18. September 2021 / 13:28 Uhr

Brisanz, Geschichte, Premiere: Die Lage vor dem Zweitliga-Derby zwischen Werder und dem HSV

Brisanz, Geschichte, Premiere: Die Lage vor dem Zweitliga-Derby zwischen Werder und dem HSV

Andreas Hardt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zum ersten Mal in der Geschichte wird das Nord-Derby zwischen Werder Bremen und dem HSV in der Zweitklassigkeit ausgetragen.
Zum ersten Mal in der Geschichte wird das Nord-Derby zwischen Werder Bremen und dem HSV in der Zweitklassigkeit ausgetragen. © IMAGO/agefotostock/Claus Bergmann/Jan Huebner (Montage)
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Erstmals in der Geschichte wird das Nord-Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV am Samstag in der 2. Bundesliga ausgespielt – eine Premiere, auf die beide Klubs gerne verzichtet hätten. Der SPORTBUZZER blickt im Vorfeld auf das Duell der Rivalen aus dem Norden Deutschlands.

Irgendwann ist immer das erste Mal. Das vergisst man nicht, da ist ein Kribbeln dabei und eine Vorfreude, wie wird es werden? Normalerweise. Es gibt aber auch Premieren, die braucht kein Mensch. Wie an diesem Samstag um 20.30 Uhr (live bei Sport1 und Sky) im Weserstadion. Da treffen Werder Bremen und der Hamburger SV zum 141. Mal in einem Ligapunktspiel aufeinander – aber nach 32 Partien in der alten Oberliga Nord und 108 Bundesliga-Spielen zum ersten Mal in der Zweitklassigkeit. Das passt nicht - irgendwie.

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"Das Nordderby ist in seiner Brisanz in Deutschland nur mit Dortmund gegen Schalke vergleichbar", sagt Werders Sport-Geschäftsführer Frank Baumann. Und es reihen sich ja auch zahlreiche Geschichten und Mythen von sportlichem Triumph und Tragödie darum. Am bekanntesten natürlich die Serie von Duellen im Jahr 2009, als der HSV in einem Monat im Halbfinale des DFB-Pokals sowie des UEFA-Cups an Bremen scheiterte. Und anschließend auch noch eine Bundesliga-Pleite gegen Werder kassierte. Folge: Die Champions League wurde am Ende verpasst.

Während für die Fans diese Serie unvergessen ist, bemühen sich die Verantwortlichen, die Geschichte zu verdrängen. "Ich habe das damals nicht so mitgekriegt", sagt HSV-Cheftrainer Tim Walter. "Ich war woanders angestellt." Clemens Fritz, Bremens Leiter der Lizenzspielerabteilung, war damals als Spieler mit dabei: "2009 wird immer in den Geschichtsbüchern bleiben, hat aber für jetzt keinerlei Relevanz."

Fehlinvestitionen begleiteten den HSV und Werder in die Krise

Das ist nur bedingt richtig, denn 2009 legte den Grundstein für den Niedergang. Beim HSV eher als in Bremen. Beide Klubs investierten in Folge erhebliche Summen in die Mannschaft, hatten dabei aber keine glückliche Hand. So klafften die Lücken zwischen Kosten und sportlichem Erfolg immer weiter auseinander. Werder und der HSV fingen an, die Finanzierungen für Transfers in die Zukunft zu schieben und darauf zu hoffen, dass es irgendwie wieder reicht für den europäischen Wettbewerb. Doch es reichte nicht.

Der HSV hat nach drei verpassten Wiederaufstiegen seinen Kader der 2. Bundesliga angepasst. Der Klub ist kein Aufstiegsfavorit mehr und der Saisonstart verlief mit neun Punkten aus sechs Spielen (Platz neun) holprig. "Eine gestandene Zweitligamannschaft" nennt Werder-Trainer Markus Anfang den Nordrivalen. Das meint er respektvoll, klingt für HSVer aber furchtbar. In Bremen gab es nach dem Abstieg ebenfalls einen radikalen Umbruch, zahlreiche Spieler mussten gehen, um das Gehaltsgefüge zu entlasten und Ablösen zu generieren. Erst mit Transferende am 31. August stand das Team. Mittelstürmer Marvin Ducksch und Mittelfeldspieler Mitchell Weiser konnte Baumann jedoch überdurchschnittliche Kicker an die Weser locken.

HSV-Trainer Walter: "Ich bin extrem gelassen"

Mit elf Punkten auf Platz drei hat sich Bremen inzwischen gut positioniert. "Werder hat eine Mannschaft mit Bundesliga-Erfahrung und den höchsten Marktwert", sagt HSV-Coach Walter, "und sie haben als Heimmannschaft sicher auch einen Vorteil. Aber wir wissen, was wir können. Es wird ein ansehnliches Spiel." Der erst in der Nachspielzeit erzwungene 2:1-Sieg gegen den SV Sandhausen am vergangenen Samstag könnte tatsächlich eine Wende gebracht haben. Der HSV ist das Team mit der größten Laufleistung, der besten Passquote und dem meisten Ballbesitz – der Ertrag war bislang nur zu gering. "Ich bin extrem gelassen", sagt Walter jedoch, "im Training machen die Jungs es herausragend."


1050 HSV-Fans werden im Weserstadion dabei sein. Die Ultras allerdings verzichten auf den Besuch. Dennoch ist die Bremer Polizei in Alarmbereitschaft, setzt zusätzliche Hundertschaften ein, die Partie wurde als Hochsicherheitsspiel eingestuft. Laut Bild kostet das zusätzliche 500 000 Euro. Wie hitzig die Atmosphäre unter Corona-Bedingungen tatsächlich wird, muss man abwarten. In der norddeutschen Derbygeschichte wird das Match dennoch seinen festen Platz erhalten: Ganz sicher als erstes Spiel in der 2. Liga – und vielleicht für einen Verein als Meilenstein auf dem Weg zum Wiederaufstieg.