25. Februar 2021 / 21:32 Uhr

Wenn der VfL Wolfsburg spielt, gibt's in Ohio einen Jägermeister

Wenn der VfL Wolfsburg spielt, gibt's in Ohio einen Jägermeister

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bei ihm läuft der VfL zum Frühstück: Wolfsburg-Fan Michael J. Wherly (l.) mit seinem Sohn Jacob in Acron/Ohio.
Bei ihm läuft der VfL zum Frühstück: Wolfsburg-Fan Michael J. Wherly (l.) mit seinem Sohn Jacob in Acron/Ohio.
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Der VfL Wolfsburg hat Fans auf der ganzen Welt. Aber wie spät ist es eigentlich bei denjenigen, wenn der Fußball-Bundesligist spielt? Und wie ist das so? Der SPORTBUZZER hört sich um - diesmal berichtet Michael J. Wherley aus Ohio in den USA.

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Michael J. Wherley ist manchmal ein abergläubischer Mensch. Wenn der VfL Wolfsburg spielt, müssen die Abläufe stimmen. Rund um den Fernseher werden Schals und Trikots drapiert, per Youtube laufen "Immer nur du" und "Grün-Weiß, VfL" zur Einstimmung. Dann, auch das gehört dazu, gibt es einen Jägermeister für den glühenden VfL-Fan. Am Samstag, wenn Wolfsburgs Fußball-Bundesligist gegen Hertha BSC spielt, wird die Stunde vor dem Anpfiff wieder genau so ablaufen. Und nebenbei wird sich Wherley um das Frühstück kümmern. Denn für ihn beginnt die Partie bereits um 9.30 Uhr. In Acron (Ohio) in den USA.

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Mal am Freitag, oft am Sonntag, eher selten am Samstag - der VfL hat in dieser Saison schon zu allen möglichen Zeiten Spiele absolviert. Jetzt aber beginnt eine neue Kontinuität: Gleich sechsmal in Folge treten die Wolfsburger zur "echten" Bundesliga-Zeit an, am Samstag um 15.30 Uhr. Für uns der Anlass, in einer kleinen Serie mal VfL-Fans in aller Welt zu fragen: Wie spät ist es eigentlich bei euch, wenn der VfL spielt? Und wie ist das so?

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"Es ist auf jeden Fall besser als Spiele am Freitagabend oder unter Woche", so Wherley. "Denn dann ist es hier Nachmittag, und ich bin noch bei der Arbeit. Ich mache dann immer mein Handy aus, schaue nicht ins Internet und schaue mir dann das VfL-Spiel daheim als Re-Live an." Der Stadtteil, in dem er lebt, heißt Green, früher arbeitete er mal beim Lokalradio "106,1 The Wolf" mit, irgendwie wies das alles schon in die Richtung der grünen Wölfe, wie er heute schmunzelnd meint. Richtig gepackt hat es ihn dann, als er mit seinen Söhnen 2016 im Fernsehen den Wolfsburger Sieg gegen Real Madrid gesehen hat. Seitdem ist er glühender VfL-Fan, war zweimal in Deutschland, war unter anderem beim 8:1 gegen Augsburg 2019 in der VW-Arena - und lernt für den VfL sogar Deutsch, nimmt Unterricht. "Beim nächsten Besuch in Wolfsburg will ich nur noch Deutsch reden", hat er sich vorgenommen. Und: "Ich lese online schon jetzt viel über den VfL auf Deutsch, auf der Homepage des Vereins, im AZ/WAZ-Sportbuzzer, auf der Bundesliga-Seite. Ich bin eigentlich immer auf dem Laufenden."

Der nächste Wolfsburg-Besuch hätte eigentlich genau jetzt erfolgen sollen - rund um seinen 53. Geburtstag am Freitag. Doch Corona macht das unmöglich, auch eine große Feier wird's nicht geben. "Man muss sich nur einmal vorstellen, was in einem vollen Stadion in Wolfsburg los wäre. So wie die Mannschaft spielt, würde die Nordkurve explodieren. Es ist wahnsinnig traurig, dass gerade jetzt keine Zuschauer da sein können, mir bricht es manchmal das Herz."

Wichtiger als sein Geburtstag ist ohnehin das Spiel am Samstagvormittag. "Manchmal schaut mein Sohn vorbei, manchmal guckt meine Frau Dana ein bisschen mit. Aber meistens schaue ich allein. Das ist ganz gut, weil mich dann niemand schreien und fluchen hört..." Obwohl: "Zum Fluchen gibt es ja schon seit Wochen keinen Grund mehr, die Mannschaft spielt toll. Sie laufen, sie geben nicht auf, sie arbeiten - das ist das, was diesen Sport und diese Liga für mich ausmacht." Idealerweise auch gegen Hertha, wenn Wherley (der mittlerweile zwei VfL-Tattoos auf dem Arm und dem Schulterblatt hat) wieder bei Sandwich und Obst vorm Fernseher sitzen wird. "Die späten Samstagsspiele, die bei uns dann zur Mittagszeit starten, sind mir eigentlich fast noch ein bisschen lieber. Dann kann ich mir nach dem Aufstehen erst einmal die anderen Bundesliga-Partien anschauen, ehe dann das VfL-Spiel der Höhepunkt ist. "

ESPNplus überträgt alles, Wherley schaut so viel er kann. "Seit ich VfL-Fan bin, gucke ich eigentlich immer weniger US-Sport", sagt der Mann aus der Heimat von NBA-Superstar LeBron James, "dafür weiß ich aber ganz genau, wie spannend gerade auch die 2. Liga in Deutschland ist. Bundesliga-Fußball ist eigentlich zu meiner einzigen Sport-Leidenschaft geworden." Und was traut er dem VfL für den Rest der Saison zu? "Mit der Meisterschaft wird's eng", sagt er lachend, "aber wenn wir Hertha schlagen, dann glaube ich weiter an einen Platz in den Top Vier!"