19. Oktober 2021 / 22:57 Uhr

Weltklasse schlägt Mut und Leidenschaft: RB Leipzig muss sich Paris dann doch beugen

Weltklasse schlägt Mut und Leidenschaft: RB Leipzig muss sich Paris dann doch beugen

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Marquinhos und Christopher Nkunku im Kampf um den Ball.
Marquinhos und Christopher Nkunku im Kampf um den Ball. © Picture Point
Anzeige

RB Leipzig steuert weiter auf das Aus nach der Gruppenphase der Champions League zu. Trotz eines ganz starken Auftritts unterliegt der Bundesligist 2:3 (1:1) bei Paris Saint-Germain und wartet auch nach dem dritten Spieltag der Königsklasse weiter auf den ersten Punkt. Der wäre durchaus verdient gewesen.

Paris. Der 19. ist ein goldener Oktober-Tag und taucht das schöne Paris in noch schöneres Licht. Die Stadt der Liebe zeigt sich von ihrer besten Seite - und wer ausreichend Kleingeld bei sich trägt oder gute Beziehungen in die Gastronomie unterhält, kann all das und noch viel mehr genießen. Als sich die Sonne verabschiedet und der Eiffelturm-Techniker die Christbaum-Beleuchtung des legendären Monuments anwirft, gehen die Roten Bullen im Prinzenpark-Stadion auf Arbeit. Champions-League, Gruppe A, Paris St. Germain gegen RB Leipzig.

Anzeige

Die Außenseiter aus Leipzig machen einen glänzenden Job, riechen an der Sensation, bringen sich selbst um die Früchte ihres Tuns, verlieren nach 2:1-Führung und zwei mächtigen Böcken 2:3. Tore: Kylian Mbappe (1:0/10.), André Silva (1:1/29.), Nordi Mukiele (1:2/57.), Messi (2:2/67.), Messi (3:2/74.). Am Sonnabend, 15.30 Uhr, wird wieder Fußball gespielt. RB empfängt Greuther Fürth. Jesse Marsch mit einer Aufstellung, die sich ziemlich sehr (genauer gesagt: zu 100 Prozent) am Gegner ausrichtet. Marsch bringt sieben Fußballer, deren Stärke im physisch-rustikalen Bereich liegen. Plus Peter Gulacsi, der Greifer, der Unhaltbare halten soll.

DURCHKLICKEN: Einige Bilder vom RB-Gastspiel in Paris

Schade RB Leipzig: Durch zwei Individuelle Fehler unterliegen die Roten Bullen bei Paris St. Germain mit 2:3. Zur Galerie
Schade RB Leipzig: Durch zwei Individuelle Fehler unterliegen die Roten Bullen bei Paris St. Germain mit 2:3. ©

Die Fünfer-Abwehrkette mit Nordi Mukiele, Lukas Klostermann, Willi Orban, Mohamed Simakan und Angeliño. Davor Tyler Adams, Amadou Haidara und Konrad Laimer. Freischaffender Künstler in der Offensive: Christopher Nkunku. Alleinunterhalter im Sturm: André Silva. Motto dieser Truppe: Steter Stachel in den edlen Lenden sein, Lionel Messi (152. Champions-League-Spiel), Kylian Mbappe und Co. Raum und Zeit und Ball nehmen. Problem: Auch „Co“ beinhaltet bei PSG ausnahmslos Weltklasse. Marsch kurz vorm Anpfiff: „Wir müssen mutig mit dem Ball sein, aber auch mal Ruhe reinbringen mit dem Ball - lasst uns mutig sein!“


Seine Männer gehorchen, kommen in ausverkaufter Bude zur ersten Top-Chance. Silva erobert den Ball, Nkunku setzt Laimer ein, der scheitert aus Nahdistanz an Keylor Navas. Paris macht mit, Julian Draxlers Volley geht knapp vorbei. Gegenzug, Flanke Angeliño, Kopfball Silva, Navas ist blitzschnell unten. Oui, muntere Nummer. Nächster Halt: Nah am PSG-Strafraum. Dort foult Messi Silva. Freistoß für RB? Eigentlich ja, der Schiri sagt nein. Konter, Mbappe ist allein durch. Ein Orban, ein Wackler, ein Abschluss durch zwei Beine des Pfälzers, 1:0. Kurz später sieht Orban nach Foul am Weltmeister gelb. Mbappe ausschalten? Da fängt man eher einen jungen Aal mit der eingegipsten linken Hand. RB ist weiter gut in der Partie, bleibt aktiv - und muss nach Angeliño-Freistoß den Ausgleich machen. PSG-Abwehrboss Marquinhos klärt kurz vorm 1:1. Unmittelbar danach trifft Leipzig - den Pfosten. Nach Drehschuss Silva. Dann schlägt es tatsächlich ein im Kasten der Pariser ein. Nkunku auf Angeliño, perfekter angeschrägter Pass zu Silva, 1:1 (29.). Verdient. PSG will das 2:1, Klostermann verhindert es mit rettender Grätsche. Kurz vor der Halbzeit taucht Nkunku zweimal gefährlich vor Naval auf. Pause, 1:1. RB hält glänzend dagegen, erobert Bälle, macht es insgesamt gut.

Wiederbeginn. Paris drückt, RB wehrt sich - und kontert. Nkunku bringt Angeliño ins Spiel, der flankt Vollspann in den Lauf von Nordi Mukiele. Volley, Traumtor, 2:1 für RB (57.). Haidara muss runter, Ilaix Moriba kommt. Orban hat das 3:1 auf dem Kopf, Abseits. Paris ist beeindruckt, im Stadion wird es merklich leiser. Dann unterläuft dem guten Adams ein folgenschwerer Fehler. Mbappe läuft mit Adams-Rückpass auf und davon, passt auf Messi, Gulacsi ist noch dran - 2:2 (67.). Messis 122. Tor in der Champions League. Klostermann muss verletzt raus, Josko Gvardiol kommt. Der Kroate köpfelt einen Nkunku-Freistoß einen Meter neben das Tor.

Dann legt sich Leipzig das nächste XXL-Ei ins Nest. Mbappe läuft quer durch den Strafraum, Simakan steht quer im Stall, fährt die Hand für alle sichtbar aus - Elfmeter. Den schlenzt Messi in Panenka-Manier zum Pariser 3:2 ins Netz (74.). RB bleibt stark, Silvas Schuss wird (elferreif?) geblockt. Marsch mit Dreifach-Wechsel, aber ohne Glück. Paris verschießt noch einen Foulelfmeter (Gvardiol gegen Hakimi), Forsberg trifft aus 16 Metern die Zuschauerränge, es bleibt beim 3:2. RB verlässt das Stadion erhobenen Hauptes - und kann/muss die K.o-Runde in der Königsklasse knicken.

Die Statistik zum Spiel:

Paris: Navas - Hakimi, Kimpembe, Marquinhos, Mendes - Herrera (61. Wijnaldum), Verratti, Gueye (61. Danilo) - Draxler (89. Kehrer), Messi, Mbappé.

Leipzig: Gulacsi - Klostermann (70. Gvardiol), Orban, Simakan (83. Poulsen) - Mukiele, Adams, Laimer, Angelino (83. Henrichs) - Haidara (62. Moriba), Nkunku - Silva (83. Forsberg).

Tore: 1:0 Mbappé (10.); 1:1 Silva (28.); 1:2 Mukiele (57.); 2:2 Messi (67.); 3:2 Messi (74./FE).