22. März 2019 / 07:26 Uhr

Weltklasse und Weltmeister bei Enduro-WM in Dahlen

Weltklasse und Weltmeister bei Enduro-WM in Dahlen

Haig Latchinian
Leipziger Volkszeitung
Der in Delitzsch geborene Angus Heidecke. Foto Thorsten Horn
Angus Heidecke sitzt seit 1994 auf dem Motorrad. © Thorsten Horn
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In nur drei Monaten stellte der MSC Dahlen die Enduro-Weltmeisterschaft auf die Beine. Am Wochenende heizen 260 Biker zur "MAXXIS FIM Enduro World Championship“ und der „Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft“ durch das Heidestadion Dahlen. Triefendnass und mit Schlamm bedeckt, liefern sich die Teilnehmer spektakuläre Rennen.

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Dahlen. Die ersten Rennen starten am Freitag um 17.15 Uhr im Heidestadion Dahlen. Gegen 19 Uhr sind die nationalen Fahrten für die Deutsche Meisterschaft voraussichtlich beendet. Mit Flutlicht wird die Strecke beleuchtet. Dann starten die Fahrten für die Weltmeisterschaft. Denn vom 22. bis 24. März steigt das große Enduro-Fest im nordsächsischen Dahlen mit der Kombi-Veranstaltung von „MAXXIS FIM Enduro World Championship“ und der „Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft“.

Erste WM in Dahlen - nur drei Monate Vorbereitungszeit

Hier gehen die amtierenden und ehemaligen Weltmeister mit an den Start. „Insgesamt sind um die 260 Teilnehmer angemeldet. Durch die WM fallen die Hobbyklassen in diesem Jahr weg, sind aber im nächsten Jahr wieder mit dabei“, sagt Lars Scholz, Vorsitzender des MSC Dahlen. In Dahlen wird zum allerersten Mal eine Weltmeisterschaft durchgeführt. Eigentlich hatte der Verein dies gar nicht vor, zumal eine zweijährige Vorbereitsungszeit eingeplant werden müsste. Doch letztendlich war es gerade einmal ein viertel Jahr, indem die Organisatoren die Enduro-Weltmeisterschaft auf die Beine stellen mussten. „Anfang 2018 hatte uns der Promoter angesprochen und gebeten, die WM in Dahlen durchzuführen. Damals hatten wir aus Kostengründen abgelehnt. Im Oktober trafen wir ihn wieder. Erneut bat er uns, die WM zu organisieren und im November – nach einer hitzigen Diskussion – entschieden wir uns dafür“, erinnert sich der Vorsitzende.

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Deutsche Enduro-Meisterschaft 2016 in Dahlen Zur Galerie
Deutsche Enduro-Meisterschaft 2016 in Dahlen ©

Älteste Endurotradition in Deutschland

Trotz der kurzen Zeit ist es ihnen Gelungen, die Genehmigungen einzuholen und alle weiteren Vorbereitungsmaßnahmen zu vollenden, bevor am Wochenende nun das Rennen starten kann. Um die 250 Helfer – darunter die 55 Mitglieder des MSC Dahlen sowie freiwilligen Unterstützer – sind am Wochenende eingespannt. Sie machen es mit viel Herzblut. Samstag geht es um 9 Uhr mit den Fahrten los. „Das Startprozedere wird sich voraussichtlich bis 11 Uhr hinziehen. Gegen 15.30 Uhr erwarten wir die ersten Fahrer wieder zurück. Die rund 80 Kilometer lange Strecke muss drei Mal absolviert werden. Hinzu kommen drei Sonderprüfungen: der sogenannte Extrem-, der Cross- und der Endurotest“, erklärt der Vorsitzende, der seit 1992 im Verein und seit 2011 im Vorstand ist. Zuvor wurde die Strecke von einem Trackinspector getestet. Nun hofften die Beteiligten auf viele Besucher. „Es ist die älteste Endurotradition in Deutschland, die bereits zum 60. Mal durchgeführt wird. Wir sind sehr stolz darauf und sind immer wieder gespannt, wie die Rennen verlaufen“, sagt Lars Scholz.

Schlammpartien und triefnasse Fahrer haben Tradition

Triefnasse und mit Schlamm bedeckte Fahrer, die sich spektakuläre Rennen mit souveränen Siegen liefern. So stellt man sich eine spannende Motorradmeisterschaft vor. Hierzulande ebenso, wie in allen anderen Ecken der Welt. „In der Region Dahlen war diese Motorsportart immer populär. Es waren einheimische Fahrer am Start und vertraten nach der Wende den Dahlener Motorsport-Club auch auf internationalem Geläuf. Wenige starteten sogar bei den Six days und lernten dabei andere Regionen dieser Welt kennen“, errinnert sich Andreas Richter, der ehemalige Fahrtleiter bis 1990 und derjenige, der für das diesjährige Jubiläum die Historie des Motorsports zusammengefasst hat.

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Es seien wenige Jahre nach dem Krieg gewesen, als sich eine wahre Motorradsport-Euphorie entwickelt habe. Leistungsprüfungen wurden im Jahr 1952 erstmals mit relativ hohem Geländeanteil organisiert. Im Juni 1952 wurde eine erste verbindliche Wettkampfbestimmung festgelegt. Eine Strecke musste mindestens eine natürliche Wasserdurchfahrt, eine Bergaufstrecke, zwei kurze Steilstrecken und Steilabfahrten enthalten, sowie je eine Sand-, Geröll-, Schlamm- und eine aufwärts zu fahrende Grashangstrecke. „In den 1950er Jahren wurde der Meistertitel in nur einem Finallauf ausgefahren. Diese Verfahrensweise änderte sich ab 1956. Mehrere Läufe sollten dann zu einer Bezirks- und zur DDR-Meisterschaft gewertet werden. Die Wertung basierte auf einem Punktsystem“, berichtet der ehemalige Fahrtleiter und ergänzt: „Zur wichtigsten Bewertungsgrundlage hatte sich jedoch in den letzten Jahrzehnten die gefahrene Zeit in den Sonderprüfungen etabliert. Diese wird inzwischen in Hundertsteln gemessen.“

"Ganze Kerle" auf den Bikes

Dann ging es mit dem Geländesport erst richtig los und die Zuschauer drängten sich an den Streckenschwerpunkten. Es waren ganze Kerle gefordert. „Der Motorradgeländesport der DDR, später als Endurosport bezeichnet, konnte sich über viele Jahre auf internationalem Geläuf mit den Sportlern der westlichen Länder messen und sich dabei sportlich auf hohem Niveau behaupten. Nicht zuletzt wurden die Meisterschaftsläufe im eigenen Land auf hohem, schwierigem Level durchgeführt. Sie schufen dadurch Wettkampfhärte und gute Voraussetzungen für internationale Erfolge.“ Den guten DDR-Fahrern mit den hochwertigen Maschinen gelang es, in der internationalen Spitze bei den Mannschaftsweltmeisterschaften „Six Days“ und in der Einzelwertung ab September 1963 vorzudringen. „Erstmals gelang es unseren Fahrern bei der Internationalen Sechstagefahrt im benachbarten tschechischen Riesengebirge, einen Sieg in der Trophy-Wertung einzufahren“, berichtet Andreas Richter. Der Erfolg währte fort.

Die jährlichen Veranstaltungen stellten eine echte Bereicherung für die Region dar, obwohl sie in den ersten Jahren kaum überregionale Beachtung fanden. Der Rundkurs führte durch südliche Regionen des Altkreises und rund um den Collm. Später verlagerte sich die Streckenführung der Motorradgeländefahrten auch auf das Gebiet der Dahlener Heide und des Wermsdorfer Waldes. Anfang der 60er Jahre wurde das Zentrum der Veranstaltung „Rund um den Collm“ nach Dahlen verlegt. Diese Leistungsprüfungsfahrt war am 31. März 1963 erstmals ein Lauf zur DDR-Meisterschaft, wobei Start und Ziel sich auf dem Markt Dahlen befanden und dies bis heute. Damals traten 158 Fahrer an den Start. Zweitägig wurde die Veranstaltung erstmals im April 1967 mit 552 Kilometern Fahrstrecke. Nur ein Drittel der Teilnehmer sahen das Ziel. „1996 trug man erstmals und seitdem regelmäßig einen Lauf zur Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft aus. Ein weiterer Höhepunkt war die Austragung der Internationalen 10. ADAC-Geländefahrt Rund um Dahlen am 8. und 9. März 1996 als Lauf zur Deutschen und parallel auch zur Europa-Meisterschaft“, erinnert sich der Fahrleiter und Thorsten Horn, Pressebeauftragter des MSC Dahlen ergänzt: „In diesem Jahr erleben wir nun die insgesamt 60. Geländefahrt hier sowie das 25. „Rund um Dahlen“, und zwar erstmals als Lauf zur Enduro-Weltmeisterschaft. Wir freuen uns darauf!“