15. September 2019 / 14:38 Uhr

Mit Werder Bremen: Ex-Babelsberger Christian Groß erlebt bei Union ein Märchen

Mit Werder Bremen: Ex-Babelsberger Christian Groß erlebt bei Union ein Märchen

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
14.09.2019, xblx, Fussball 1.Bundesliga, Union Berlin - SV Werder Bremen emspor, v.l. Christian Gross (SV Werder Bremen), Sebastian Andersson (FC Union Berlin)ß, Jiri Pavlenka (SV Werder Bremen) (DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO) Berlin *** 14 09 2019, xblx, Football 1 Bundesliga, Union Berlin SV Werder Bremen emspor, v l Christian Gross SV Werder Bremen , Sebastian Andersson FC Union Berlin ß, Jiri Pavlenka SV Werder Bremen DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO Berlin
Christian Groß (l.) lieferte als Innenverteidiger ein gutes Spiel ab. © imago
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Der Defensivspieler, eigentlich Kapitän der U23 des SV Werder Bremen, steht mit 30 Jahren erstmals in der Bundesliga-Startelf und feiert mit seinem Team einen 2:1-Auswärtserfolg beim Aufsteiger 1. FC Union Berlin.

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Das Gesicht von Christian Groß strahlte, als wüsste er die Lottozahlen vom kommenden Wochenende. Der 30-Jährige stand im Bauch des Stadions An der Alten Försterei und erzählte seine Geschichte so euphorisch, als müsste er sich selbst ab und zu zwicken. Einfach um sich zu versichern, dass er nicht träumt. „Das ist ein Märchen, ich lebe gerade meinen Traum“, sagte Groß am Samstagabend. Der Bremer absolvierte beim 2:1-Sieg des SV Werder gegen den 1. FC Union Berlin seinen ersten Bundesliga-Einsatz von Anfang an. Zuvor hatte der gebürtige Bremer bereits im DFB-Pokal gegen Atlas Delmenhorst (6:1) und eine Minute gegen den FC Augsburg (3:2) in der Bundesliga gespielt.

In Bildern: Werder Bremen in Noten: Die Einzelkritik zum Spiel gegen Union Berlin.

Die Bremer entführen nach einer hitzigen Partie in der Alten Försterei drei Zähler aus Köpenick. Das sind die Noten der Werderaner. Zur Galerie
Die Bremer entführen nach einer hitzigen Partie in der Alten Försterei drei Zähler aus Köpenick. Das sind die Noten der Werderaner. © Getty Images
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„Es hat so gekribbelt. Ich strahle einfach nur. In so einem Stadion bei so einer Atmosphäre zu spielen, das war unglaublich. Mir fehlen die Worte“, sagte Groß nach 90 packenden Minuten, in denen der Mittelfeldspieler in der Innenverteidigung überzeugte. „Grosso war sehr gut in der Spieleröffnung, hat viele Optionen geschaffen und war unglaublich mutig im Aufbau. Er ist schnell, zweikampf- und kopfballstark“, lobte Trainer Florian Kohfeldt. „Er hat gezeigt, dass er in der Bundesliga bestehen kann. Er bleibt auf jeden Fall bis zur Winterpause bei uns."

Zuhause auf Platz 11

Weil sich die Verletzungsmisere an der Weser schon seit einiger Zeit hinzieht, hat Groß die komplette Vorbereitung bei den Profis absolviert. Eigentlich ist er Kapitän der U23, für die er in der vergangenen Saison 30 Regionalliga-Spiele absolviert hat. Sein Zuhause ist Platz 11, wo die Amateure spielen. Beim „Tag der Fans“ durfte er im Sommer das Profi-Testspiel im Weserstadion gegen den FC Everton bestreiten.

„Ich habe als kleiner Junge beim Tag der Fans mal Bälle aufs Tor von Frank Rost geschossen. Jetzt war ich als Spieler dabei. Da schließt sich ein Kreis“, sagte Groß damals. „Es ist eine Momentaufnahme. Ich gucke von Tag zu Tag. Ich bin so lange da, wie ich gebraucht werde und gebe mein Bestes. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, wo ich wieder in die Regionalliga zurück muss und das ist dann auch okay für mich.“

In Bildern: Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum Spiel gegen Werder Bremen.

Union Berlin konnte nicht an den Triumph gegen Borussia Dortmund anknüpfen und unterlag den Werderanern. Das sind die Noten der Berliner. Zur Galerie
Union Berlin konnte nicht an den Triumph gegen Borussia Dortmund anknüpfen und unterlag den Werderanern. Das sind die Noten der Berliner. © Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Denkste. Nun ist Groß sogar Bundesligaspieler. Und er ist bemüht, dieses Glück richtig einzuordnen. „Ich weiß, warum ich gespielt habe, weil viele Leute ausgefallen sind, darum habe ich meine Chance bekommen.“ Er habe mehr Vorfreude als Nervosität gespürt. Und so gelassen erledigte er seinen Job, schaltete sich auch einige Male in die Offensive ein. „Früher habe ich öfter den Ball nach vorn getrieben, warum nicht auch hier.“ Nur beim Handelfmeter für Union war er nicht ganz auf der Höhe, als ihm der Ball auf den gehobenen Ellenbogen fiel. „Ich habe den Ball an der Hand gemerkt, aber ich habe den Ball gar nicht gesehen, aber zum Glück gab es ein Happy End.“

50 Drittligaspiele für Babelsberg 03

Das gilt nun wohl auch für die Karriere von Christian Groß. Aus der zweiten Mannschaft des Hamburger SV kam er 2011 zum damaligen Drittligisten Babelsberg 03. Bei seinem zweiten Einsatz, dem DFB-Pokal-Spiel gegen den MSV Duisburg (0:2), erlitt Groß einen Kreuzbandriss. Erst in der Saison 2012/13 war er wieder voll da. „Christian ist ein Riesen-Balleroberer, er gibt der Mannschaft Halt“, sagte der damalige SVB-Trainer Christian Benbennek, der mit Groß intensiv an seinem Positionsspiel arbeitete.

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga 2013 schloss sich Groß Regionalligist Sportfreunde Lotte an. Ein Jahr später wechselte er zum VfL Osnabrück, wo zu den 50 Drittligaspielen für Babelsberg weitere 132 hinzufügte. Der Wechsel vor einem Jahr zu Werder II mutete ein wenig wie die letzte Kurve seiner Karrierestrecke an. Doch nun komme er zurück auf die Fußballbühne, freute sich Groß, der in Osnabrück ein BWL- und Management-Studium absolviert. Das Trikot vom Union-Spiel hat er seinem besten Freund geschenkt. Gut möglich, dass in den kommenden Wochen noch ein paar Trikots hinzukommen.

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