17. Mai 2022 / 19:02 Uhr

Werder-Baustellen nach Bundesliga-Rückkehr: Darum ist Bremen in Liga eins in der "Underdog-Rolle"

Werder-Baustellen nach Bundesliga-Rückkehr: Darum ist Bremen in Liga eins in der "Underdog-Rolle"

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Werder Bremen ist nach einjähriger Abstinenz zurück in der Bundesliga.
Werder Bremen ist nach einjähriger Abstinenz zurück in der Bundesliga. © IMAGO/Kirchner-Media/Sascha Janne (Montage)
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Bei Werder Bremen sorgt die Rückkehr in die Bundesliga für ausgelassene Freudenstimmung. Vor der nächsten Saison gibt es allerdings noch Baustellen. Der SPORTBUZZER blickt auf die Hintergründe. 

Auch noch am Montagmorgen dröhnte es im Stakkato "Werder" von der einen und "Bremen" von der anderen Seite. Nur wechselte der Sprechgesang nicht mehr von Ost- zu Westkurve, sondern lediglich an zwei Tresen der Bierkneipe Gleis 11 im Hauptbahnhof hin und her. Einige Enthusiasten hatten nach dem direkten Wiederaufstieg des SV Werder die ganze Nacht durchgehalten. Ganz nach der Vorgabe, die Kapitän Ömer Toprak am Sonntag ausgegeben hatte. "Heute Abend wird gefeiert bis zum Morgen. Da schläft keiner und wenn einer schläft, dann wecke ich den auf." Der Truck mit der Lackierung "Der SVW ist wieder da" quetschte sich in Schleichfahrt durch die Menschenmassen am Osterdeich, das gesamte Steintorviertel hatte sich in eine einzige Feiermeile verwandelt. Beim Double 2004 war in der Hansestadt nicht viel mehr los.

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Fans wie Profis sei der Ausnahmezustand erlaubt. Alle, die beim SV Werder in der Verantwortung stehen, haben gewusst, was eine weitere Ehrenrunde in der Zweitklassigkeit bedeutet hätte. Eine Verzwergung, wie sie der 1. FC Nürnberg oder Hannover 96 schon hinter sich haben. Nur einer blieb in dem emotionalen Wirrwarr mitsamt Platzsturm erstaunlich gelassen: Ole Werner zog selbst inmitten einer Bierdusche noch ein typisch norddeutsch-nüchternes Fazit. Der 34-Jährige sprach von "einer außergewöhnlichen Leistung, einer außergewöhnlichen Geschichte, einem außergewöhnlichen Moment".

Erst im von Fernsehmoderator und Stadionsprecher Arnd Zeigler geführten Talk mit Vorstandschef Klaus Filbry taute auch der Cheftrainer auf – und zog sogleich Vorgänger Markus Anfang in die Gesamtbetrachtung ein. Dessen gefälschter Impfpass stellte den Klub zwar vor eine Zerreißprobe, ermöglichte aber erst Werners Verpflichtung. Dass er und Werder zusammenfanden, war also irgendwie Zufall – aber im Nachhinein ein Glücksfall. Die Grundlage für die grün-weiße Wiedergeburt.

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Trainer Werner mit Macher-Mentalität

"In allem, was Ole als Mensch verkörpert und wie er Fußball spielen lassen will", lobte Filbry, "ist er für uns der Richtige. Das hat er von A bis Z unter Beweis gestellt." Bei Werners Amtsantritt war Werder Zehnter. 20 Punkte nach 15 Spieltagen. Die Abstiegszone näher als die Aufstiegsplätze. Doch ohne großes Gewese schweißte dieser im Kopf sehr klare Fußballlehrer, von dem übrigens auch DFB-Chefausbilder Daniel Niedzkowski schwärmt, das Team zusammen, wie Filbry anschaulich erklärte: "Nicht so viel schnacken, einfach machen – das ist es, was Bremen braucht." Der Boss hofft nur, "dass das der letzte Aufstieg ist, den wir mit Werder Bremen feiern, weil wir in der 1. Liga bleiben".

Aber vielleicht müssen die Bremer damit leben, dass sie ein Dasein zwischen Hoffen und Bangen führen müssen – und notfalls auch die Ligen mal wieder wechseln. Werner kündigte zwar an, auch in der Bundesliga versuchen zu wollen, "Werder-Bremen-Fußball zu bieten, aber bei der Qualität der Gegner werden wir häufiger in der Underdog-Rolle sein". Da ahnt einer, was kommt.

Vom Lizenzspieleretat wird vermutlich nur der VfL Bochum nächste Saison schlechtergestellt sein. Torwart Jiri Pavlenka hat seinen Vertrag am Dienstag verlängert, vieles andere ist noch zu klären. Ob der zur Führungskraft gereifte Marco Friedl gehalten werden kann, ob der Vertrag mit Abwehrspieler Milos Veljkovic verlängert werden kann – und was aus dem verletzungsanfälligen Routinier Toprak wird, der keinen Anspruch mehr auf sein hohes Garantiegehalt hat. Und dann hängt natürlich viel an den "hässlichen Vögeln" im Sturm. Ob die verlässliche Torproduktion von Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch auch im Oberhaus funktioniert, ist ebenso nicht gesichert wie ihr Verbleib, weil der eine noch einen üppig dotierten Vertrag aus alten Zeiten (Füllkrug), der andere eine recht niedrig angesetzte Ausstiegsklausel (Ducksch) besitzt. Werder wird Verstärkung in allen Mannschaftsteilen brauchen, um konkurrenzfähig zu sein. Sonst könnte den rauschenden Feiern schnell ein heftiger Kater folgen.