13. Mai 2021 / 19:38 Uhr

Wenig RB Leipzig in Berlin – Fanseelen kennen keinen Schmerz

Wenig RB Leipzig in Berlin – Fanseelen kennen keinen Schmerz

Thomas Lieb
Leipziger Volkszeitung
Auch einige wenige RB-Fans waren vor Ort. 
Eine RB-Fahne vor dem Olympiastadion in Berlin. Es war die einzige dieser Größe. © Dirk Knofe
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RB Leipzig steht im DFB-Pokal-Finale, spielt am Donnerstagabend in Berlin gegen Borussia Dortmund. Aber wie viel Pokalfeeling gab es am großen Tag in der Hauptstadt? Reporter Thomas Lieb und Fotograf Dirk Knofe haben sich auf Spurensuche begeben.

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Berlin. Wie viel Leipzig steckt an diesem Pokalfinal-Tag in Berlin? Vor zwei Jahren (die Rasenballer hatten Ende Mai 2019 ihre Finalpremiere gegen die Bayern) tobte die Leipziger Fanseele auf dem Breitscheid-Platz. Die S- und U-Bahnen der Hauptstadt voll. Rot-Weiß überall. Am Donnerstag - zum zweiten Anlauf der Leipziger, den Pott nach Sachsen zu holen... Naja. Der ICE 962 nach Berlin Gesundbrunnen hat eine komplette Nachspielzeit Verspätung. Die Eisenbahn kommt aus München. Da interessiert sich keine Lederhose mehr für den Pokal. Im Zug erzählt man sich, dass zur Himmelfahrt irgendwo in Ismaning noch die Meisterschaft gefeiert wird.

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Eine riesige RB-Fahne vor dem Stadion

Auf dem Berliner Breitscheidplatz ist bestes Fritz-Walter-Wetter. 1:0 für die Borussia... Feindliche Übernahme der ehemals rot-weißen Fanzone durch BVB-Fans, wie der neunjährige Tom Holstein. Der Knabe trägt die Fankleidung dezent. Mit Stiefpapa Andreas Nickel stapft der Haaland-Verehrer aus Fulda durch die Finalstadt - ein eingelöstes Versprechen: „Wenn Dortmund ins Finale kommt, fahren wir nach Berlin“, hatte Nickel dem Sohn versprochen. Ein Leipziger ist hier am Nachmittag nicht zu sehen. Überhaupt liegt wenig Fußballfieber über der Stadt. „Schon ein bisschen traurig, aber was will man machen. Hoffen wir einfach auf ein gutes Spiel“, meint Heike Storkmann aus Hagen im Dortmunder Süden.

DURCHKLICKEN: Eindrücke des Pokalfinaltages in Berlin

Vor zwei Jahren tobte hier das Leben. Auf dem Breitscheidplatz neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stieg 2019 das RB-Fanfest. Zur Galerie
Vor zwei Jahren tobte hier das Leben. Auf dem Breitscheidplatz neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stieg 2019 das RB-Fanfest. ©

Fußball-Phrasen. Davon sind dann doch einige zu hören, wenn man ums Olympiastadion schlurft. DFB-Ordner Werner Schlag hat auch so eine parat: „Wäre doch mal schön für Leipzig.“ Findet Silvan Arndt auch. Ein RB-Fan. Der RB-Fan. Direkt am Haupttor des ehrwürdigen Stadions steht er und schwenkt, was er schon anderthalb Jahre nicht schwenkte. Die RB-Fanfahne, mit der er auch beim Fanmarsch vor zwei Jahren auf der Berliner Kantstraße vorweg stolzierte. „Das war geil damals. Der Platz hier war voller Menschen. Bayern und Leipziger eng beieinander. Und heute? Naja… Pandemie ist Pandemie. Da muss man durch und wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Der Querfurter kennt keinen Schmerz. Hält die Fahne hoch. Für seine Mannschaft. Für die Leipziger. Für die RB-Community.



Autogramme von Tim Thoelke

Aus dem Olympiastadion schallen Lautsprecheransagen. Eine ganze Kolonne Rettungswagen fahren hinein. Ordner Schlag besänftigt ein paar BVB-Anhänger, denen das Schicksal der Terminierung dieses Spieltages anzumerken war: Pokalfinale und Männertag – manche feiern die Feste, wie sie fallen. Wer am späten Abend nach Abpfiff feiern würde, war da auch am Potsdamer Platz noch nicht klar. RB-Stadionsprecher Tim Thoelke gab ein paar wenigen Autogrammjägern, was sie wollten. Viel mehr passiert auch vor dem „Ritz“ nicht.

Das Spiel schaut in diesem Pokaljahr jeder für sich. Wenn überhaupt. Die, die sich zum Anpfiff um 20.45 Uhr noch am Olympiastadion herumtreiben, sehen nix. Ist aber auch egal. Je nach Farbkombinationen der Schals um den Hals stand der Sieg ohnehin schon vorher fest. Ob auf dem Breitscheid-, Potsdamer oder Olympischen Platz.