14. Dezember 2019 / 08:02 Uhr

Werder-Profi Leonardo Bittencourt über seinen Bayern-Fluch, sein Wandervogel-Image und Rassismus

Werder-Profi Leonardo Bittencourt über seinen Bayern-Fluch, sein Wandervogel-Image und Rassismus

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Leonardo Bittencourt ist von 1899 Hoffenheim an Werder Bremen ausgeliehen – würde aber gern an der Weser bleiben. Unter bestimmten Voraussetzungen greift eine Kaufverpflichtung. 
Leonardo Bittencourt ist von 1899 Hoffenheim an Werder Bremen ausgeliehen – würde aber gern an der Weser bleiben. Unter bestimmten Voraussetzungen greift eine Kaufverpflichtung.  © imago images
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Werder Bremen ist die bereits fünfte Bundesliga-Station für Leonardo Bittencourt, mit gerade mal 25 Jahren – so früh schaffte das noch niemand. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern spricht der Offensivspieler im SPORTBUZZER-Interview über einen Negativlauf, die Entscheidung, als 18-Jähriger zu einem Topklub wie Borussia Dortmund zu wechseln, und Vergleiche mit Max Kruse.

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SPORTBUZZER: Herr Bittencourt, haben Sie Ihrem Trainer Florian Kohfeldt bereits gesagt, dass er Sie am Samstag nicht einsetzen soll?

Leonardo Bittencourt (25): (runzelt die Stirn) Warum?

Sie kennen Ihre persönliche Bilanz gegen den FC Bayern?
Sieht wahrscheinlich nicht so gut aus.

Acht Niederlagen in acht Spielen.
Ach, gegen die Bayern kann das schon mal passieren. (lacht) Aber dann werde ich mal probieren, das zu ändern. Wird natürlich schwierig, da bin ich ehrlich.

Sie könnten sich bei Ihren Ex-Mitspielern in Hoffenheim erkundigen, die am 7. Spieltag mit 2:1 in München gewannen.
Vielleicht mache ich das. (lacht) Am liebsten würde ich sogar jedes Wochenende gegen Bayern spielen – dann würde meine Serie auch irgendwann reißen. Und generell: Allianz Arena, ausverkauftes Haus. Warum bin ich sonst Profi geworden?

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Bereits mit 18 sind Sie zu Borussia Dortmund gewechselt. Worin besteht da gleich zu Anfang der Karriere der Reiz?
Allein schon, um mit all den großen Spielern zusammen zu trainieren, die man aus dem Fernsehen kennt – und von denen ich so viel gelernt habe. Ich stand im Champions-League-Finale, habe mein Debüt im Derby gegen Schalke gegeben. Von einem so großen Verein träumt doch jeder kleine Junge.

… aber weiß man nicht, dass man dort vielleicht noch gar keine Chance hat?
Vielleicht aber doch. Nehmen wir Jadon Sancho, auch wenn der von Manchester City kam – und nicht wie ich von Energie Cottbus. (lacht) Ich hätte es mir auch lieber so gewünscht. Man muss eben für sich entscheiden: Geht man den schwierigen Weg und probiert es – und zieht weiter, wenn es nicht klappt. Oder geht man Schritt für Schritt und hofft, dass man später die Chance erhält.

Welche Rolle spielt bereits Geld bei einem solchen Angebot?
Sicherlich ist das auch ein Aspekt. Aber meist sind die Angebote der Vereine gar nicht so unterschiedlich, wenn man aus der 2. Liga verpflichtet wird. Gerade Jungs, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sollten eher darauf achten, wo sie sich am besten weiterentwickeln können, wo sie Spaß haben – und nicht aufs Geld. Wenn man sich auf einer Bühne präsentieren kann, kommt die Chance, den nächsten Schritt zu machen, meist von alleine.

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Sie haben damals nur fünf Ligaspiele für den BVB absolviert.
Und weil mich das nicht mit Freude erfüllt hat, bin ich dann auch nach Hannover weitergezogen. Aber ich hätte auch meinen Vertrag fünf Jahre absitzen und sagen können: Ich bin der Coolste, weil ich das BVB-Logo auf der Brust trage.

Stattdessen folgten Stationen in Köln, Hoffenheim und jetzt Bremen. Fünf Bundesligisten hatte noch kein anderer 25-Jähriger vor Ihnen in seiner Vita stehen. Sind Sie ein Wandervogel?
Das kommt vielleicht so rüber, aber ich sammele diese Stationen nicht. Es gab immer sportliche Gründe. So viele verschiedene Vereine, Verantwortliche und Strukturen kennengelernt zu haben hat mich jedenfalls enorm weitergebracht.

Sie durften und dürfen unter Jürgen Klopp, Julian Nagelsmann und Florian Kohfeldt trainieren – was verbindet sie?
Alle drei haben den unbedingten Willen, ein Spiel zu gewinnen. Sie sind Perfektionisten, haben echt eine Menge drauf. Und doch sind sie als Menschen sehr verschieden, das kann ich sagen – ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen.

Treffpunkt Weserstadion: Reporter Tim Lüddecke (r.) mit Leonardo Bittencourt.
Treffpunkt Weserstadion: Reporter Tim Lüddecke (r.) mit Leonardo Bittencourt. © Copyright 2019. All rights reserved.

Sie haben brasilianische Wurzeln, tragen bei Werder die Nummer 10 – klingelt’s schon?
Klar, Diego. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich Balljunge in Cottbus war und er mit Werder dort aufgelaufen ist. Zum Glück konnte ich noch gegen ihn spielen, als er bei Wolfsburg war. Aber mittlerweile ist es ja lockerer geworden, dass nicht nur die besonderen Spieler die 10 bekommen.

Jetzt stapeln Sie tief.
(lacht). Man kann schon sagen, dass ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist, in einer Bundesliga-Mannschaft die 10 zu tragen. Aber mich würde so etwas nie belasten.

Zuletzt hat die Nummer Max Kruse getragen.
Ich glaube, dass man uns nicht direkt vergleichen kann, weil wir von der Position her zu unterschiedlich sind. Doch wenn man hört, wie die Fans über ihn sprechen, hat er hier schon etwas hinterlassen. Das ist auch mein Ziel.

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Auch vom Typ her?
Ich will keine Rolle einnehmen. Aber ich sage schon, was ich denke. Es liegt in meinem Naturell, direkt zu sein.

Sie haben die komplette Jugendabteilung von Energie Cottbus durchlaufen – ein Klub, dessen Fankurve für rechte Tendenzen berüchtigt ist. Werden Sie da unfreiwillig besonders hellhörig?
Ich habe damals glücklicherweise gar nichts in dieser Richtung erlebt. Generell hat Rassismus absolut keinen Platz im Fußball. Gerade wenn man sieht, wie viele unterschiedliche Kulturen es gibt, und wie es der Fußball schafft, diese miteinander zu verbinden, passt das einfach auch gar nicht.

Kommt diesem Thema im Fußball der Stellenwert zu, den es braucht? Es ist nie genug getan – weil es noch viel zu häufig passiert. Deswegen muss man weiter dagegen vorgehen, damit es irgendwann hoffentlich gar nicht mehr passiert.

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