10. August 2020 / 17:06 Uhr

Weniger Kontakt ist manchmal mehr - Wie Leipzigs Footballer mit Corona umgehen

Weniger Kontakt ist manchmal mehr - Wie Leipzigs Footballer mit Corona umgehen

Matthias Müller
Leipziger Volkszeitung
Flag Football erfreut sich im Jugendbereich großer Beliebtheit und hat sich bereits an einigen Schulen in Grünau, Gohlis und Paunsdorf etabliert.
Flag Football erfreut sich im Jugendbereich großer Beliebtheit und hat sich bereits an einigen Schulen in Grünau, Gohlis und Paunsdorf etabliert. © Matthias Müller
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Trotz der Absage des Wettkampfbetriebes durch die German Football League (GFL) herrscht bei den Leipzig Lions keine Tristesse. Der Trainingsbetrieb geht mit Hygienekonzept und wesentlich kontaktärmer weiter. Zudem sind Testspiele gegen die sächsischen Konkurrenz geplant. Auch die von Haus aus kontaktarme Form des Flag Football ist eine beliebte Alternative und wird vor allem im Jugendbereich gespielt. 

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Leipzig. Im September soll in den USA planmäßig die American Football Saison starten. Wie bei allen anderen Sportarten stellt die Coronakrise Funktionäre wie Sportler dabei vor einige Hürden. Allerdings gibt es in der Medienlandschaft kaum Zweifel daran, dass das Milliardengeschäft NFL auch eine Saison 2020 durchführen wird. Hierzulande sieht die Sache anders aus. Die German Football League (GFL) konnte bis jetzt in den ersten beiden Ligen kein Spiel veranstalten und hat die Saisons der unteren Ligen offiziell gestrichen.

Doch für die Leipzig Lions bedeutet dies keinesfalls ein verlorenes Jahr. Zusammen mit dem American Football Verband Sachsen, den Leipzig Hawks, Radebeul Foxes, Chemnitz Crusaders und den Dresden Monarchs II wurden innerhalb eines einstündigen Meetings einige Turniertage in diesem Jahr vereinbart, um den Wettkampfgedanken hochzuhalten. „Eigentlich startet die Saison im März, daher lief uns einfach die Zeit davon. Und ich bin froh, dass wir mit den Verantwortlichen der anderen sächsischen Teams und den Funktionären des sächsischen Football-Verbands so schnell eine Alternativlösung finden konnten. Unser Training geht natürlich weiter, nur um ein Drittel gekürzt, mit Hygienekonzept und wesentlich kontaktärmer“, so Sportmanager Maik Tretbar.

Flag Football als beliebte Alternative

American Football ohne Kontakt ist keinesfalls eine Neuerung. Denn das sogenannte Flag Football bietet eine Alternative, bei der man dem Gegner eine Flagge an der Hüfte entreißt, anstatt ihn umzurennen. Diese Sportart wird von Maik Tretbar bereits seit 2015 intensiv als Projekt mit dem Namen „FunFlagFootball“ vorangetrieben. Zusammen mit den Leipzig-Lions-Trainern Jule Lehmann und Jens Postler wird diese Variante gerade im Jugendbereich oft gespielt, um den Einstieg zum American Football zu erleichtern: „Beim Flag Football kommt es einfach viel seltener zu Verletzungen als in der Tackle-Variante. Und wie viel Spaß die ganze Sache macht, sehen wir besonders bei der Jugend. Ob im Verein, als Freizeitbeschäftigung oder als Schulprojekt. Die Kids können die Grundlagen schnell und einfach lernen und entdecken so die Liebe zum Spiel.“

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Derartige Projekte wurden bereits an Schulen in Grünau, Gohlis und Paunsdorf realisiert und werden nach weiteren Lockerungen der Kontaktbeschränkungen noch vorangetrieben. Denn eine gute Vereinsarbeit steht und fällt laut Tretbar mit einer ordentlichen Jugendarbeit. So soll es bei den Lions in diesem Jahr auch für die A- und B-Jugend eine Alternative zur regulären Saison geben. Denn deren Entwicklung wird schließlich auch die Ambitionen der Leipziger Regionalliga-Mannschaft beeinflussen: „Magdeburg war letztes Jahr vor uns, hatte aber dann im Aufstiegsduell gegen die Berlin Adler (Gesamt 3:65) keine Chance. Der Sprung in die oberen beiden Ligen ist enorm und für uns absolute Zukunftsmusik. Wichtig ist, dass wir den momentanen Kurs weiterfahren und kontinuierlich mit unserer Jugend und unserem Cheftrainer Bill Moore daran arbeiten. Momentan sind wir bei 60 km/h, aber wir brauchen 100! Das Fundament ist allerdings bereits gesetzt“, so der Ausblick von Maik Tretbar.

Zwar gibt es für „FunFlagFootball“ dieses Jahr noch keinen Ligabetrieb, aber zum alljährlichen „American Sports Day“ werden die Flaggenzieher auch in diesem Jahr wieder zeigen, wie man Gegner stoppt – nur gemäß 2020 ganz ohne Kontakt.