05. Juni 2021 / 21:08 Uhr

Bremen-Legenden schlagen nach Abstieg Alarm - Burdenski: "Werder muss wieder Werder werden!"

Bremen-Legenden schlagen nach Abstieg Alarm - Burdenski: "Werder muss wieder Werder werden!"

Hans-Günter Klemm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Werder-Legende Dieter Burdenski mahnt nach dem Abstieg des Traditionsklubs.
Werder-Legende Dieter Burdenski mahnt nach dem Abstieg des Traditionsklubs. © IMAGO/Team 2/Picture Point/Montage
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Nach dem ersten Bundesliga-Abstieg seit rund 40 Jahren machen sich Klub-Legenden von Werder Bremen Sorgen. Ex-Torhüter Dieter Burdenski sieht die Klub-Philosophie kritisch und fordert: "Werder muss wieder Werder werden!"

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Ein Schock war es für ihn nicht, eine Überraschung auch nicht. In seinem Haus in Achim hatte Ex-Fußballprofi und -trainer Uwe Reinders den „schleichenden Niedergang von Werder Bremen über zwei Jahre“ miterlebt. Natürlich blitzten bei dem Altmeister Erinnerungen auf an das Jahr 1980, an den ersten Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse. „Damals kam es überraschend, diesmal nicht“, vergleicht der 66-Jährige, Anfang der Achtziger im Kader des Bundesliga-Absteigers, die ähnlichen Ereignisse, die sich doch so unterscheiden. Vor allem was die möglichen Folgen anbelangt. Vor gut 40 Jahren glückte den Hanseaten der sofortige Wiederaufstieg, heuer ist dieses Unterfangen mehr als fraglich. „Ich habe große Angst“, so Reinders, „dass Werder den gleichen Weg geht wie die Traditionsklubs 1860 München oder Kaiserslautern.“

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Für den Wiederaufstieg hat beim neuen Zweitligisten das Stühlerücken begonnen. Markus Anfang übernimmt das Traineramt, Aufsichtsratsboss Marco Bode will nicht mehr zur Wiederwahl antreten, am Freitag verkündete Tim Borowski, zuletzt Co-Trainer, davor als Profi unter anderem Doublesieger 2004, seinen Abschied von Werder.

Von den Spielern, die den ersten tiefen Fall vor gut 40 Jahren zu verantworten hatten, ist Dieter Burdenski derjenige, der bis heute den engsten Kontakt zum Klub pflegt. Lange Spieler, danach Torwarttrainer und Reiseplaner, der mit seiner Agentur die Trainingslager und Reisen zu Europacup-Auftritten organisierte. Werder sei ein „spezieller Verein“, sagt „Budde“, der seit Jahren die besondere, mitunter eigenwillige Vereinsphilosophie kritisch hinterfragt. „Ich wollte nie ein Besserwisser sein, doch ich habe stets die negativen Punkte angesprochen.“



Burdenski fühlt sich bestätigt, sieht den Aufsichtsrat gleichermaßen in der Verantwortung wie die Geschäftsführung um Sportvorstand Frank Baumann. „Kein Weiter-so“, lautete die Parole, welche die Bosse vor einem Jahr ausgegeben haben. Für den 70-Jährigen ist danach nicht gehandelt worden. Alles wie gehabt, so die Devise am Osterdeich auf der Basis des Diktums, bloß die Kultur des Klubs nicht zu verraten, beispielhaft dokumentiert in Bezug auf Verhalten und Vorgehen in der Trainerfrage. Bis fast zum bitteren Ende durfte Florian Kohfeldt im Amt verharren. Das Ein-Spiel-Engagement von Thomas Schaaf kam zu spät.

„Werder muss Werder bleiben“ – mit dieser Maßgabe, so wettert Burdenski, sei der Klub gegen die Wand gefahren worden. „Entscheidend und richtig ist diese Richtlinie: Werder muss wieder Werder werden!“ Eine knallharte Manöverkritik der nicht auf den Mund gefallenen Torwartikone, die alle handelnden Personen ins Visier nimmt.

Unterstützung erhält Burdenski von einem ehemaligen Mitspieler. „Ich habe von außen das Gefühl, dass der Verein auf die neue Situation nicht vorbereitet ist“, meint Hartmut Konschal. Der im Bremer Umfeld lebende 68-Jährige erkennt auch für die nahe Zukunft des Zweitligisten keine Erfolg versprechende Perspektive: „Alles hört sich nicht so gut an. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen zweifeln. Das Projekt Wiederaufstieg erscheint unrealistisch.“

Die ökonomischen Zwänge bei Werder sprechen dagegen. Denn Erfolg sei eben mit Geld verbunden, sagt Reinders. Und er erinnert an den berühmt gewordenen Spruch des Aufstiegstrainers, der Werder wieder in die Erstklassigkeit geführt und danach eine Ära begründet hat: Otto Rehhagel. Sein Spruch: „Geld schießt Tore.“ Nur hat Werder halt nicht so viel davon.