

Natürlich beschäftigt es mich, aber noch mal: Es gibt Stand jetzt nichts Konkretes, über das ich nachdenken müsste. Ich bin hier und konzentriere mich auf die Vorbereitung mit dem Klub. Und sollte wirklich etwas kommen, was für alle Parteien gut ist, dann reden wir. So lange fokussiere ich mich auf den Fußball hier. Ich fühle mich beim VfL sehr wohl.

Mit Mark van Bommel hat der VfL einen Landsmann von Ihnen als Trainer geholt. Haben Sie seine Karriere als Spieler verfolgt?

Er war sehr ehrgeizig, ist immer drauf gegangen. Ich kannte ihn nicht, ich habe ihn jetzt ein paar Tage hier erlebt – er ist eine Persönlichkeit, ein angenehmer Mensch. Ich habe unter Bruno Labbadia und Oliver Glasner beim VfL dazugelernt – jetzt möchte ich auch von ihm etwas mitnehmen. Dinge, die mich besser machen. Aber was das sein wird, kann ich noch nicht sagen.

Der neue Trainer möchte das Team erst kennenlernen und später den neuen Kapitän bestimmen – würden Sie die Binde auch haben wollen?

Puh, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Josh Guilavogui war unser Kapitän im letzten Jahr, er hat nicht viel gespielt, aber er war trotzdem ein guter Kapitän. Ich war in Alkmaar Kapitän, das war eine Ehre. Ich glaube, die Mannschaft schätzt mich, auf dem Platz bin ich einer, der voran geht. Wenn Trainer oder Mannschaft wollen, dass ich die Binde trage, mache ich das mit aller Liebe.

Was sagen Ihnen die Zahlen 17, 16 und 20?

Das sind meine Bundesliga-Tore. Im ersten Jahr 17, dann 16 und zuletzt 20. Schöne Zahlen, ich bin zufrieden damit.

Welche Zahl wird nach der nächsten Saison dort stehen?

Ich will mich immer verbessern und gute Leistungen zeigen. Und natürlich hoffe ich, dass da irgendwas kommt, das mit einer zwei beginnt. Es wird nicht einfach, aber ich will mich immer verbessern.

Sie hatten in den vergangenen Jahre stets einen Zettel mit Ihren Zielen im Auto. Gibt es den Zettel für die neue Saison schon?

Noch nicht, aber es wird einen geben. Ich bin davon überzeugt, wenn du solch einen Zettel oft siehst, dann glaubst du noch mehr daran, dass du das, was da drauf steht, auch schaffst.

Wann haben Sie mit diesem „Ziel-Zettel“ angefangen?

Seit ich Profi bin, mache ich das so. Ich glaube halt, dass das gut ist.

Dürfen auch Freunde und Familie diesen Zettel sehen?

Mittlerweile ja. Früher war das anders, da habe ich das für mich behalten. Ich habe mich gefragt, was ist, wenn ich das nicht schaffe? Was sagen andere dann? Aber so bin ich nicht mehr. Ich setze mir jetzt Ziele, die für mich erreichbar, gleichzeitig aber auch sehr ambitioniert sind.

Gibt es für Sie ein Limit?

Ich sage immer, das wird sich später, wenn ich nicht mehr spiele, zeigen. Für mich gibt es kein Limit. Ich denke, man kann sich immer verbessern. Dafür musst du hart arbeiten, dann gehen deine Träume auch in Erfüllung.

Mit der EM-Teilnahme haben Sie sich einen Traum erfüllt.

Wenn du auf dem Platz stehst und die Nationalhymne hörst und dann noch beim Fußball, was du am liebsten machst – das war einfach super. Für mein Land zu spielen, macht mich sehr stolz. Und dann habe ich mein erstes Tor für die Nationalmannschaft gemacht und habe auch bei der EM getroffen – das sind Tage, die vergisst du in deinem Leben nie. Für solche Tage habe ich gearbeitet.

Im Gespräch: Sportbuzzer-Redakteur Engelbert Hensel mit Wout Weghorst.
Im Gespräch: Sportbuzzer-Redakteur Engelbert Hensel mit Wout Weghorst. © Roland Hermstein

Sie haben nach den Toren einen Löwen beim Jubel imitiert – jubeln Sie künftig auch in der Bundesliga so?

Ich habe das schon früher mal gemacht, als wir in der vergangenen Saison in Bremen gespielt hatten. Einen Tag vor dem Spiel bekam ich damals die Nachricht, dass ich bei der Nationalelf erneut nicht dabei sein darf. Den Jubel hatte ich schon gar nicht mehr im Kopf, aber Quincy Promes hat mir gesagt: ‚Wenn du triffst, musst du so jubeln. Das ist doch geil.‘ Und dann habe ich so gejubelt. Bei Instagram habe ich dann Bilder und Videos bekommen mit Kindern, die das nachgemacht haben.

Haben Sie geantwortet?

Ja, klar. Während der EM war es zeitlich ein bisschen schwierig, aber danach habe ich das gemacht.

Frank de Boer ist nicht mehr Bondscoach, Louis van Gaal soll erneut übernehmen. Glauben Sie, dass Sie wieder eine Chance bekommen?

Es geht nur darum, was du leistest. Das wird honoriert. Ich kenne Louis van Gaal nicht wirklich. Er war mal bei einem Spiel in Alkmaar. Ich war hinterher froh, weil ich damals zwei Tore gemacht hatte. Nach dem Spiel habe ich ihn kurz getroffen, damals hat er mir gratuliert, aber auch gesagt: ,Du musst noch viel mehr Richtung erster Pfosten laufen. Wenn du das gemacht hättest, hättest du noch viel öfter treffen können.‘ Es war ein schöner Moment für mich, ihn zu treffen, schließlich ist er ein besonders erfolgreicher Trainer. Wer weiß, vielleicht darf ich bald unter ihm spielen.

Bei der EM durften Sie nach langer Zeit wieder vor Fans spielen – mussten Sie sich erst mal wieder an die Fans gewöhnen?

Nein, mir hat das einen Boost gegeben. Ich finde, du spielst Fußball für die Leute. Du kannst Menschen damit froh machen, das macht den Fußball doch so besonders. Ich hoffe, dass die Fans in der neuen Saison wieder in die Stadien dürfen.