22. Juli 2019 / 14:59 Uhr

Wer ist Emanuel Buchmann? Deutschlands neue Tour-Hoffnung im Porträt

Wer ist Emanuel Buchmann? Deutschlands neue Tour-Hoffnung im Porträt

Tom Mustroph
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der junge Deutsche Emanuel Buchmann (M.) fuhr in den Pyrenäen vielen anderen Mitfavoriten davon.
Der junge Deutsche Emanuel Buchmann (M.) fuhr in den Pyrenäen vielen anderen Mitfavoriten davon. © imago images / Photo News / PanoramiC
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Der deutsche Rad-Shootingstar Emanuel Buchmann wirbelt das Gesamtklassement der Tour de France durcheinander. Als Sechster hat der 26-Jährige nach den Pyrenäen sogar noch gute Chancen, am Ende der Frankreich-Rundfahrt ganz oben auf dem Podest zu stehen. Der SPORTBUZZER stellt den Co-Kapitän von Bora-hansgrohe vor.

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Emotionen zu zeigen ist nicht die Sache des Emanuel Buchmann. Sachlich zog er nach der zweiten Woche der Tour am Ruhetag am Montag seine Bilanz. „Ich habe meine Leistungen wie erhofft abgerufen. Es ist eine super Ausgangslage für die dritte Woche“, sagte der Sohn eines Schreiners aus Ravensburg. Es klang wie ein Spruch in der väterlichen Werkstatt: Ein Tisch wird begutachtet, die Hand fährt über die Maserung des Holzes und handwerklicher Stolz klingt durch, gedämpft von Bodenständigkeit.

„Betten machen dauert bei uns leider etwas länger als im Märchen“ hat Vater Manfred Vogt als Motto auf die Website der Schreinerei setzen lassen. Und dieses Motto, so scheint es zumindest, treibt auch den Filius an. Jahrelang hat er daran gearbeitet, auf sein heutiges Niveau zu kommen. Er hat an seinem Körper gefeilt und geschraubt und dabei die Geduld nicht verloren.

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Das Talent von Emanuel Buchmann blitzte früh auf

„Emanuel hat sich bei uns Schritt für Schritt entwickelt“, sagt Ralph Denk, Chef des Rennstalls Bora-hansgrohe, stolz. Denk, der Oberbayer, holte Buchmann, den Oberschwaben, 2015 zu sich ins Team. Überzeugt haben mochte ihn, dass Buchmann 2014 deutscher Bergmeister der U23-Kategorie geworden war und dabei auf Deutschlands höchster Passstraße in den Berchtesgadener Alpen mit Steigungen von bis 24 Prozent schneller war als der Sieger der Männerkategorie. Das Talent blitzte früh auf.

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Und es konnte reifen. Im Schatten von Leopold König und Dominik Nerz, auch sie Rundfahrttalente, allerdings solche mit unvollendeten Karrieren, wuchs Buchmann heran. 2015 wurde er als Tour-Neuling bei einer Etappe über den Tourmalet aus einer Ausreißergruppe heraus Tagesdritter. Damals war er, trotz deutschem Meistertrikot auf den Schultern, ein Nobody. „Wir kamen mit der Wildcard zur Tour und hatten einen schweren Stand. Es war schon schwer, im Feld überhaupt nach vorn gelassen zu werden“, blickte Buchmann auf diese Zeit zurück.

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Seinen Durchbruch datiert er auf das Critérium du Dauphiné 2017. „Damals wurde ich Siebter. Und da merkte ich, dass die anderen schon ein Auge auf mich werfen und mich nicht so leicht weglassen“, erzählte Buchmann dem SPORTBUZZER.

Im letzten Jahr kam der nächste Schritt. Buchmann war erstmals Rundfahrtkapitän, bei der Vuelta a España. Sein Ziel, die Top Ten, verpasste er. Ursache waren Fehler in der Ernährung und unglückliches Timing des Höhentrainings. „Emanuel war am Schluss der Rundfahrt schwerer als am Anfang. Rennfahrer haben es im Kopf, dass sie viel essen müssen. Das ist auch richtig. Aber manch ein Teller Nudeln kann einer zu viel sein“, sagte Teamchef Denk. Die Teller Nudeln werden jetzt gezählt bei Bora-hansgrohe. Und das letzte Höhentrainingslager war näher dran an der Tour – so ist es besser für Buchmann.

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Deshalb brilliert er jetzt in den Bergen. Er hält nicht nur mit, sondern greift auch an. „Die anderen sind doch auch am Limit. Natürlich kann es passieren, dass man einbricht. Aber wenn man etwas gewinnen will, muss man was riskieren“, sagt er.

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Vom ersten deutschen Toursieg nach Jan Ullrich, der ihn in der Bild lobte ("Er hat das Zeug zum Champion"), im Jahr 1997 träumt Buchmann aber noch nicht. „Ich habe weiterhin die Top Ten als Ziel. Der Stärkste hier ist auch Thibaut Pinot“, meinte er. Wenn überhaupt, werde er auf der vorletzten Etappe das Gelbe Trikot angreifen. Sein Teamkollege Gregor Mühlberger sieht ihn aber zumindest auf dem Podium. „Er kann bis zum Ende vorne mit dabei sein. Einen Toursieg hat er auch drin, aber erst in den nächsten Jahren. In diesem Jahr sind wir Helfer noch zu schwach, wir brauchen als Team ein paar PS mehr“, sagte der Österreicher dem SPORTBUZZER.

Buchmanns Leistungen sind, so hofft man, auf ehrlicher Basis erbracht. „Von meiner Seite kann ich sagen, dass sich die deutschen Fans keine Sorgen machen müssen“, meinte Buchmann am Ruhetag, als er auf Doping angesprochen wurde. „Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

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