15. Februar 2020 / 06:00 Uhr

Steigt Werder Bremen aus der Bundesliga ab? Hier sprechen vier Legenden über die Abstiegsgefahr

Steigt Werder Bremen aus der Bundesliga ab? Hier sprechen vier Legenden über die Abstiegsgefahr

Hans-Günther Klemm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Werder Bremen droht der erste Bundesliga-Abstieg seit 1980. Die SVW-Legenden Ivan Klasnic (o.l., im Uhrzeigersinn), Uli Borowka, Frank Neubarth und Dieter Burdenski machen sich große Sorgen.
Werder Bremen droht der erste Bundesliga-Abstieg seit 1980. Die SVW-Legenden Ivan Klasnic (o.l., im Uhrzeigersinn), Uli Borowka, Frank Neubarth und Dieter Burdenski machen sich große Sorgen. © imago images/Getty
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Werder Bremen kämpft um den Verbleib in der Bundesliga - vor dem Spiel gegen RB Leipzig am Samstag bezog Trainer Florian Kohfeldt mit seinen Spielern ein Kurz-Trainingslager. Die Werder-Legenden Ivan Klasnic, Uli Borowka, Frank Neubarth und Dieter Burdenski sorgen sich um die Zukunft.

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Um den Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern, ziehen sie beim SV Werder Bremen jetzt alle Register. Vor dem Spiel an diesem Samstag bei RB Leipzig (15.30 Uhr, Sky) bezog das Team des Tabellenvorletzten ein Kurztrainingslager, nahm Ex-Kapitän Clemens Fritz (jetzt Leiter der Scouting-Abteilung) als Motivator mit, dazu den Teampsychologen Andreas Marlovits. Ohne „Störfaktoren“, so Trainer Florian Kohfeldt, sollte sich seine Mannschaft auf den Kampf gegen den Gang in die 2. Liga besinnen. „Wir haben noch 13 Spiele, das sind 13 Chancen für uns. Das muss in jeden Kopf rein“, fordert Kohfeldt. Laut Weser-Kurier würde ein Abstieg den Klub und die Stadt Bremen mehr als 50 Millionen Euro kosten. Ein Horrorszenario.

Burdenski erinnert die Werder-Saison an 1980

Bremen am Boden – Erinnerungen an 1980 werden wach. Torwart Dieter Burdenski war damals einer der Hauptdarsteller. „Wir kämpften Saison für Saison um den Klassenerhalt, das konnte nicht lange gut gehen. Schließlich hat es uns erwischt“, erinnert sich das Werder-Urgestein an den Abstieg, das bisher einzige Abrutschen aus der Erstklassigkeit. In diesen Tagen leidet der 69-Jährige wieder mit seinem Verein, „obwohl es heute eine ganz andere Situation ist“.

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Der hauptsächliche Unterschied im momentanen Überlebenskampf zur einstigen Notlage aus der Sicht des früheren Nationaltorwarts: „Wir sind damals nicht in die Spielzeit gestartet, um uns für Europa zu qualifizieren. Wir waren ein Abstiegskandidat.“ Für Burdenski ist der zu registrierende Leistungsabfall der gesamten Mannschaft daher „unerklärlich und ein Rätsel“. Mitstreiter von einst sehen es genauso. „Beängstigend“, sagt Frank Neubarth, der Torjäger in der Burdenski-Ära, über die Entwicklung. Und Uli Borowka bereitet die Performance des Teams beinahe körperliche Schmerzen. Der frühere Abwehrrecke meint über den dramatischen Zerfall der Werder-Truppe: „Ich habe Bauschmerzen, es tut weh.“

Klasnic zweifelt nicht an Kohfeldt: "Ein guter Mann, der Zeit braucht"

Die Gründe für den Niedergang? Burdenski nennt die Heimschwäche: „Nur fünf Punkte zu Hause, mit dieser Bilanz steigt man ab.“ Auch Neubarth erwähnt „die nackten Zahlen“. Werder ist mit Mainz (je 48 Gegentreffer) die Schießbude der Liga und ein Papiertiger in der Offensive (nur 25 Tore). Borowka führt an, dass diese Mannschaft einen Negativrekord nach dem anderen aufstelle. Einstellung und Mentalität der Spieler werden als Grundübel angeprangert.

Differenziert betrachten die Werder-Ikonen den Anteil des Trainers am Niedergang. Ivan Klasnic, Mitglied der Double-Mannschaft von 2004, rüttelt nicht am Stellenwert des Florian Kohfeldt: „Ein guter Mann, der Zeit braucht.“ Sehen nicht alle so. Burdenski spricht von einer „Nibelungentreue der Herren Bode (Aufsichtsratsvorsitzender, d. Red.) und Baumann (Geschäftsführer Sport, d. Red.) und wünscht den Bossen viel Glück, dass sich dies auszahlt. Ein kritischer Ansatz, der durchschimmert. Wie auch bei Borowka: „Es geht um Werder, nicht um Einzelpersonen.“ So kann Neubarth nicht ganz das sture Festhalten an dem erfolglosen Coach nachvollziehen. Möglicherweise, geht der Stürmer von früher in die Offensive, täte ein „neuer Impuls durch einen neuen Mann“ gut.

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Kopfschütteln haben bei den Beobachtern dabei die letzten Aussagen Kohfeldts hervorgerufen. Für Wolfgang Rolff, lange Assistent unter Erfolgstrainer Thomas Schaaf, sind es „Ausreden und Ausdruck der Hilflosigkeit“. Er sieht die Gefahr, dass die Lage weiter unterschätzt wird, „zumal zu wenig Feuer in der Mannschaft ist“. Sein Rat an Kohfeldt: Er solle die Nähe zu Schaaf suchen, die Unterstützung des jetzigen Sportlichen Direktors von Werder einfordern.

Borowka zweifelt an Werder-Klassenerhalt: "Mir fehlt der Glaube"

Wer hat noch Hoffnung? Burdenski und Klasnic sind optimistisch. Gleichlautende Ansage: „Noch 13 Spiele, noch nichts verloren.“ Doch die Wende müsse bald kommen. Borowka sieht indes weniger Ansätze zum Positiven: „Ich wünsche es mir, doch mir fehlt so langsam der Glaube.“ Für Neubarth ist eine Rettung „nur schwer vorstellbar, weil die Elf noch mindestens sechs Spiele gewinnen muss“.

Einig ist sich die Expertenrunde über die Konsequenzen eines möglichen Abstiegs. „Eine Katastrophe“, sagen alle. Für den Klub Werder, die Stadt Bremen, die Region. Borowkas drastische Wortwahl: „Dann ist hier Wüste.“ Womöglich jahrelang, denn ein Wiederaufstieg, prophezeit Neubarth, sei „wahrlich kein Selbstläufer“.

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