04. Februar 2020 / 11:56 Uhr

Bremen vor Pokalkracher gegen den BVB in der Krise: Das sind die Gründe für die Werder-Krise

Bremen vor Pokalkracher gegen den BVB in der Krise: Das sind die Gründe für die Werder-Krise

Eric Zimmer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Werder Bremen befindet sich zur Zeit in einer schweren sportlichen Krise.
Werder Bremen befindet sich zur Zeit in einer schweren sportlichen Krise. © imago images/Sven Simon
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Mit großen Ambitionen war Werder Bremen in die Saison gegangen. Doch statt um Europa spielt der SVW gegen den Abstieg. Die Chancen des Abstiegskandidaten im DFB-Pokal-Duell gegen den BVB am Dienstag stehen denkbar schlecht. Der SPORTBUZZER erklärt, warum Werder aktuell so große Probleme hat.

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Es gibt da ein Musikalbum. "Lauter Werder" heißt es, erschienen 2019 zum 120-jährigen Geburtstag des Bundesligaklubs aus Bremen am 4. Februar. 21 abwechslungsreiche Songs über die Grün-Weißen sind drauf. Die Geburtstagssaison beendete der SVW auf Platz acht – Europa verpasst. Sei es drum. "Lauter Werder" lief heiß, Aufbruchsstimmung. Ein Jahr später könnte vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund an diesem Dienstag (20.45 Uhr, ARD) höchstens eine monotone Werder-Single erscheinen. Titelvorschlag: "Optimistisch auf Abwegen".

Denn der Abstiegskampf bestimmt die aktuelle Bremer Spielzeit: Platz 16, 17 Punkte. Und während sich Niederlage an Niederlage reiht, werden die Erklärungs- und Motivationsversuche vonseiten Werders immer vorausschaubarer. Beispiele? "Wir werden das schaffen." (Trainer Florian Kohfeldt nach dem 0:1 gegen Köln). "Es gibt für mich keinen Grund zum Zweifeln." (Mittelfeldmann Davy Klaassen nach dem 0:3 gegen Hoffenheim). "Abhaken, weitergehen." (Stürmer Davie Selke nach dem 1:2 gegen Augsburg). Das ist er, der Optimismus auf Abwegen – während sich der SVW immer weiter verfährt und keine Lösungen findet.

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Immerhin: Schönreden funktioniert nicht mehr. Sportchef Frank Baumann bewertet die Lage als "dramatisch" und Kohfeldt hat das Saisonziel im Dezember, also recht spät, korrigiert: "Es geht für uns darum, die Klasse zu halten." Den Trainer rauswerfen – für Baumann ist das kein Thema: "Wir sind weiterhin voll überzeugt von Florian." Hinwerfen ist wiederum keine Option für den Coach: "Ich werde nicht weglaufen. Ich bin Werder-Trainer und Werder-Fan."

Der Coach als Fan? Eine Aussage, die für Werders riskanten Sinn für Romantik steht, der aktuell mehr zu Sorgen als zu brauchbaren Auftritten führt. Da sind ...

... das Geldproblem: Werder will aus sich "selbst heraus" (Aufsichtsratsboss Marco Bode) erfolgreich sein – ohne Investor. Und mit Transfers auf Pump ist vorgezeichnet, was kommen könnte: Dass Milot Rashica, Werders bester Spieler, geht. Denn für die geborgten Ömer Toprak (2020), Leonardo Bittencourt (2020) und Selke (2021) gelten Kaufpflichten (wenn Werder Erstligist bleibt) im Gesamtvolumen von mehr als 20 Millionen Euro. Millionen, die Werder vor sich her schiebt. Ein Rashica-Verkauf (Marktwert: 35 Millionen Euro) würde sie bringen.

... das Talentproblem: Will Werder aus sich "selbst heraus" Erfolg haben, muss Kohfeldt Spieler wie die Stürmer Josh Sargent (19) und Johannes Eggestein (21) besser machen. Doch das klappt nicht. Eggestein bekommt aktuell nicht einmal die Chance, sich zu beweisen, saß zuletzt meist auf der Bank.

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... das Kruse-Problem: Max Kruse verteilt die Bälle längst bei Fenerbahçe Istanbul, Bremen konnte ihn nicht ersetzen. Yuya Osako schafft es nicht, Michael Gregoritsch (damals Augsburg, jetzt Schalke) war zu teuer. Geld, das ein Verkauf von Maximilian Eggestein (Marktwert: 23 Millionen Euro) hätte einbringen können. Er wurde gehalten, läuft seiner alten Form hinterher. Kohfeldt bekommt ihn nicht aus dem Tief. Dass Stürmer Niclas Füllkrug, aus Hannover geholt, sich das Kreuzband reißt, konnte keiner ahnen – Werder-Pech 2019/2020.

In der letzten Saison warf Werder den BVB aus dem Pokal - ein gutes Omen?

Und nun? Wartet Bremen auf einen Effekt, der Auftrieb gibt. Ausgerechnet jetzt rollt der torhungrige BVB an. Kohfeldt: "Wir haben wenig zu verlieren in diesem Spiel." Vergangene Saison warf Werder die Borussia raus – allerdings in Dortmund. Und das Wohninvest Weserstadion, so der offizielle Name, ist längst keine Festung mehr. Fünf Punkte holte Bremen in der Liga daheim, nur achtmal trötete dabei das Torsignal. Werder will das gegen den BVB ändern, wieder laut sein, ein Highlight setzen. "Ganz fest" haben sie sich das vorgenommen, sagt Kohfeldt. Optimismus am 4. Februar, Werders 121. Geburtstag.