28. Mai 2021 / 15:01 Uhr

Wenn die Bornaer Bullen auf Tour gehen, werden Steaks und Roster nachts gebraten

Wenn die Bornaer Bullen auf Tour gehen, werden Steaks und Roster nachts gebraten

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Die Bornaer Bullen fahren häufig zu Auswärtsspielen. Das bedarf guter Organisation.
Die Bornaer Bullen fahren häufig zu Auswärtsspielen. Das bedarf guter Organisation. © privat
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der 16. Folge erzählt Tom Löbel von den Bornaer Bullen, wie man am besten Auswärtsfahrten organisiert und ein perfektionistisches System dafür aufbaut. Denn normalerweise sind er und seine Mitstreiter dauerhaft auf Achse.

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Leipzig/Borna. Fanclub-Leben heißt mehr, als Anspruch auf eine vergünstigte Dauerkarte zu haben. Bei den Bornaer Bullen sogar viel viel mehr. In ihrem absoluten Highlight-Jahr reihte sich eine Aktivität an die nächste. 17 waren es am Ende insgesamt. Tom Löbel, Vorsitzender des OFCs von RB Leipzig sagt lachend: „Einigen dürfte die Pandemie doch recht gelegen gekommen sein. Nach 2019 war das eine oder das andere Mitglied sicherlich aus der Puste.“

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„Anfangs noch betteln, dass die Leute mitkommen“

Denn die 17 geplanten und durchgeführten Aktionen waren längst nicht die einzigen Termine im prall gefüllten Kalender. Allein schon die 17 Heimspiele von RB kamen zusätzlich oben drauf und verdoppelten das Programm quasi. „Das sind dann immerhin 34 Aktivitäten in einem Jahr gewesen“, so Löbel. Damit absolvierten die Bornaer Bullen ihre ganz eigene Bundesliga in diversen Fan-Disziplinen.

Mehr aus der Serie

Um die regen Unternehmungen so reibungslos wie möglich zu gestalten, braucht es eine gute Organisation. „Das ist wie ein zweiter Job. Und wir haben alle ja noch nebenbei unsere Arbeit.“ Wenn keine Corona-Pandemie das Fanleben einschränkt, fahren die Bornaer RB-Anhänger zu sechs Auswärtsspielen pro Saison. „Wir organisieren selbst einen Bus und die Tickets beim Gastgeber-Verein.“ Löbel selbst ist seit 2014 daran beteiligt, zusammen mit dem aktuellen Kassierer des Fanclubs, Harald Gohlke. „Anfangs mussten wir noch betteln, dass die Leute mitkommen. Mittlerweile gilt aber die Regel ‚Wer zuerst kommt, mahlt zuerstʻ. Wenn die Fahrt ausverkauft ist, ist sie nun mal ausverkauft.“



In der AG Auswärtsfahrt hat jeder seine Aufgabe

Der Fanclub hat extra eine Arbeitsgruppe namens AG Auswärtsfahrt ins Leben gerufen. „Die Organisation ist anfangs immer an denselben Leuten hängengeblieben. Ich kümmere mich um das Ticketing, der Kassierer darum, dass jeder, der mitfährt, Ticket und Fahrkarte im Vorfeld bezahlt. Zudem gibt es Leute, die Getränke und Verpflegung besorgen. Sie stellen sich dann nochmal in der Nacht vor der Fahrt hin und kochen das Essen. Wir machen meistens Steaks und Roster, die vorgebraten werden müssen. Jedes Mitglied hat in der AG seine Aufgabe. Hinter diesem System steckt richtiger Perfektionismus.“

Die Reise gehe dann meistens früh morgens zwischen sechs und sieben Uhr los. Drei der sechs jährlichen Fahrten stehen im Vorfeld fest: die Spiele beim VfL Wolfsburg, bei Hertha BSC und Union Berlin. „Das sind die nächstgelegenen Orte“, erklärt Löbel die Auswahl. Die anderen drei dürfen die Mitglieder bei einer Abstimmung festlegen. Dabei gehe es meistens nach München, oftmals nach Dortmund, aber auch in Paderborn waren die Bornaer Bullen inzwischen. „Wir haben viele Stadien in der Bundesliga, in der 2. Bundesliga und in der 3. Liga gesehen.“

Besuch beim Ehrenmitglied in Kopenhagen

Eine solche Fahrt ging im vollgepackten Jahr 2019 auch über die Grenzen Deutschlands hinaus, genauer gesagt nach Kopenhagen, zu Fanclub-Ehrenmitglied Dominik Kaiser. Dr spielte zu dieser Zeit für den Bröndby IF. „Wir haben Kontakt mit ihm aufgenommen und ihm gesagt, dass wir ihn gerne besuchen und eines seiner Spiele sehen würden. Wir sind mit 23 Personen dann hingeflogen. Dominik hat für uns VIP-Tickets organisiert und wir konnten uns das Spiel zwischen gegen Randers ansehen, was Bröndby 2:1 gewonnen hat“, erinnert sich Löbel. Nach dem Spiel sei Kaiser noch für eine Gesprächsrunde und Fotos zum Hotel gekommen, in dem die Bornaer Bullen untergebracht waren. „Er hat uns sein Trikot vom Spiel mit seiner Unterschrift und seine Fußballschuhe geschenkt.“

2019 statteten die Bornaer Bullen ihrem Ehrenmitglied Dominik Kaiser einen Besuch in Kopenhagen ab.
2019 statteten die Bornaer Bullen ihrem Ehrenmitglied Dominik Kaiser einen Besuch in Kopenhagen ab. © privat

Nach dem Besuch in Dänemarkt ging es für den Fanclub Schlag auf Schlag weiter. „Eine Woche später sind wir nach Nürnberg zum Auswärtsspiel gefahren. Zwei Wochen darauf waren wir auf Schalke, danach kam das DFB-Pokalfinale. Wir waren mit über 60 Personen in Berlin. Vor dem Spiel haben wir dort noch eine Bootsfahrt gemacht und hatten einen schönen Tag. Leider ist das Spiel nicht so gut für uns ausgegangen. Aber so ist es nun mal: Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen.“

Auch für andere da

Die Fans aus Borna haben 2019 aber nicht nur für sich selbst Abenteuer organisiert. „Beim Heimspiel gegen Mainz 05 haben wir die Geschwisterkinder krebskranker Kinder von der Elternhilfe Leipzig eingeladen. Wir haben den Kids die Tickets besorgt, ihnen Essen und Trinken spendiert und dafür gesorgt, dass sie einfach mal einen schönen Nachmittag hatten. Das Spiel haben wir 8:0 gewonnen. Danach waren sie voller Euphorie und sehr glücklich. Eine gute Abwechslung zum tristen Alltag, den sie normalerweise haben.“

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Zu den ganzen Auswärtsfahrten, Heimspielen und Aktivitäten abseits vom Fußball veranstalten die Bornaer Bullen normalerweise ein Sommerfest, eine Weihnachtsfeier und natürlich Mitgliederversammlungen. Aber: „Seit Corona sind wir aus unserem Vereinsleben herausgerissen worden. Es ist von 100 auf 0 runtergegangen“, so Löbel. „Es findet nur noch der Austausch über unsere WhatsApp-Gruppe statt. Da hört man raus, dass sich viele die Normalität zurück ersehnen: Sie wollen raus, ins Stadion, auf Auswärtsfahrt, sie wollen wieder Aktivitäten im Verein. Dafür haben wir uns schließlich gegründet. Am Ende sind wir wie eine Familie. Die Leute, die man sieht, hat man eben gerne um sich herum. Aus diesem Vereinsleben sind sehr viele Freundschaften entstanden.“