23. November 2022 / 06:00 Uhr

Werder-Trainer Ole Werner über Rasenmähen, die Entwicklung des Bremer Teams und Druck

Werder-Trainer Ole Werner über Rasenmähen, die Entwicklung des Bremer Teams und Druck

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hat das Bundesliga-Jahr 2022 mit Werder Bremen auf Platz neun beendet: Trainer Ole Werner.
Hat das Bundesliga-Jahr 2022 mit Werder Bremen auf Platz neun beendet: Trainer Ole Werner. © IMAGO/Picture Point LE
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Ole Werner spielt mit Aufsteiger Werder Bremen bislang eine gute Saison und hat das Bundesliga-Jahr 2022 auf Tabellenplatz neun beendet. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der SVW-Coach über die Stärken seiner Mannschaft, den Unterschied zwischen 2. Liga und Bundesliga sowie die WM in Katar.

Bei Bundesliga-Aufsteiger Werder Bremen steht mit Ole Werner ein noch recht junger Trainer an der Seitenlinie. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), spricht der 34-Jährige über die Unterschiede zur 2. Liga, psychische Belastungen für Trainer sowie sein soziales Engagement.

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Herr Werner, Sie haben während eines Australien-Aufenthalts mehrere Monate als Gärtner gearbeitet.

Stimmt. Ich habe mit Rasenmähen und anderen Arbeiten diese Zeit in Australien finanziert. Trotzdem kann ich nicht jeder Pflanze einen Namen zuordnen. Mein Ding ist es eher, alles so zu schneiden und zu stutzen, dass es vernünftig und auch schön aussieht.

Manche Pflanze benötigt zum Wachsen viel Zuwendung. Wie ist das mit einer Mannschaft, und wann steht diese in voller Blüte?

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Fertig wird man mit der Entwicklung einer Mannschaft wohl nie. Es können immer unvorhergesehene Dinge passieren, auf die man als Trainer reagieren muss. Ich glaube, dass wir uns im Laufe des vergangenen Jahres ganz vernünftig entwickelt haben, wenn auch unter gegensätzlichen Aufgabenstellungen. So waren wir im ersten Halbjahr in der 2. Liga eigentlich Woche für Woche in der Rolle des Favoriten. In der Bundesliga aber sind nun meist die anderen die Favoriten, während wir als Aufsteiger der Underdog sind. Da kann es durchaus vorkommen, dass du mal zwei, drei Spiele in Folge verlierst. Trotzdem ist es uns bisher gelungen, einen attraktiven, offensiven Fußball zu spielen, der – und das ist für uns sehr wichtig – den Stärken unserer Spieler entspricht.

Wo liegen die Ihrer Meinung nach?

Ich sehe uns nicht als Mannschaft, die in der eigenen Hälfte auf Umschaltaktionen wartet, sondern als Team, das bei eigenem Ballbesitz gute Lösungen findet. Als Mannschaft mit kreativen Spielern, die ihre Stärken in der Offensive haben. Dem müssen wir Rechnung tragen. Es macht wenig Sinn, mit einem Kader, in dem selbst einige der Verteidiger vielleicht größere Stärken im Spiel mit, als im Spiel gegen den Ball haben, ausschließlich defensiven Fußball spielen zu lassen.

Von den letzten acht Spielen vor der Winterpause hat Werder vier verloren, aber auch vier gewonnen. Hopp oder top also?

Zunächst möchte ich sagen, dass wir mit Ausnahme des Spiels gegen die Bayern in allen Partien mithalten konnten – was für einen Aufsteiger erst einmal ein gutes Zeichen ist. Mithalten allein reicht zwar nicht aus, um jedes Mal auch Punkte zu holen, aber wenn die Spiele eng sind, weiß man, dass man einen vernünftigen Job gemacht hat. Damit die Spiele eng sind, muss man aber Woche für Woche bis an die Grenze gehen, um in den ein, zwei Situationen, die sich vielleicht bieten, das Spiel für sich zu entscheiden.

Wie schwer war die Umstellung von der 2. Liga auf die Bundesliga?


Es gibt gravierende Unterschiede. Während in der 2. Liga zum Beispiel viele Teams über lange Bälle kommen, siehst du das in der Bundesliga deutlich seltener, hier dominieren eher die spielerischen Aspekte. Der größte Unterschied aber ist die individuelle Qualität. Wenn du in der Bundesliga auf Höhe der Mittellinie einen Ball verlierst, entwickelt sich daraus mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit eine Torchance für den Gegner. In der 2. Liga ist diese Gefahr geringer, weil der Gegner in einer solchen Situation vielleicht einen technischen Fehler macht, einen Pass unsauber spielt oder weil das Tempo auf dem Weg zum Tor verloren geht.

Ist gerade auch für den Trainer die psychische Belastung größer?

Drucksituationen können im Profi- und Spitzensport im Endeffekt in jedem einzelnen Spiel entstehen, da spielt die Liga keine Rolle. Als sich in der Endphase der vergangenen Saison abzeichnete, dass der Aufstieg möglich sein würde, da bedeutete das objektiv betrachtet größeren Druck, gerade auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Subjektiv sehe ich persönlich jedoch eher das Ziel, als dass ich dem Druck nachgeben müsste. Ich bin heute vor einem Spiel genauso angespannt oder entspannt, wie das in der 2. Liga oder in der Regionalliga der Fall war. Da gibt es für mich keinen Unterschied.

Sie engagieren sich für Obdachlose und Menschen, die auf Essensspenden angewiesen sind. Wie absurd mutet da eine WM an, die angeblich 220 Milliarden US-Dollar kostet?

Offen gestanden, sehr absurd, denn eine so unfassbare Summe steht in keiner Relation zu anderen, existenzielleren Themen als Fußball. Dabei könnte man in vielen Fällen schon mit einfacheren Mitteln für Verbesserungen sorgen. Dass es nicht gerecht zugeht und man sich immer wieder fragt, warum haben wenige so viel und viele so wenig, ist nicht nur im Fußball so. Zudem würde ich als jemand ohne große Spielervergangenheit heute wohl gar nicht im Profibereich arbeiten können, wäre nicht so viel Geld im Spiel, dass es heute zum Beispiel Nachwuchsleistungszentren gibt, die Bedarf an Trainern haben.

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