15. April 2021 / 19:00 Uhr

Wenn der eigene Traum platzt: RB Leipzigs Coach Nagelsmann weiß, wie sich das anfühlt

Wenn der eigene Traum platzt: RB Leipzigs Coach Nagelsmann weiß, wie sich das anfühlt

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
MOENCHENGLADBACH, GERMANY - OCTOBER 31: Leipzig's head coach Julian Nagelsmann looks ahead of the Bundesliga match between Borussia Moenchengladbach and RB Leipzig at Borussia-Park on October 31, 2020 in Moenchengladbach, Germany. (Photo by Sascha Steinbach - Pool/Getty Images)
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann musste seinen eigenen Traum von einer Karriere im Profifußball früh aufgeben. © 2020 Getty Images
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Im zarten Alter von 20 Jahren musste RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann den eigenen Traum vom Profifußball aufgeben. Nach einer Meniskusverletzung und zwei anschließenden Operationen kam er nicht mehr in Schwung, gab er im Interview beim virtuellen Rundgang durch das RBL-Gelände zu.

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Leipzig. RB Leipzig lässt sich Einiges einfallen, um seinen Fans trotz Corona nahe zu sein. So auch beim Event „Inside RBL“ am Mittwoch, wo unter anderem Stadionsprecher Tim Thoelke mit Cheftrainer Julian Nagelsmann über die Nachwuchsarbeit am Cottaweg und die Ansprüche der Roten Bullen in der Bundesliga und im DFB-Pokal sprach. Fans, die sich mit auf den Rundgang durch die RB-Akademie am Cottaweg begaben, konnten Fragen stellen.

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Meniskus- und Knorpelschaden

Dabei interessierte sich ein Anhänger besonders für Nagelsmanns Karriereende als Spieler. „Es hat mich schon emotional getroffen. Du investierst im Jugendalter extrem viel für deine Karriere, hast die Schule neben diesem Leistungssport, musst auf viel verzichten, kannst wenig drumherum machen, machst im Prinzip nie Ferien. Du setzt alles auf eine Karte, die dann nicht funktioniert und der Traum schwindet. Ich habe realisieren müssen, dass ich zu viele Verletzungen habe, um ein solche Karriere, wie ich sie mir vorgestellt habe, einzuschlagen“, bedauerte der Bullen-Coach. Nach einem Meniskus- und Knorpelschaden musste er 2007 im Alter von 20 Jahren seine Karriere.

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Doch im Endeffekt sei es für ihn die richtige Entscheidung gewesen, etwas ganz anderes zu machen: „Ich habe mich einem Studium gewidmet, das mit dem Sport nichts zu tun hatte. Nach dem Vordiplom in Betriebswirtschaftslehre habe ich aber festgestellt, dass das nicht meine Welt ist. Der Fußball war nach wie vor, das, wo ich mich am wohlsten fühlte.“ Glücklicherweise habe ihn damals sein alter Trainer beim FC Augsburg (Thomas Tuchel, d. Red.) als Co-Trainer haben wollen. „Ich habe schnell erkannt, dass es mir Spaß macht, mit dem Team auf Ziele hinzuarbeiten und junge Spieler zu entwickeln, die den Traum vom Profifußballer, der mir ja genommen wurde, noch haben.“



„Grundsätzlich war ich schon talentiert“

Die Betreuung der Augsburger Jugend habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er beim Trainerjob geblieben sei, so Nagelsmann. „Stand heute kann ich diesen Job etwas erfolgreicher machen, als ich wahrscheinlich als Spieler gewesen wäre.“ Würde er dennoch etwas ändern, wenn er in die Vergangenheit zurückreisen könne, wollte eine Anhängerin wissen. Die Antwort: Ja. Der heute 33-Jährige würde seine damaligen Verletzungen gern ungeschehen machen. „Ich konnte neun Monate nicht joggen und spielen. Das war gerade so im Übergang von der Jugend in den Herrenbereich. Das war dann der Killer, das mein Körper nicht mehr so richtig in Schwung gekommen ist.“

Die Operationen, denen er sich damals unterzogen habe, würde er mit seinem aktuellen Wissen nicht noch einmal in Kauf nehmen, sagte der Coach. „Ich hätte vielleicht dann noch eine Chance auf eine Profikarriere gehabt.“ Ob es für den ganz großen Werdegang gereicht hätte? Unklar. „Grundsätzlich war ich schon talentiert. Es kommen ja immer einige Komponenten hinzu, die man selbst nicht komplett beeinflussen kann.“ Sein Erfolg als Trainer lässt sich dagegen kaum abstreiten.