30. November 2020 / 13:08 Uhr

Weihrauch hat gezündet: Dynamo Dresden im Advent auf Kurs

Weihrauch hat gezündet: Dynamo Dresden im Advent auf Kurs

Caroline Grossmann und Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Dresdens Patrick Weihrauch (Nr. 10, Dresden) in der Partie gegen Hansa Rostock.
Der Dresdner Mittelfeldspieler Patrick Weihrauch belohnt sich am ersten Adventssonntag mit einem Tor gegen Duisburg. © PICTURE POINT / Sven Sonntag
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Dynamo Dresdens Mittelfeldspieler Patrick Weihrauch ist ein Gesicht der aktuellen schwarz-gelben Erfolgsserie. In Duisburg krönte er eine starke Englische Woche mit einer Vorlage und seinem ersten Treffer für die SGD. Dabei lief es in den Wochen zuvor gar nicht rund für ihn.

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Duisburg/Dresden. Das passte mal wieder: Ausgerechnet am ersten Adventssonntag zündete der Weihrauch. Mittelfeldmann Patrick Weihrauch machte beim 3:0-Auswärtssieg gegen den MSV Duisburg sein erstes Tor für Dynamo Dresden und bereitete einmal mehr einen Treffer vor. Das war der Abschluss einer glänzenden Englischen Neun-Punkte-Woche für die Schwarz-Gelben und für ihn auch ganz persönlich.

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Hatte der 26-Jährige beim 3:1-Sieg in Rostock am Wochenende zuvor Christoph Daferner und Marco Hartmann je ein Tor aufgelegt und am Mittwoch beim 2:0-Heimerfolg gegen Unterhaching erneut ein Hartmann-Tor per Freistoß eingeleitet, war im Ruhrpott wieder Daferner der Nutznießer einer Standard-Vorlage von Weihrauch – diesmal per Eckball. Um es ganz klar zu sagen: Die Personalie Weihrauch ist ein wesentlicher Bestandteil der Erfolgsserie des Fußball-Drittligisten.

DURCHKLICKEN: Dynamo in der Einzelkritik

(1) Kevin Broll: In den ersten 45 Minuten ohne Aufgabe, da der MSV keinen einzigen Abschluss generieren kann – muss sich bei 3 Grad in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena anderweitig warmhalten. Ab der 70. Minute fing er einige hohe Hereingaben aus der Luft und nahm dem MSV dadurch offensiv jegliche Gefahr. Note: 2 Zur Galerie
(1) Kevin Broll: In den ersten 45 Minuten ohne Aufgabe, da der MSV keinen einzigen Abschluss generieren kann – muss sich bei 3 Grad in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena anderweitig warmhalten. Ab der 70. Minute fing er einige hohe Hereingaben aus der Luft und nahm dem MSV dadurch offensiv jegliche Gefahr. Note: 2 ©

So richtig hat allerdings auch Patrick Weihrauch keine Erklärung dafür, warum es gerade jetzt so gut klappt: „Schwer zu sagen – die taktische Umstellung, auch mit ,Harti‘ hinten drin, dass wir uns als Mannschaft komplett wohlfühlen“, mutmaßt der gebürtige Oberbayer, dass die neue Dreierkette in Dresdens Abwehr mit Marco Hartmann als zentralem Glied eine Basis der Maximalausbeute von zwölf Punkten aus den vergangenen vier Partien ist.

Lob an gesamte Mannschaft

In der Tat: Mit 11 Gegentoren in 13 Spielen hat Dynamo die beste Defensive der Liga. „Wir verteidigen hinten super und köpfen alles raus, aber das ist immer ein Ding der gesamten Mannschaft“, sagt Patrick Weihrauch und erklärt, dass die Arbeit gegen den Ball schon an vorderster Front bei den Stürmern Christoph Daferner und Philipp Hosiner beginnt: „,Chris‘ und ,Hosi‘, wie die arbeiten vorn und anlaufen, und auch die zweiten Bälle im Mittelfeld – das ist immer ein Kollektiv. Dann merkt man auch, wie gut man hinten steht und wie wenig man hinten zulässt.“

Und was das Trio Weihrauch-Daferner-Hosiner offensiv auf dem Kasten hat, ist nicht erst seit der sonntäglichen Partie in Duisburg bekannt, auch wenn dort alle Drei einnetzten. Von Selbstbeweihräucherung ist Dresdens Top-Vorlagengeber Weihrauch nach seiner vierten Torvorlage im dritten Spiel dennoch weit entfernt: „Wenn man zu mir ,Assist-Monster‘ sagt, gehören immer noch andere dazu, die das Ding auch reinmachen. Da geht ein Lob an die gesamte Mannschaft. Sonst könnte ich auch nicht so viele Assists geben wie aktuell.“

Davor aber lief es deutlich schlechter für Dynamo und auch ihn. Die ersten Saisonspiele mit Weihrauch als offensivem Mittelfeldspieler waren sehr durchwachsen, er blieb ohne Tor und Vorlage. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen Zwickau verlor er Ende Oktober seinen Stammplatz an Marvin Stefaniak, wurde gegen Ingolstadt und Meppen spät eingewechselt. In Saarbrücken war Weihrauch über 90 Minuten zum Zuschauen verdammt, bevor er beim 2:1-Sieg gegen 1860 München wieder die komplette Begegnung mitwirken durfte. Die Denkpause hat ihm aber offenbar gut getan, denn seither blüht er richtig auf.

Jeder kann jeden schlagen

Die guten Auftritte der vergangenen Spiele krönte Patrick Weihrauch nun mit seinem ersten eigenen Treffer für die Sportgemeinschaft, den Daferner vorbereitete (55.). „Ich dachte vorher, entweder schließt er ab oder er versucht, ihn irgendwie zu mir rüberzubekommen. Das war dann kein klares Zuspiel zu mir, sondern ein bisschen glücklich, aber im Endeffekt war mir das egal. Ich habe ihn links unten reingemacht“, lässt Weihrauch die Szene zum 2:0 gegen den MSV Revue passieren.

Und er freut sich über das gelungene Zusammenspiel mit Daferner: „Man merkt, dass die Automatismen kommen, nicht nur bei ihm und mir, sondern bei der ganzen Mannschaft.“ Dynamo habe einige Schritte nach vorn gemacht in den vergangenen Wochen. Genau daran gelte es nun anzuknüpfen, so Weihrauch: „Wenn man in dieser engen Liga einen Lauf hat, ist wichtig, so lange wie möglich auf dieser Wolke zu bleiben. Wir wissen, dass jeder jeden schlagen kann. Das hat die Vergangenheit auch gezeigt. Wir müssen da weitermachen, wo wir in den letzten Spielen waren. Dann sind wir sehr schwer zu schlagen.“

Bisher war Weihrauch bei den Erfolgen seiner Teams oft nur eine Randfigur: So beim Triple-Sieg des FC Bayern 2013, als er zwar zum Kader zählte, aber ohne Einsatz blieb. Und auch vergangene Saison beim Bundesliga-Aufstieg von Arminia Bielefeld, als er zu Saisonbeginn verletzt war und dann keinen Platz mehr in der eingespielten, erfolgreichen Stammelf fand. Bei Dynamo will er nun endlich einen echten Erfolg einfahren, den er sich auch auf die eigene Fahne schreiben kann: idealerweise die direkte Rückkehr in die 2. Bundesliga. Bislang ist man auf dem Weg dorthin im Soll.

„So lange wie möglich in Erfolgsspur bleiben“

Die SGD steht seit Sonntag auf einem direkten Aufstiegsplatz, hat ein Polster von fünf Punkten Vorsprung auf Platz vier, das vorm nächsten Heimspiel am Sonnabend gegen Uerdingen Selbstvertrauen gibt. Allerdings ist Patrick Weihrauch bewusst, dass noch viel zu tun ist. Auch beim auf dem Papier klaren 3:0 bei Kellerkind MSV gab es Verbesserungspotenzial: „Wir sind nicht optimal ins Spiel reingekommen und bei den zwei Spielen davor war es so, dass wir nicht optimal aus der Halbzeitpause gekommen sind. Wir müssen es über 90 Minuten komplett hinbekommen, dass wir immer Druck draufhaben, dass immer jeder seine Aufgabe macht“, fordert der Spielmacher.

„Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es in den Spielen davor auch mal schlecht lief. Wir müssen alles dafür tun, so lange wie möglich in der Erfolgsspur zu bleiben“, mahnt Weihrauch. Dass es nur das erste von vier erfolgreichen Adventswochenenden war, wäre auch Cheftrainer Markus Kauczinski am liebsten: „Man kann keine Tore und Ergebnisse garantieren, aber wenn wir so zusammen agieren, macht das Spaß, zuzuschauen und sich aufs nächste Spiel zu freuen.“