05. März 2021 / 16:49 Uhr

Wenn der VfL Wolfsburg spielt, geht bei diesem Fan die Sonne unter

Wenn der VfL Wolfsburg spielt, geht bei diesem Fan die Sonne unter

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wenn der VfL spielt, geht bei ihm in Indien die Sonne unter: Wolfsburg-Fan Florian Gattwinkel (l.).
Wenn der VfL spielt, geht bei ihm in Indien die Sonne unter: Wolfsburg-Fan Florian Gattwinkel (l.).
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Der VfL Wolfsburg hat Fans auf der ganzen Welt. Aber wie spät ist es eigentlich bei denjenigen, wenn der Fußball-Bundesligist spielt? Und wie ist das so? Der SPORTBUZZER hört sich um - diesmal berichtet Florian Gattwinkel aus Pune in Indien.

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15 Jahre lang (von 2004 bis 2019) war Florian Gattwinkel als VW-Angestellter für die Sicherheit beim VfL zuständig. „Irgendwann hab‘ ich zu meinem Chef gesagt: Ich muss jetzt mal was anderes machen“, erzählt der 53-Jährige – und verließ Wolfsburg. Zunächst einmal für zwei Jahre. Es ging nach Portugal zu VW Autoeuropa. Das war im Januar 2019. Inzwischen jedoch lebt Gattwinkel mit seiner Frau Mayte und Hund McGyver in Pune in Indien. Dort ist er seit Ende September des vergangenen Jahres für die Sicherheit von Skoda-VW Indien und weiteren Werken des Weltkonzerns in Süd-Asien zuständig. Eine spannende Aufgabe, die Gattwinkel großen Spaß macht. Genau wie der VfL in dieser Saison, „den ich natürlich nicht aus den Augen verloren habe“, erzählt er bestens gelaunt.

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150 Kilometer von Mumbai (mit fast 30 Millionen Einwohnern die größte Stadt Indiens) entfernt, lebt und arbeitet Gattwinkel nun in Pune (5,5 Mio. Einwohner), da hat VW-Tochter Skoda ein Werk. Etwa 6.500 Flugkilometer von Wolfsburg weg, verfolgt er immer noch intensiv, was der VfL so macht. 1996, ein Jahr vor dem Bundesliga-Aufstieg des Vereins, wurde der ehemalige Polizeibeamte, der 1991 nach Wolfsburg kam, zum Fan des Klubs. Wie ihn das VfL-Fieber packte, weiß er gar nicht mehr so genau: „Ich bin mit einem Freund da mal hingegangen. Und später, als unser Sohn geboren war, hab‘ ich angefangen, ihn mitzunehmen. Die Liebe ist einfach immer größer geworden.“

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Als er VfL-Fan wurde, spielte das Team noch im Stadion am Elsterweg, später fieberten sein Sohn und er in der Arena mit. Jetzt macht er das in Indien vorm TV, meist zusammen mit seinem Kollegen Sébastien Biart. Ein Belgier, der, genauso wie er, zuvor in Wolfsburg gearbeitet hatte. „Ebenfalls ein glühender VfL-Fan“, so Gattwinkel. „Wir gucken die Spiele immer zusammen.“ Der Ablauf ist fast immer gleich: Trikot anziehen, dann ein, zwei Bier, Grill anschmeißen – und ab geht‘s vor den TV. Was ihn freut: Der VfL spielt in den nächsten Wochen fast immer zur klassischen Bundesliga-Zeit am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr. Gattwinkel: „Für uns ist das die beste Zeit. Wir gucken dann hier abends um 20 Uhr Fußball – bei Sonnenuntergang.“ Gattwinkel versucht, kein Spiel zu verpassen. Stehen für die Wolfsburger, wie am Mittwoch im Pokal in Leipzig, Abendspiele an, „ist das schon hart, dann ist‘s bei uns 1 Uhr in der Nacht. Ich schlafe dann vor, schließlich muss ich ja morgens wieder zur Arbeit."

Der ehemalige VfL-Sicherheitschef wohnt mit seiner Familie in einem Hochhaus, in dem viele ausländische Mitarbeiter ihr neues Zuhause gefunden haben. Und in den eigenen vier Wänden kann Gattwinkel schon mal richtig aus sich herausgehen, wenn die Wolfsburger spielen. „Als Sicherheitsbeauftragter war ich im Stadion zwar immer dabei, aber letztendlich konnte man das Spiel nicht so intensiv verfolgen wie jetzt, weil ja fast immer was war. Dann musste das halt geklärt werden.“ Aber nun könne er einfach nur vorm TV sitzen - und genießen. „Ich schreie manchmal den Fernseher an, so dass meine Frau schon mal sagt: ,Die Spieler hören dich nicht.' Aber ich gehe halt voll mit“, beschreibt Gattwinkel, der den Kontakt zum Klub nicht verloren hat. Mit Michael Schrader (Fan-Beauftragter), Thomas Franke (Leiter Infrastruktur und Organisation beim VfL) oder Kristian Mallon (Gattwinkels Nachfolger beim VfL als Sicherheitschef) tausche er sich regelmäßig aus.

„Ich freue mich für alle beim VfL, dass es für den Verein in dieser Saison so gut läuft. Ich verfolge die AZ/WAZ im Internet, lese alles, was man so über den VfL lesen kann. Und wenn ein Dietmar Hamann von Sky wie vor kurzem die Mannschaft lobt, dann tut einem das als Fan schon richtig gut“, schwärmt Gattwinkel vom Tabellendritten der Bundesliga. Seine Lieblingsspieler sind Top-Torjäger Wout Weghorst, Abwehr-Shootingstar Maxence Lacroix und Linksverteidiger Paulo Otavio. Gattwinkel: „Wie schnell er ist, ist schon top. Generell muss man sagen: Der VfL spielt einfach eine geile Saison.“