12. März 2021 / 13:52 Uhr

Wenn der VfL Wolfsburg spielt, ist dieser Fan gerade erst aufgestanden

Wenn der VfL Wolfsburg spielt, ist dieser Fan gerade erst aufgestanden

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wenn der VfL spielt, ist er gerade erst aufgestanden: Wolfsburg-Fan Axel Sobottka (r.) mit Kumpel Juan Gonzalez.
Wenn der VfL spielt, ist er gerade erst aufgestanden: Wolfsburg-Fan Axel Sobottka (r.) mit Kumpel Juan Gonzalez. © Privat
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Der VfL Wolfsburg hat Fans auf der ganzen Welt. Aber wie spät ist es eigentlich bei denjenigen, wenn der Fußball-Bundesligist spielt? Und wie ist das so? Der SPORTBUZZER hört sich um - diesmal berichtet Axel Sobottka aus Puebla in Mexiko.

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Mehr als 40 Jahre fiebert er schon mit dem VfL Wolfsburg, seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 ist er Dauerkarten-Besitzer - und seit eineinhalb Jahren verfolgt Axel Sobottka die Fußballspiele der Mannschaft von Trainer Oliver Glasner von Mexiko aus. Wie das kommt, ist einfach zu erklären: 2019 hatte er sich zusammen mit seiner Frau Carola dazu entschieden, dem Volkswagen-Werk in Wolfsburg den Rücken zu kehren und als Leiter für internationale Logistik bei Audi Mexiko einzusteigen. Aber nur für zwei Jahre. Ende August kommt Sobottka zurück und würde sich freuen, "wenn wir dann wieder international spielen".

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Bis zu einer möglichen Europapokal-Teilnahme des VfL ist es aber noch ein weiter Weg. Zehn Spieltage, zweieinhalb Monate oder um es in anderen Worten auszudrücken: Noch ganz oft muss Sobottka vor dem Fernseher Daumen drücken. Denn der Besuch eines Heimspiels in der VW-Arena ist für den VfL-Fan gleich doppelt schwierig: Zum einen sind wegen der Corona-Pandemie ohnehin keine Zuschauer vor Ort zugelassen, zum anderen müsste Sobottka rund 9500 Kilometer Luftlinie zurücklegen - pro Strecke. So weit ist sein aktueller Wohnort Puebla, eine 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt südöstlich der Hauptstadt Mexiko City, von Wolfsburg entfernt. Dennoch gefällt es ihm fernab seiner Heimat: "Die Mentalität der Menschen ist besonders hier, die sind total lieb, hilfsbereit und offen."

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Obwohl der 56-Jährige so weit weg ist, entgeht ihm kein Spiel - doch dafür muss er sich den Wecker oft schon ziemlich früh stellen. Denn wenn die Wolfsburger zur klassischen Bundesliga-Zeit am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr spielen, ist es bei ihm gerade einmal 8.30 Uhr morgens, sprich sieben Stunden früher. Aber für seinen Herzensklub würde er auch noch eher aufstehen, wenn der VfL beispielsweise mal an einem Sonntag um 13.30 Uhr deutscher Zeit (6.30 Uhr in Mexiko) ranmüsste. Nur eine Anstoßzeit gefällt ihm nicht so sehr: "Wenn der VfL am Freitagabend spielt, ist es bei mir mittags. Dann kann ich das Spiel leider nur per Live-Ticker von der Arbeit aus verfolgen."

Meist schaut er daheim allein, schließlich steigen die VfL-Partien oft sehr früh. Was ihn aber nicht hindert, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. "Das Fernsehzimmer ist gegenüber vom Schlafzimmer, dann muss meine Frau mich bei einigen Aktionen schon bremsen", erzählt der langjährige Wolfsburg-Fan, der seit 1988 VfL-Mitglied ist, lachend. Manchmal guckt auch sein Freund Jens Beer aus Rühen mit, der mit Sobottka in Mexiko ist und bei Audi Mexico als Logistik-Planer arbeitet. "Das 11-Uhr-Spiel unserer Zeit, also 18 Uhr deutscher Zeit, in Leverkusen haben wir bei mir geschaut, danach haben wir direkt den Grill angeschmissen", berichtet Sobottka schmunzelnd. Oder er tauscht sich mit Kumpel und VfL-Fan Juan Gonzalez, den er 2019 im AOK-Stadion kennengelernt hatte, zu Wolfsburger und mexikanischen Fußball-Themen aus.

USA, Südafrika, Portugal und jetzt Mexiko - Sobottka ist aus beruflichen Gründen schon viel rumgekommen, hat teilweise für mehrere Jahre in anderen Ländern gelebt. Das habe ihm beim Einleben geholfen, "aber Corona schränkt uns hier natürlich auch ziemlich ein", sagt er. Und die spanische Sprache bereite ihm "ein kleines Problem". Doch das stört ihn nicht, zu gern ist er beruflich unterwegs. Und: "Die grün-weißen Farben sind überall hin mitgereist", betont der Isenbütteler stolz. Was nie fehlen darf: Seine große Zaunfahne, "die ist aber nur bei Spielen im Einsatz". Dann wird sie rausgeholt und aufgehängt - Tradition. Ein Heimat-Gefühl für Sobottka, der lange Zeit in der Nordkurve mitfieberte und inzwischen normalerweise jedes Heimspiel von Block 62 in der VW-Arena aus verfolgt. "Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Platz mal frei war. Vielleicht ein- oder zweimal.“

Nun ist er schon seit einem Jahr frei - nicht wegen seines Ausland-Aufenthalts, sondern wegen Corona. Sonst wäre Sobottka das eine oder andere Mal sogar aus Mexiko nach Wolfsburg zum Spiel gekommen, "wenn es sich vereinbaren ließe", sagt Sobottka. Gerade jetzt, wo es beim Tabellendritten so gut läuft, wäre er natürlich gern dabei. Aber auch ohne Stadion-Atmosphäre sagt er: "Ich genieße es, dass der VfL mal wieder oben steht."

Sowohl von den Leistungen der Mannschaft als auch von der Klub-Führung ist er begeistert. "Die Strategie von Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer ist positiv. Und ich war von Anfang an ein Fan von Trainer Oliver Glasner. Ich habe immer daran geglaubt, dass es funktioniert." Und das tut es, trotz der beiden Pflichtspiel-Niederlagen zuletzt im Pokal bei RB Leipzig und in der Liga bei 1899 Hoffenheim. Sobottka ist sich sicher: "Ich glaube, wir werden es in den internationalen Wettbewerb schaffen. Die letzte Woche wird uns nicht zurückwerfen."