18. Februar 2022 / 11:03 Uhr

Große Trauer: Leipziger Basketballer scheidet mit 23 Jahren aus dem Leben

Große Trauer: Leipziger Basketballer scheidet mit 23 Jahren aus dem Leben

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Eine bewegende Rede und Schweigeminute für Noah Yannik Berge gab es auch bei den Chemnitzer Bundesliga-Basketballer.
Eine bewegende Rede und Schweigeminute für Noah Yannik Berge gab es auch bei den Chemnitzer Bundesliga-Basketballer. © imago images/Eibner
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Das nächste Heimspiel der Uni-Riesen Leipzig wird im Zeichen von Noah Berge stehen. Der ehemalige Co-Trainer des Basketball-Regionalligisten verstarb in der vergangenen Woche. Nach einem Unfall, der ihn vom Hals abwärts lähmte, hatte er sich für assistierten Suizid entschieden.

Leipzig. Mit dem Kopf war keiner der Sportler so richtig bei der Sache. Noch am Freitagabend verabschiedeten sich Spieler und Verantwortliche des USC Leipzig für immer von ihrem früheren Co-Trainer Noah Berge, bereits einen Tag später mussten sie in der 2. Regionalliga gegen GGZ Basket Zwickau antreten. Vor der Partie gedachten die Uni-Riesen dem gebürtigen Zwenkauer mit einer Schweigeminute. Das Endergebnis (56:73) wurde zur Nebensache. „Man hat gemerkt, dass sich die Jungs nur schwer auf Basketball konzentrieren konnten“, erklärt USC-Coach Jens Dietze. Denn am Vorabend schied Noah Berge aus dem Leben, mit nur 23 Jahren.

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Der junge Mann hatte einst bei den Uni-Riesen im Kinderbereich mit dem Basketball angefangen, schnell zeigte sich sein großes Talent und er wechselte mit 14 Jahren nach Chemnitz, um dort am Sportgymnasium auf die Schule zu gehen und bei den ambitionierten Niners das Körbewerfen zu verbessern. Nach Erfolgen in den Chemnitzer Jugendmannschaften kam 2017/18 eine Saison bei den Dresden Titans, bevor das Talent 2018 nach Jena wechselte, um an der Saale neben dem Basketball ein Lehramtsstudium zu beginnen. Im Oktober 2018 schließlich der große Schicksalsschlag: Berge wird von einer Straßenbahn erfasst und ist in der Folge vom Hals abwärts gelähmt.

24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen

Der Sachse kämpft sich trotz der schweren Situation zurück ins Leben, zieht wieder nach Leipzig, wo er beim USC als Co-Trainer anfängt und dazu ein Fernstudium in Psychologie belegt. Doch die Last der Lähmung ist offenbar zu groß, sodass Noah Berge letztlich den schweren Entschluss zur begleiteten Sterbehilfe trifft.

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Jens Dietze, der den jungen Mann regelmäßig im Training und bei den Spielen erlebte, kann die Entscheidung verstehen: „Es war unendlich schwer für ihn zu sehen, dass er seinen geliebten Basketball nie wieder ausüben kann.“ Der sonst häufig fröhlich wirkende Noah litt wohl doch sehr daran, seit seinem Unfall 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen zu sein. Auch seine ehemaligen Teams aus Chemnitz und Dresden ehrten den großen Kämpfer am Wochenende mit Schweigeminuten, beim USC soll das nächste Heimspiel am 5. März gegen Neustadt/Aisch ganz im Zeichen von Noah Berge stehen. Was genau dort passiert, soll noch in den nächsten Tagen geklärt werden. Auf jeden Fall sollen dabei möglichst große Einnahmen für die Stiftung „Wings for Life“ (Knochenmarksforschung) und den Verein „Wolfsträne“ (Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche) gesammelt werden – zwei Institutionen, für die sich Berge zu Lebzeiten engagiert hat.

Anmerkung der Redaktion: Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Bitte suchen Sie sich Hilfe. Die Telefonseelsorge erreichen Sie rund um die Uhr kostenlos und anonym unter der 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222. Die Seelsorge wird auch über einen Chat bereitgestellt.