06. November 2022 / 09:57 Uhr

Weltstar im Krisenmodus: Darum läuft es für Xabi Alonso als Leverkusen-Trainer nicht rund

Weltstar im Krisenmodus: Darum läuft es für Xabi Alonso als Leverkusen-Trainer nicht rund

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Holte aus vier Bundesligaspielen nur einen Sieg: Bayer-Trainer Xabi Alonso.
Holte aus vier Bundesligaspielen nur einen Sieg: Bayer-Trainer Xabi Alonso. © Getty Images (Montage)
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Bei seiner ersten Trainerstation bei Bayer Leverkusen wirkt der einstige Weltstar Xabi Alonso manchmal hilflos, manchmal überfordert. Dabei hatte allein seine Ankunft für Euphorie gesorgt. Doch inzwischen wachsen die Zweifel, ob der Spanier der Richtige für die schwierige Aufgabe beim dem Werksklub ist.

Besonders gewagt ist die Ankündigung nicht gewesen, zu der sich Xabi Alonso in dieser Woche hinreißen ließ, aber ein wenig Trost mag sie den Freunden von Bayer Leverkusen vielleicht schon gespendet haben. "Wir werden im nächsten Jahr sicher eine bessere Mannschaft sein“, sagte der Trainer der Werkself am Dienstag. Alles andere wäre allerdings auch beschämend. Denn die Leverkusener sind bislang zweifellos der größte "Underperformer“ dieser Bundesliga-Saison.

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Daran konnte bislang nicht einmal der berühmte Alonso etwas ändern, der nach acht Spieltagen den beurlaubten Gerardo Seoane ersetzte. Nach dem klaren 4:0-Sieg gegen den FC Schalke in der ersten Partie unter dem Spanier hatte Mittelfeldspieler Robert Andrich noch von der "großen Aura" dieses früheren Weltstars geschwärmt – als benötige sein Team eher die Kräfte eines Magiers als die Arbeit eines versierten Fachmanns. Ein Zauberer ist der neue Trainer aber mitnichten, und inzwischen kursieren sogar erste Zweifel an seiner Fachkompetenz.

Große Enttäuschung: Nur fünf Punkte aus sechs Spielen

Sechsmal in Folge ist Bayer 04 seit jenem Erfolg gegen den Aufsteiger aus Gelsenkirchen sieglos geblieben, 14 Gegentreffer hat die Mannschaft in dieser Phase zugelassen. Daher bezeichnete Alonso zuletzt sogar das magere 0:0 gegen den FC Brügge in der Champions League als "Verbesserung". Immerhin hatte die Mannschaft keinen Treffer hergeschenkt. Zudem erreichten die Rheinländer durch ihren dritten Platz das Sechzehntelfinale der Europa League, aber die fünf Zähler aus sechs Spielen sind eine große Enttäuschung. Noch schlechter ist nur die Ausbeute in der Bundesliga: gerade mal 0,75 Punkte pro Spiel. Die Klubführung bittet inzwischen um immer mehr Geduld, wohlwissend, dass Alonso eine Mannschaft vorgefunden hat, die nicht als Einheit funktioniert.

Niemand könne "einfach mit dem Finger schnipsen und dann geht das", sagte Sportdirektor Simon Rolfes, denn die genauen Ursachen für den Zusammenbruch sind schwer zu greifen. Vor der Saison hatte Klubchef Fernando Carro noch angedeutet, um die Meisterschaft mitspielen zu wollen, ohne verrückt zu klingen. Inzwischen wirken diese Leverkusener eher wie ein Meister der Selbsttäuschung.

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"Wir freuen uns schon auf die Auslosung und ein schönes Sechzehntelfinale“, erklärte Carro nach der Qualifikation für die K.-o.-Phase der Europa League. Da seien ja "einige Topvereine" dabei. In Wahrheit lässt sich aber kaum ein Bundesliga-Verein finden, der in den vergangenen Jahrzehnten ähnlich freudlos auf der europäischen Bühne spielte wie die Werkself während der vergangenen Wochen.

Alonso wirkt in dieser Krisendynamik manchmal hilflos, manchmal ratlos und ziemlich oft bemitleidenswert. Schließlich hat sein Team einen Marktwert von fast 470 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de). Nie hatte der Klub höhere Gehaltskosten für einen Kader, und dennoch hatte Bayer Leverkusen zuletzt vor 40 Jahren nach zwölf Spieltagen in der Bundesliga noch weniger Punkte gesammelt. Womöglich hat sich mancher nach Alonsos schönem Debüt gegen Schalke von der Idee blenden lassen, dass allein der Trainerwechsel eine Befreiung und damit eine Wende zum Guten bewirkt habe.

Hoffnungen ruhen auf Wirtz-Rückkehr

"Wird Alonso zum Guardiola-Double?", fragte die FAZ nach dem bislang einzigen Sieg des 40-Jährigen, und Rolfes sagte der Bild noch Mitte Oktober: "Glauben Sie mir: Xabi hat eine enorme Power. Das sieht man beim Coaching an der Linie, vor allem aber in jedem Training. Er ist der Mann, der bei uns das Feuer zurückbringt.“ In den Spielen ist davon aber kaum etwas zu sehen.

Nun kann niemand ausschließen, dass Stürmer Patrik Schick (zwei Saisontore) wieder anfängt zu treffen, dass Moussa Diaby seine Freude am Spiel wiederentdeckt und dass wieder Elfmeter verwandelt werden (zuletzt vier Fehlschüsse in Serie). Optimisten hoffen, dass die bald bevorstehende Rückkehr des von seinem Kreuzbandriss genesenen Florian Wirtz alles ändert und dieses zerfallende Team doch wieder zu einer funktionierenden Gruppe wird. Wahrscheinlicher ist aber, dass diese Mannschaft grundlegend erneuert werden muss und in dieser Saison nur noch ein realistisches Ziel bleibt: möglichst früh dem Abstiegskampf zu entrinnen.

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