20. November 2020 / 16:22 Uhr

Weil in der G-Jugend alles anfing: Klimowicz junior sorgt für Geldsegen in Parsau

Weil in der G-Jugend alles anfing: Klimowicz junior sorgt für Geldsegen in Parsau

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mateo Klimowicz (VFB Stuttgart) zieht ab,
Schalke 04 - VfB Stuttgart
30.10.2020, Fussball, 1. Bundesliga, Saison 2020/21

Foto: Moritz Müller / Pool
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Alles begann in Parsau: Mateo Klimowicz lief zuerst für die JSG Bergfeld/Parsau/Tülau auf (kl. Bild r.), mittlerweile ist er wie Vater Diego Klimowicz, einst Publikumsliebling beim VfL Wolfsburg, Bundesligaprofi. Klimowicz junior spielt für den VfB Stuttgart (l. am Ball). Vorn auf dem Bild zu sehen ist zudem Cousin Valentino Miliziano, der in Reislingen Fußball spielt. © Imago/Privat (2)
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Mateo Klimowicz, Sohn des ehemaligen VfL-Wolfsburg-Torjägers Diego Klimowicz, ist Mittelfeldspieler beim VfB Stuttgart. Seine Karriere begann in der G-Jugend von Germania Parsau - und das macht sich für den kleinen Klub jetzt bezahlt.

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Einst machte der Name Diego Klimowicz die Fans des VfL Wolfsburg froh, jetzt sorgt sein Sohn Mateo für Freude beim FC Germania Parsau. Denn dort erlernte Klimo junior das Fußballspielen, hat mittlerweile mit dem VfB Stuttgart auch den Sprung in die Bundesliga geschafft. Das sorgt in Corona-Zeiten für einen Lichtblick beim FC Germania. Der Verein profitiert von der Ausbildungsvergütung der Deutschen Fußball-Liga, 4200 Euro wurden auf das Vereinskonto überwiesen.

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Wie Mateo Klimowicz zum Dorfklub kam? Während seiner Profi-Zeit beim VfL hat Vater Diego mit Ehefrau Paula und den Kindern Mateo und Paloma in Parsau, damals ein 2000-Seelen-Dorf 20 Kilometer vor den Toren Wolfsburgs, gelebt. Ausschlaggebend für Parsau war der riesige Garten hinterm Haus. Ideal für Familienmensch Klimowicz, der die Abgeschiedenheit genoss. "Zu Hause", erzählte der Argentinier damals der AZ/WAZ, "will ich von Fußball nichts hören und nichts sehen. Hier will ich mich nur mit meinen Kindern beschäftigen, auf andere Gedanken kommen." Ausnahme: Über Satellit empfing er den spanischen Canal Plus, der jeden Sonntag ein Match aus der argentinischen Liga übertrug.

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"Eine angenehme Familie"

Mateo wuchs in Parsau heran, seinen ersten Spielerpass bekam er beim FC Germania. "Ich habe 2005 angefangen, habe für die JSG Bergfeld/Parsau/Tülau gespielt", erinnert sich der heutige Stuttgarter. Der FC-Vereinschef wohnte nur ein paar Häuser entfernt. "Wir waren fast Nachbarn", sagt Karl-Hermann Polle. "Wir haben oft zwischen Tür und Angel erzählt. Eine sehr angenehme Familie", erinnert sich der Parsauer, der als VfL-Dauerkartenbesitzer zunächst Diego Klimowicz in Wolfsburg und später Klein-Mateo auf dem Dorf-Sportplatz spielen sehen konnte.

Auch Vater Klimowicz schaute bei Spielen seines Sohnes oft vorbei, fragte ihn mal, ob er denn auch mal Fußball-Profi werden möchte. Mateos trockener und lustiger Konter: „Wieso werden? Ich bin doch schon einer...“ Die Anlagen erkannte auch sein erster Trainer. Dessen Namen hat der VfB-Profi sofort parat: "Fred Skusa." Und der kann sich noch gut an den Klimo-Spross erinnern: "Mateo war fünf Jahre alt, kam mit seiner Mutter zum Training. Sie fragte, ob er mitspielen könne." Das war 2005. Damals war Skusa Coach der G-Jugend der JSG Bergfeld/Parsau/Tülau. Natürlich durfte Mateo - und bereitete seinem Trainer und dem Team viel Freude, gewann hier auch den ersten Titel seiner Karriere. Mit der f-Jugend des FC Parsau wurde er Gifhorner Hallen-Kreismeister.

"Mateo hat damals schon beidfüßig gespielt, hatte eine enge Ballführung, war schnell für sein Alter, klein und wendig", so der Jugend-Coach. Und er bekam vom Fußball nie genug. Skusas Sohn Yannic kickte mit dem kleinen Argentinier damals manchmal auch nach dem Training. Meist im großen Garten von Familie Klimowicz. "Diego hatte dort zwei Jugend-Tore aufgestellt, spielte auch selbst mit den Kindern, manchmal war mit Juan Carlos Menseguez ein zweiter VfL-Profi dabei", erinnert sich Skusa an eine "ganz nette Familie. Da hatte niemand Starallüren, alle waren freundlich. Der Wahnsinn. Diego hat mich immer gefragt: 'Fred, was braucht die Mannschaft?'" Das müsse nicht sein, habe Skusa gesagt. Doch Wolfsburgs bis heute drittbester Bundesliga-Torjäger aller Zeiten (nur Edin Dzeko und Grafite trafen häufiger für den VfL) besorgte Regenjacken, Trainingsanzüge, Sporttaschen, übernahm bei Jugend-Turnieren die Siegerehrung.

Auf den Schultern seines ersten Trainers: Mateo Klimowicz und Coach Fred Skusa.
Auf den Schultern seines ersten Trainers: Mateo Klimowicz und Coach Fred Skusa. © Privat

Wechsel zum VfB Stuttgart

Im Jahr 2007 unterschrieb der Profi dann einen Vertrag bei Borussia Dortmund. Die Frau und seine beiden Kinder blieben zunächst erst einmal in Parsau wohnen. Mateo sollte das Schuljahr hier beenden. Dann verließ auch die restliche Familie das Dörfchen. Skusa: "Ich habe sie später mal in der Autostadt getroffen. Da hat mir seine Mutter erzählt, dass Mateo bei seinem neuen Verein auch mal ins Tor gehen musste. Das hat ihm nicht so gefallen."

Als Familie Klimowicz dann nach Diegos Karriere-Ende zurück nach Argentinien ging, verlor Skusa seinen einstigen Schützling aus den Augen, freute sich umso mehr, als er im vergangenen Jahr von seinem Wechsel zum VfB in der Zeitung las. "Seitdem gucke ich mir auch Stuttgart-Spiele an, obwohl das gar nicht mein Verein ist", schmunzelt der Gladbach-Fan. Auch Polle verfolgt die Karriere von Klimowicz junior weiterhin. "Wir haben uns gefreut, als Mateo zurück nach Deutschland gekommen ist."

Trotzdem kam der Geldsegen für die ersten Fußball-Schritte in Parsau für den Verein ein bisschen wie aus heiterem Himmel. "Es ist ja schon ein paar Jahre her, dass Mateo für uns gespielt hat. Da haben wir dann nicht mehr an die Honorierung gedacht", sagt der Vereinschef, dessen FC schon einmal eine Ausbildungsvergütung für Ex-Jugend-Nationalspieler Kevin Schulze (heute SSV Vorsfelde) erhalten hatte.

Der neuerliche Scheck kommt zur rechten Zeit. Denn: In Corona-Zeiten haben es die Vereine auch finanziell nicht leicht. "Wir mussten unsere Sportwoche absagen, auch der Germanen-Hallencup wird nicht stattfinden können", zählt der Vorsitzende auf. Zudem fällt durch die Halbierung der Staffeln auch die Hälfte der Herren-Heimspiele in der 1. Kreisklasse weg. "Da werden dann auch von den Zuschauern ein paar Bier getrunken, für uns als Verein sind das zusätzliche Einnahmen, die fehlen." Die 4200 Euro, die die Ausbildung von Klimowicz junior den Parsauern bringt, tun da richtig gut und sollen in die Jugendarbeit gesteckt werden.

Wohl kein Wiedersehen am vierten Advent

Das Geld ist auf dem Vereinskonto, ein Wiedersehen mit dem Jung-Profi könnte es für Parsaus Vorsitzenden am vierten Advent geben. Dann ist der Ex-Germane mit dem VfB am 20. Dezember in der Volkswagen-Arena zu Gast. "Das wäre natürlich eine tolle Sache", sagt Dauerkarten-Besitzer Polle, der aber ahnt, dass da Zuschauer noch nicht wieder erlaubt sein werden.

Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben - und so oder so: Stolz sind sie alle beim FC auf ihren Mateo, der in Parsau seine ersten Fußball-Schritte Richtung Profi-Karriere gemacht hat, und dort auch seinen ersten Titel gewann.