31. Juli 2021 / 08:00 Uhr

Weitsprung-Favoritin Malaika Mihambo über Gold-Hoffnungen, ihre Form und den Medaillen-Druck

Weitsprung-Favoritin Malaika Mihambo über Gold-Hoffnungen, ihre Form und den Medaillen-Druck

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Malaika Mihambo tritt ab Sonntag im olympischen Weitsprung-Wettbewerb an.
Malaika Mihambo tritt ab Sonntag im olympischen Weitsprung-Wettbewerb an. © Getty Images (Montage)
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In den beginnenden Leichtathletik-Disziplinen gehört Weitsprung-Ass Malaika Mihambo zu den größten deutschen Gold-Hoffnungen. Im Interview spricht sie über den Druck der Favoriten-Rolle, ihre Medaillen-Ambitionen – und eine mögliche einschneidende Regeländerung im Weitsprung.

Weitsprungweltmeisterin Malaika Mihambo startet in der Nacht zu Sonntag (2.50 Uhr, ZDF) in die Qualifikation. Die gebürtige Heidelbergerin gilt als eine der Topfavoritinnen auf den Olympiasieg. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), spricht die 27-Jährige über magische Marken, Regeländerungen und ihre Ansprüche an sich selbst.

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SPORTBUZZER: Frau Mihambo, was finden Sie besser? Mit 6,80 Metern Olympiasiegerin zu werden, oder mit ihrer persönlichen Bestleistung von 7,31 Metern auf dem Silberrang zu landen?

Malaika Mihambo: (lacht) Schwierige Frage … Einerseits sind Olympische Spiele eine Meisterschaft. Und dabei geht es darum, sich bestmöglich zu platzieren. Das wäre also ein Grund zu sagen: Ja, ich werde gerne Olympiasiegerin, auch mit einer nicht so guten Weite. Aber gleichzeitig möchte ich mein Potenzial entfalten. Und wenn ich beim Saisonhöhepunkt Bestweite springe, zeige ich, dass ich mich gut vorbereitet habe. Am Ende wäre ich mit beiden Ergebnissen sehr zufrieden.

Im Juni 2019 haben Sie erstmals die magische Marke von sieben Metern übertroffen. Wie steckt man sich danach neue Ziele?

Für mich waren die sieben Meter nie das endgültige Ziel. Mir war wichtiger zu schauen, wie weit ich die sieben Meter übertreffen kann. Von daher hat sich nichts geändert, ich bin also immer noch genauso neugierig wie 2019.

Gehen wir zur WM 2019. Da sind Sie mit 7,30 Metern persönliche Bestleistung beim Saisonhöhepunkt gesprungen. Haben Sie diese Weite in Tokio drin?


Mein physisches Leistungsvermögen ist sehr gut. Beim letzten Versuch in Stockholm wäre ich, wenn ich beim Absprung nicht so viel verschenkt hätte, bei 7,16 Metern gewesen. Ich weiß also, dass ich so gut drauf bin wie 2019. Das Einzige, was dieses Jahr nicht optimal lief, war der Anlauf. Im vergangenen Jahr bin ich mit verkürztem Anlauf gesprungen, dieses Jahr bin ich wieder zurück zum langen Anlauf. Weil man damit schneller ist, kann man viel weiter springen.

Warum ist es immer wieder so schwierig, trotz des wissenschaftlich und technisch gestützten Trainings dieses Brett perfekt zu treffen?

Das wird von vielen Dingen beeinflusst. Der Wind spielt eine Rolle, dazu Rahmenbedingungen wie das Gefälle der Anlage, der Belag. Letztendlich liegt es an uns. Nur stellen Sie sich vor: Der Anlauf ist über 40 Meter lang – und am Ende will man an diesem Brett ankommen, das 20 Zentimeter breit ist. Da reichen zwei, drei Schritte, die nicht exakt gesetzt werden, und man kommt nicht mehr optimal an.

Wäre es nicht gerechter, die Weite vom Absprung aus zu messen?

Klar, das würde es vielen Athleten und Athletinnen einfacher machen. Im Kinderbereich wird ja so gesprungen. Die höhere Kunst ist es, all das auszublenden und den Sprung perfekt aufs Brett zu bringen. Das macht den Weitsprung noch spannender.

Könnten Sie sich eine entsprechende Regeländerung in ihrem Sport dennoch vorstellen?

Es würde einiges erleichtern, deswegen hätte ich nichts dagegen. Ich habe allerdings auch immer den Ansporn, mich unter den geltenden, härteren Regeln zu messen. Auch wenn mich das manchmal den Kopf schütteln lässt, wenn ich es nicht so hinbekomme, wie ich mir das vorstelle.

Mihambo: "Mein Niveau ist sehr gut, es ist alles noch da"

Ihre Form ist zuletzt immer besser geworden. Wie kommen Sie mit dem Status der Favoritin klar?

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Jetzt, wo ich die Leistung, die ich von mir erhoffe, auch zeigen kann, gelingt mir das besser. Andererseits gibt es dieses Jahr so viele andere gute Springerinnen. Da ist es im Vorhinein schwierig zu sagen, wer jetzt die größte Favoritin ist. Es wird sich am Tag des Wettkampfes zeigen. Ich weiß: Mein Niveau ist sehr gut, es ist alles noch da. Ich muss es nur ansteuern.

Sie sind seit Jahren Leistungssportlerin: Weiß man am Vormittag eines so großen Wettkampfes wie Olympia: Heute ist mein Tag? Oder auch: Ne, heute ist er es nicht?

Ich versuche immer positiv-neutral in den Wettkampf zu gehen. Meine Grundeinstellung ist: Heute ist ein guter Tag, Du wirst das gut machen. Zu viel male ich mir aber nicht aus, weil das zu zu großen Erwartungen führen könnte. Und wenn ich mich selbst runtermachen würde, könnte das zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.